Baccara

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts muß das Kartenspiel Baccara in Südfrankreich aufgekommen sein, zunächst als Spiel der oberen Zehntausend. Heute ziehen es elementare Spielernaturen dem Roulette-Spiel vor. Es hat mit der Roulette den schnellen Entscheid gemeinsam und bietet außerdem die Möglichkeit zu bluffen. Man nennt es auch Chemin de fer.

Zum Baccara Spiel gehören sechs Spieler und zwei Kartenspiele. Sie werden mit größter Sorgfalt gemischt, mehrmals durchstochen, abgehoben und dann in den Holzkasten (Schlitten) gesteckt, aus dem die Karten gezogen werden. Früher spielten die Pointeure, die Mitspieler, gegen die Bankhalter. In neuerer Zeit geht der Schlitten reihum, und jeder kann einmal Bankhalter werden.
Die Bank ist durch einen Croupier als Spielleiter vertreten, der mit seiner großen Kelle die Karten und die Jetons einzieht, verteilt und die abgespielten Karten mit artistischem Schwung durch Ritzen in einen Kasten unter dem Tisch befördert. Die Bank selbst spielt nicht mit, daher zieht sie von jedem Satz einen Gewinnprozentsatz ein.
Das Spiel geht darauf hinaus, mit zwei oder drei Karten die 9 zu erreichen oder ihr möglichst nahe zu kommen. Bilder und Zehner zählen nicht, das As ist gleich 1, Zwei = 2 usw. Früher rechnete man die Figurenkarten mit 10 und nannte 19 als Spielzahl.

Die Baccara Spielregeln

Am Baccara Spiel kann sich jeder beteiligen, auch ohne Kenntnis davon zu besitzen, da der am Tisch sitzende Croupier als Leiter des Spiels dafür sorgt, daß genau nach den internationalen Spielregeln gespielt wird, und dem Spieler hilft, falls er erklärt, das Spiel nicht zu beherrschen. Kommt trotzdem durch Übereilung eines Spielers ein Fehler vor, so wird das betreffende Spiel durch den Croupier anhand der Spielregeln richtiggestellt.
Zum Spiel gehören sechs Kartenspiele zu je 52 Blatt.
Vor Beginn des Spiels mischt der Croupier die sechs Kartenspiele zuerst mit der Bildfläche nach oben, dann mit der Bildfläche nach unten (er macht Salat) und bietet den Spielern die Karten zum Nachmischen an mit den Worten Carte passe. Nach einer evtl. Nachmische durch einen Spieler mischt der Croupier erneut und reicht die Karten dem Spieler auf Platz 9 zum Schneiden. Dieses geschieht, indem der betreffende Spieler eine rote Karte an einer beliebigen Stelle, etwa in der Mitte der zusammengenommenen Karten, einsteckt. Der Croupier nimmt nun das durch die rote Karte geteilte Spiel und legt die untere Hälfte nach oben, so daß dadurch ein Abheben erfolgt. Dann zählt er sieben Karten von unten ab und legt auf diese eine rote Karte ins Spiel, so daß gegen Ende des Spiels beim Auftauchen der roten Karte alle Beteiligten wissen, daß noch sieben Karten, der letzte Coup, vorhanden sind. Der Croupier legt die Karten in einen für die Aufnahme der Karten besonders angefertigten Holzkasten, den Schlitten.
Das Spiel wickelt sich nun folgendermaßen ab: Der Croupier gibt den Schlitten auf Platz 1 des Tisches. Der Inhaber des Platze 1 ist in diesem Falle der Bankhalter. Er übergibt dem Croupier eine beliebige Summe die Bank. Nun forciert der Croupier die Spieler auf, um die ausgesetzte Summe zu spielen.
Meldet sich ein Gegenspieler (Pointeur), welcher dieses Banco spielen will, so zieht der Bankhalter die oberste Karte, die für den Pointeur bestimmt ist, verdeckt aus dem Schlitten und legt sie vor sich hin. Er zieht dann die nächste Karte aus dem Schlitten für sich, die dritte Karte wiederum für den Pointeur. Diese sowie die erste Karte reicht dann der Croupier dem Pointeur, der sie verdeckt vor sich hinlegt, dann zieht der Bankier eine vierte Karte für sich, so daß beide, Bankier wie Pointeur, je zwei verdeckte Karten vor sich liegen haben. Hat der Pointeur in seinen beiden Karten, die er jetzt ansieht, ohne sie aufzudecken, 8 oder 9 (siehe Erläuterung I), so deckt er seine Karten sofort auf (man sagt, er hat einen Schlag), worauf der Bankhalter ebenfalls seine Karten aufdeckt. Der Pointeur hat gewonnen, wenn der Bankhalter nicht auch den gleichen Schlag hat. Ist letzteres der Fall, so wird das Spiel noch einmal gespielt. Hat der Bankhalter einen Schlag und der Pointeur nicht, so hat ersterer gewonnen.
Hat der Pointeur mit seinen beiden Karten Bac, 1, 2, 3 oder 4 (siehe Erläuterung I), so muß er eine dritte Karte fordern mit dem Wort Carte. Der Bankhalter ist verpflichtet, sie ihm zu geben, falls er nicht den oben erwähnten Schlag hat und damit gewinnt.
Der Bankier hat das Recht, für sich selbst auch eine dritte Karte zu ziehen, oder sich mit zwei Karten zufriedenzugeben. Er kann dabei nach ganz bestimmten Regeln verfahren (nach dem Schlitten spielen) (siehe Erläuterung II), oder er kann frei spielen. Haben beide Spieler die dritte Karte erhalten, welche offen hingelegt wird, so werden sofort auch die beiden verdeckten Karten aufgedeckt.
Uber den Gewinn entscheidet die Höchstzahl der Punkte.
Hat der Pointeur in den beiden ersten Karten 5, so steht es in seinem Belieben, ob er eine weitere Karte fordert oder mit dem Wort reste dankt.
Hat er 6 oder 7, so dankt er stets.
Der Pointeur deckt nur in einem Fall seine Karten vor dem Bankhalter auf, und zwar bei Schlag. In allen anderen Fällen ist der Bankhalter verpflichtet, sobald der Pointeur carte oder reste gesagt hat, seine beiden Karten zuerst aufzudecken. Er gibt dann evtl. die verlangte dritte Karte an den Pointeur und entscheidet sich, ob er selbst eine dritte Karte nimmt oder nicht. Im letzten Falle ist er verpflichtet, die Punktzahl seiner beiden ersten Karten deutlich anzusagen. Ist dies erfolgt, dann erst deckt der Pointeur seine Karten auf, und es zeigt sich, wer gewonnen hat.
Der erste, rechts vom Bankhalter sitzende Spieler (Prime) hat das Vorrecht, Pointeur zu sein. Nur dann gilt dieses nicht, wenn ein anderer Spieler das vorhergehende Spiel als Pointeur gespielt und verloren hat. Dann hat dieser wieder das Vorrecht, Pointeur zu sein (Suivi).
Die Einziehung und Auszahlung der Beträge erfolgt durch den Croupier.
Es gibt vier verschiedene Arten des Spiels für den Pointeur, die jeweilig von ihm deutlich angesagt werden müssen und deren Vorrecht sich durch die nachstehende Reihenfolge ergibt:

  1. Banco solo: Der Pointeur spielt ohne Beteiligung.
  2. Banco: Der Pointeur spielt mit einer Beteiligung.
  3. Banco mit dem Tisch: Hierbei beträgt der Satz des Pointeurs mindestens die Hälfte des Betrages der Bank, die andere Hälfte wird von den übrigen Spielern gesetzt.
  4. Meldet sich zu einem Spiel nach Punkt 1, 2 oder 3 niemand, so wird auf die 4. Art gespielt. Der Croupier fordert auf, das Spiel zu machen, an dem sich sämtliche Spieler beteiligen können. Nach den Worten des Croupiers: Nichts geht mehr, ab dafür darf kein Satz mehr gemacht werden. Bei dieser Spielart erhält derjenige am Tisch sitzende Spieler, welcher den höchsten Satz gemacht hat, die Karten (Handhalter).

Der Bankhalter kann nach jedem von ihm gewonnenen Teilspiel (Coup) den Bankbetrag einziehen mit dem Wort Suite, solange er noch keine Karte für den nächsten Coup gezogen hat. Diese Suite wird durch den Croupier versteigert und demjenigen zugeschlagen, der den höchsten Satz für die Fortsetzung des Spiels anbietet.
Verliert der Bankhalter das Spiel, so geht der Schlitten sofort auf den nächsten Platz weiter, z. B. von Platz 1 auf 2, von 2 auf 3 usw. Daher die Bezeichnung des Spiels Chemin de fer (Eisenbahn).
Bei jedem für den Bankhalter gewonnenen Spiel zieht der Croupier 5% von der Gesamtsumme ab (Cagnotte-Abzug).

Erläuterung I:
Die Karten werden wie folgt gewertet:
Bilder und Zehner zählen nichts (sie werden im Spielverlauf mit Baccara bezeichnet). As = 1, 2 = 2, 3 = 3 usw.
Im Spiel ist die höchsterreichbare Punktzahl 9, gleichgültig, ob diese Punktzahl sich aus der Addition von zwei oder drei Karten ergibt. Von dieser gesamten Punktzahl werden, wenn diese Summe die Zahl 10 überschreitet, nur die Punkte, welche über 10 errechnet werden, als gültig betrachtet.
Beispiel:
5 und 7 ergibt 2,
4 und 9 ergibt 3,
5 und 6 ergibt 1,
8 und 8 ergibt 6,
8 und 2 ergibt 10, d. h. nichts (Baccara), nach obiger Erklärung. Genauso 5 und 5, 3 und 7 usw.

Erläuterung II:

Der Bankhalter
Zieht bei Ausgabe Bleibt bei Ausgabe
3 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . 6 . 7 . 10 8 9
4 2 . 3 . 4 . 5 . 6 . 7 1 . 8 . 9 . 10
5 5 . 6 . 7 1 . 2 . 3 . 8 . 9 . 10 4
6 6 . 7 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . 8 . 9 . 10

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