Bad Neuenahr

Ein Artikel aus der Rubrik Spielcasinos.

Pionier und zugleich Modell für moderne Spielbanken wurde das Casino Bad Neuenahr. Nach der Bundesverfassung sind die Landes regierungen für das Polizeiwesen und somit auch für die Konzession von öffentlichen Glücksspielen zuständig. Der Konzessionsantrag für eine Spielbank war für eine junge Demokratie ein heißes Eisen. Das Verbot der Spielbanken von 1838 entsprach Forderungen der bürgerlichen Demokraten der Revolution von 1830! Das Verbot der deutschen Spielbanken von 1872 war ein posthumer Erfolg der Demokraten von 1848! Also nach demokratischer Tradition: keine Spielbank! Und wenn, dann gäbe es eine Spielbank aufgrund eines Gesetzes von 1933, eines Gesetzes, das von der totalitären Gewaltherrschaft erlassen wurde! War die Spielbank für das Volk nicht immer noch ein Rest von privilegierter Aristokratie? Das behaupteten die einen, für andere war eine Spielbank unsittlich, eines chiristlichen Staates unwürdig.

Solche Fragen konnten nicht einfach übersehen werden. Andererseits aber mußte der unkontrollierten Spielmaschinerie in Dorf und Stadt Einhalt geboten werden. Eine staatlich überwachte Spielbank konnte als Ventil für die nun einmal entfachte Spielleidensdiaft dienen. Auswüchse des Glücksspiels konnten in einer solchen Spielbank nicht aufkommen, und der Spieler wurde gleichzeitig vor verbrecherischer Ausbeutung bewahrt. Dies waren von jeher die Gründe zur gesetzmäßigen Regelung des Spiels und für die Aufsicht durch die Polizei. Die Anregung, in Bad Neuenahr eine Spielbank zu errichten, kam von einem Konsortium von Spielexperten und einer Bankfirma am Anfang des Jahres 1946, deren Antrag in Bad Homburg trotz Berufung auf alte Spieltradition wenig Gegenliebe gefunden hatte. Die damalige Gemeindeverwaltung von Bad Neuenahr setzte sich sofort bei der Landesregierung Rheinland-Pfalz für die Konzessionierung ein, obwohl aus weiten Kreisen der Bürgerschaft heftige Stimmen dagegen laut wurden. Vor allem wurde für den Charakter des Heilbades gefürchtet. Je weiter die Zeit fortschritt, um so mehr wurde jedoch erkannt, daß die Kriegsschäden der Kurstadt und besonders des Beherbergungsgewerbes ohne bedeutende finanzielle Hilfe nicht zu reparieren waren. Die meisten Hotels und Pensionen waren während des Krieges Lazarette oder militärische Büros gewesen und daher sehr reparaturbedürftig. Das Kurhotel war völlig heruntergekommen, Badehaus und Trinkhalle teilweise zerstört. In diesem Zustand konnte kaum an eine Aufnahme von Kurgästen in größerer Anzahl gedacht werden. Das von einigen Bürgern vorgebrachte Argument, eine Spielbank könne, wie üblicherweise eine Lotterie, das Geld für den Wiederaufbau des Bades einbringen, gab zuletzt bei der Regierung den Ausschlag. Die Konzession wurde im August 1948, also nach 1,5 Jahren Verhandlung erteilt. Schon am 15. Dezember des gleichen Jahres rollte die erste Kugel in den Spielsälen des Kurhauses, wo in den Zeiten vor dem Krieg Skat und Doppelkopf gespielt wurde und nur über Billardtische Kugeln rollten. Das technische Personal für die Spieltische – Saalchefs, Spielleiter und Croupiers – wurde aus dem früheren Personal von Baden-Baden und Zoppot engagiert, soweit seine Mitglieder noch erreichbar und willens waren, diesen Beruf wiederaufzunehmen. Die Direktion richtete auch sofort Kurse zur Ausbildung von Croupiers ein. Daraus ergänzte sie ihren eigenen Bestand und den ihrer Filialen und konnte auch anderen Banken dadurch geschultes Personal zur Verfügung stellen.

Das war die Pionierarbeit von Bad Neuenahr. Wenige Jahre danach erfolgten die Konzessionen auch in anderen Bundesländern. Bad Neuenahr diente den anderen Spielbanken als Modell, weil sich in seinen Spielsälen sofort der völlig veränderte Charakter der Spielgesellschaft zeigte. Nichts war mehr von der Atmosphäre der alten aristokratischen Distinktion zu spüren, aber auch nichts von der Schauerromantik der Spielerlegenden. Zudem merkte das Heilbad, daß seine Gäste die Spielbank höchstens aus Neugier besuchten, daß die Spieler nur Tagespassanten waren und daher nicht viel Geld in der Stadt ausgaben, daß aber die Stadt und die Kurverwaltung durch die Abgabe der Bank sehr schnell in die Lage kamen, nicht nur die Kriegsschäden auszubessern, sondern auch Projekte sozialer Art auszuführen, Neuerungen einzubauen und das Stadtbild zu verschönern. Darüber hinaus beteiligte sich die Bank erheblich an der Finanzierung kultureller, karitativer und sportlicher Veranstaltungen. Die Existenz einer Spielbank trägt an sich schon dazu bei, den Kurort bekannt zu machen, insbesondere, wenn sich in den schönen und geschmackvollen Gesellschaftsräumen mondänes Leben in bester Form entfalten kann.

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