Andre Citroen

Ein Artikel aus der Rubrik Berühmte Spieler.

Andre Citroen, der französische Automobil-Fabrikant, schien Glücksspiel vor allem als Mittel zur Förderung seiner Publicity zu benutzen. Citroen war ein ausgezeichneter Autokonstrukteur und er besaß ein unerschütterliches Vertrauen in die Zukunft des Automobils, schon in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts, als andere das Auto noch als eine Torheit betrachteten. Mit ebenso großer Berechtigung könnte man allerdings die Berühmtheit Citroens auf seinen ausgeprägten Sinn für Publicity zurückführen.
Citroens Laufbahn war mit ausgeklügelten und dramatischen Geniestreichen auf dem Gebiet der Publicity übersät. So brachte er es fertig, die Behörden zu überreden, sie sollten den Eiffelturm bei Nacht mit seinem Namen illuminieren. Er erregte die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, als er eine Karawane seiner Automobile quer durch die Sahara fahren ließ. Und eines Abends im Jahre 1926 setzte er sich wild entschlossen an den Spieltisch, um so lange beim Baccara zu verlieren, bis er den Rekord aller Zeiten aufgestellt hatte. Zweck des kostspieligen Unternehmens: Er wollte mit seinem Namen wieder einmal in die Zeitungen kommen. Citroen verlor dabei 13 Millionen Francs. Eine der unangenehmeren Begleiterscheinungen dieser Rekordsitzung bestand darin, daß die Banken drohten, seine Firma unter den Hammer zu bringen. Aber ein Mann von der Energie eines Citroen hielt es nicht lange in den Tiefen des Daseins. Citroen steigerte die Produktion seiner Fabrik und entwarf einen neuen Verkaufs-Feldzug, den er sogar auf Amerika ausdehnte. In kurzer Zeit war er finanziell wieder auf beiden Beinen.
Citroen fühlte sich in der Gesellschaft reicher und berühmter Leute wohl, das war auch der Grund, weshalb er spielte, denn das Kasino von Deauville verfügte stets über jenes Publikum, mit dem er so gerne auf Tuchfühlung war. Das Spiel selbst interessiert mich überhaupt nicht, auch nicht, ob ich gewinne oder verliere, hat er einmal gesagt. Mich interessiert nur, ob die Summen, die ich gewinne oder verliere, groß genug sind, daß die Zeitungen davon Notiz nehmen. Alles, was er unternahm, zielte darauf ab, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen. Ihm gelang es sogar, jene Regel des Kasinos von Deauville ändern zu lassen, derzufolge nur Spieler, nicht aber Spielerinnen zum exklusiven Baccara-Saal Zutritt haben. Dazu veranlaßte er seine Frau, einfach den Saal zu betreten und Nico Zographos, den Bankhalter, dazu zu veranlassen, ihren Mann zur Beendigung seines Spiels zu überreden, weil er schon zu viel verloren habe.
In seinen besten Zeiten erreichte Citroen mit seinen Ergebnissen als Glücksspieler nahezu immer die Schlagzeilen. Er brauchte nur mit Paderewski oder dem Aga Khan ein Kasino zu betreten, schon war ihm eine ausgiebige Berichterstattung über die Dauer seiner Spiel-Sitzung und über ihre Ergebnisse in Zeitungen und Gesellschafts-Magazinen sicher. Immer auch war ein Foto dabei. Man sagte ihm nach, daß er mit der Bank in beliebiger Höhe mithalten konnte. Das stimmte nicht, aber es sicherte ihm Publicity. Immer auch wurden seine spektakulären Erfolge am Spieltisch von geschickten Schreibern mit den Erfolgen seiner Automobile verquickt, dabei schrieb man seinem Scharfsinn als Spieler auch das Genie zu, die Massen mit Autos zu versorgen.
So viel Publicity er zu Lebzeiten hatte, so wenig wurde ihm zuteil, als er 1935 starb. Seine Firma war zusammengebrochen, Michelin hatte sie übernommen. In einem knappen Nachruf stand zu lesen, sein Spekulieren mit dem Prinzip des Vorderradantriebs sei entscheidend für den Zusammenbruch seines Unternehmens gewesen. Er hatte das Prinzip bei dem Modell von 1934 verwirklicht.

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