Baccarat

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Im Gegensatz zum Roulette und Trente-et-Quarante ist das Baccarat (Baccara) ein Glücksspiel, bei welchem der Bankhalter dem Spieler gegenüber nicht im Vorteil ist. Die Chancen sind für die beiden Gegner gleich. Der einzige, der auf jeden Fall verdient, ist der Unternehmer, also der Spielklub, das Casino etc., und zwar durch die sogenannte “Cagnotte”. Von jeder Bank, die von einem Spieler gelegt wird, bzw. von jedem Coup erhebt das Casino eine Taxe. Diese Abgabe beträgt etwa 2 bis 4% des Spielfonds. So oft die Bank gesprengt wird, muß der Bankhalter die Spieleinlage voll ersetzen, wenn sie nicht von einem neuen Bankhalter im Wege der Versteigerung übernommen wird. Jedenfalls aber wacht der Croupier eifrigst darüber, daß bei einer Erneuerung des Spielfonds der übliche Abzug in die unersättliche “Cagnotte” abgeführt wird.

Die Spielteilnehmer versteigern die Bank meistbietend untereinander, und derjenige, der den höchsten Einsatz zum Betriebsfonds des Spieles anbietet, ersteht die Bank und wird Bankhalter. “Banque ouverte” bedeutet, daß sich der Bankhalter verpflichtet, alle Einsätze zu halten, wie hoch sie auch sein mögen.

Der Bankhalter nimmt in der Mitte des Tisches Platz, ihm gegenüber sitzt der Croupier. Zu seiner Rechten befindet sich das rechte Tableau mit sieben Feldern (1-7), zu seiner Linken das linke Tableau mit den Feldern 8-14.

Baccara wird mit sechs Spielen französischer Karten zu 52 Blatt gespielt, die von einem der beteiligten Spieler gemischt und dann vom Croupier coupiert werden. Jeder der Spieler hat das Recht, danach die Karten nochmals zu mischen, doch wird von diesem Recht fast niemals Gebrauch gemacht, da das Coupieren durch den Croupier eine genügende Garantie gegen etwaige Unregelmäßigkeiten bietet. Wenn die Karten coupiert sind, kommen sie in den sogenannten “Schlitten” oder sie werden an einen Marmorblock mit abgeschrägter Fläche gelehnt, der sich auf dem Spieltisch vor dem Sitzplatz des Bankhalters befindet.

Der Croupier fordert hierauf die Spieler auf, ihre Einsätze zu machen: “Faites vortre jeu, Messieurs!” und diese legen nun ihre Einsätze bis zur Höhe des “en banque” befindlichen Spielfonds vor sich hin. Ist das geschehen, dann ruft der Bankhalter: “Rien ne va plus!” und zieht nun von dem vorbereiteten Kartenpaket einzeln die Karten ab. Die erste Karte legt er verdeckt auf das linke, die zweite auf das rechte Tableau und die dritte behält er für sich selbst. Die vierte Karte erhält wieder das linke Tableau, die fünfte das rechte und die sechste der Bankhalter selbst. Einer der beteiligten Spieler nimmt nun die Karten für die Teilnehmer des linken Tableaus auf, ein zweiter für das rechte Tableau, und zwar so, daß wohl die am Spiel Beteiligten, nicht aber der Bankhalter Einblick in die Karten haben. Ebenso hält selbstverständlich der Bankhalter seine Karte so, daß die Zahl der Points für die übrigen Spieler nicht zu sehen ist.

Die beiden bisher ausgegebenen Karten werden nur dann sofort aufgedeckt, sei es vom Bankhalter oder von einem der beiden Tableauspieler, wenn ihre Pointanzahl acht oder neun beträgt. Dies wird mit dem Ruf “Huit!” oder “Neuf!” gemeldet.

Jede Karte zählt so viele Points, als sie Augen aufweist, also der Siebener 7 Points, der Fünfer 5 usf. Die Zehner aber und die Figuren (Bube, Dame, König) zählen Null. Zwei Karten, die Null zählen oder zusammen 10 Points zählen, nennt man “Baccarat”. Überschreitet die in den erhaltenen Karten vorhandene Augenzahl die Zahl 10, dann zählen nur die Einer. Also z. B.: ein Neuner und ein Fünfer ist zusammen 14, zählt 4 Points. Ein Sechser und ein Achter, zusammen 14, zählt 4 Points, ein Achter und ein Zehner (Null) 8 Points.

Fahren wir nun im Spiel fort. Wenn weder der Bankhalter noch die Gegner “Acht” oder “Neun” aufschlagen konnten, so meldet sich zunächst der Spieler des rechten Tableaus zum Wort und verlangt mit den Worten: “Carte, s’il vous plait!” eine weitere Karte oder er lehnt den Kauf ab mit einem: “Non, monsieur!” Ihm folgt in gleicher Weise der Spieler des linken Tableaus. Jede Partei kann nur eine dritte Karte kaufen, sowohl die Spieler als auch der Bankhalter, die gekaufte Karte wird dem Spieler vom Bankhalter offen gegeben. Nun legt der Bankhalter seine beiden Karten offen hin und verkündet seinen Entschluß, ob er kaufen will oder nicht.

Gewonnen hat stets jene Partei, deren Karten eine größere Augenanzahl aufweisen als das Blatt des Gegners. Hat z. B. das linke Tableau 7 Points, das rechte 5 Points und der Bankhalter 8 Points, so hat der letztere gegen beide Tableaus gewonnen. Hat das rechte Tableau 8 Points, das linke 4 Points und der Bankhalter 7 Points, so hat das rechte Tableau gewonnen, das linke verloren.

Weisen die Karten des rechten oder des linken Tableaus ebenso viele Points auf, wie die des Bankhalters, so gilt dieser Coup als ungültig und wird mit den gleichen Einsätzen wiederholt. Weisen die Karten des rechten und linken Tableaus eine gleich hohe Augenanzahl auf, die Karten des Bankhalters jedoch eine niedrigere, so gewinnen beide Tableaus gegen den Bankhalter. Die Teilnehmer des jeweils gewinnenden Tableaus haben einen Gewinn in der Höhe ihres Einsatzes zu beanspruchen.

Wann wird man kaufen?

Das Bestreben des Baccaratspielers geht dahin, möglichst viele Points in den Karten zu haben, aber ja nicht mehr als 9 Punkte. Wenn man in den Karten Baccarat (Null) hat oder einen, zwei, drei, vier Points, wird man kaufen. Hat man fünf Points im Blatt, so ist ein Kauf gefährlich, man wird als vorsichtiger Spieler nicht mehr kaufen. Sechs oder sieben Points im Blatt sind bereits eine sehr günstige Chance, da sie ja nur von einem Achter- oder Neuner-Schlag übertroffen werden können.

Der Tableau-Spieler, der ja nicht nur für seine eigene Rechnung spielt, sondern für alle Spieler seines Tableaus, darf nicht nach eigenem Ermessen kaufen, wie er will, sondern er ist gehalten, sich an die genormte Spielregel zu halten, d. h. er darf nur bei 0-4 Points kaufen, schon bei 5 Points im Blatt muß er einen weiteren Kauf ablehnen.

Einsätze in unbeschränkter Höhe werden nur dann angenommen, wenn der Bankhalter “Banque ouverte” spielt, d. h., vor Beginn des Spieles erklärt hat “Tous les coups sont tenus!”

Wenn ein Spieler einen Einsatz in der Höhe des “en banque” befindlichen Betrages macht, so ruft er “Banco!”.

Dann gelangt dieser Coup nur zwischen dem Bankhalter und diesem einen Spieler zur Austragung. Gewinnt der Spieler, dann hat er mit einem solchen Coup die Bank gesprengt. Der Bankhalter muß in diesem Falle eine neue Bank legen oder die Bank zur Versteigerung anbieten.

Ist der Bankhalter im Verlust und wünscht er keine weiteren Karten auszugeben, dann meldet er diesen Entschluß mit den Worten “Il y a une suite!” und erhebt sich von seinem Platze. Erklärt sich einer der Spieler zur Fortführung der Bank bereit, so muß er einen Betrag erlegen, der der Summe gleichkommt, die alle Spieler zusammen auf den beiden Tableaus gesetzt haben. Der neue Bankhalter kann nach einem gewonnenen Coup die Bank weiter behalten oder sie ebenfalls weitergeben. Es kommt natürlich auch vor, daß ein Bankhalter nach einer Reihe sehr einträglicher Coups die Bank nicht weiterzuhalten wünscht.

Wir lassen nun einige Beispiele zum besseren Verständnis folgen:

Beispiel I:
In den beiden ersten Karten zählen:
Das rechte Tableau: 8 und 9 = 17 oder 7 Points,
das linke Tableau: 10 und 2 = 12 oder 2 Points,
der Bankhalter: 5 und 8 = 13 oder 3 Points.
1. Das rechte Tableau wird natürlich nicht kaufen, es bleibt mit seinen 7 Points stehen.
2. Das linke Tableau fordert eine Karte, kauft 3 Points und hat somit 5 Points in der Hand.
3. Der Bankhalter kauft, und zwar 7 Points, und hat somit 10 Points, das ominöse Baccarat. Er verliert daher gegen beide Tableaus.

Beispiel II:
Nehmen wir die Situation wie im Beispiel I an:
Rechtes Tableau: 7 Points,
Linkes Tableau: 2 Points,
Bankhalter: 3 Points.
Nach dem Kauf: Rechtes Tableau 7 Points, linkes Tableau 5 Points. Würde nun der Bankhalter 6 Points kaufen, so hätte er 9 Points und somit gegen beide Tableaus gewonnen.

Beispiel III:
Nehmen wir die Situation wie früher an und würde der Bankhalter zu seinen 3 Points 4 dazukaufen, also mit 7 Points stehen bleiben, so hätte er gegen das linke Tableau (5 Points) gewonnen, dagegen wäre der Coup gegen das rechte Tableau ungültig, weil sich hier gleiche Augenzahlen gegenüberstehen.

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