Baden-Baden

Ein Artikel aus der Rubrik Spielcasinos.

Im Promenadenhaus des an der Oos gelegenen Badestädtchens wurden schon 1765 öffentliche Spieltische aufgestellt, deren Pachterträge diesen Bau finanzierten. Chevilly, der französische Pächter, erweiterte 1802 den Bau. Das heutige Kurhaus wurde von Friedrich Weinbrenner 1821-24 erbaut. Der Nachfolger Chevillys, Chabert, der auch den Restaurantbetrieb übernommen hatte, mußte nach zehn Jahren einem Größeren Platz machen: Jacques Benazet, Rechtsanwalt, Finanzmann, Pächter des Pariser “Palais Royal”, Oberstleutnant der Nationalgarde und Ritter der Ehrenlegion. Seine Abstammung als “Ben Azet” führte er auf ein maurisches Königsgeschlecht zurück. Königliche Atmosphäre war auch um diesen 60jährigen Lebenskünstler. Aus der kleinen Kurstadt schuf er das Märchenparadies der Zeit. Paris war die Hauptstadt des Winters für die oberen Zehntausend auch ohne Roulette, Baden-Baden aber für sie die “Capitale d’Ete”, die Hauptstadt des Sommers. “Großzügig oder gar nicht!” war Benazets Wahlspruch. So setzte er sein Programm durch. Als Mäzen für alle Künstler, dienten ihm dieselben als die besten “Propagandisten”. In Paris sprach man von der “Schwester an der Oos”. Aus aller Welt strömte die Societe zu den Spieltischen Benazets. Um seine Spielgäste heranzuholen, ihnen die Fahrt zu erleichtern, gründete er eine Schiffahrtsgesellschaft Straßburg-Leopoldshafen mit Anschluß an die Eisenbahn nach Baden-Baden. Seine Spieler finanzierten die Prachtsäle des Kurhauses, das prunkvolle Theater, die berühmten Rennen von Iffezheim, alles Gelegenheiten zu gesellschaftlidien Sensationen. Nicht nur zu Straßenbauten schoß er erhebliche Summen zu, auch zu sozialen Einrichtungen, ja er stellte zum Ausbau anderer Bäder, wie Badenweiler, Kapital zur Verfügung. Was tat’s, daß er bei seinem Tod dem Sohn und Nachfolger Edouard 100.000 Frs. Schulden hinterließ? – Baden-Baden hinterließ er in voller Blüte. Die Pachtsumme der Bank brachte der Stadt im Jahre 1802 kaum 300 Gulden ein, im letzten Jahr, in dem gespielt werden durfte, 1871/72, dagegen 700.000. Am Schlußtag des Jahres 1872 fiel die Kugel im Roten Saal auf “9 Rot”, dann ruhte sie bis 1933. Im Herbst 1944 wurde sie wieder stillgelegt. Erst am 1. April 1950 öffneten sich die Türen wieder zu den Spieltischen im “Roten Saal”, im “Saal Louis XIV”, und im “Salon Pompadour”, die alle Nachbildungen der Originale in Versailles sind.

Am Anfang der neuen Epoche wurden auch hier noch sogenannte “kleine Spiele” für die Einwohner aufgelegt: Klondyke, Roulca und Cubus. Sie sind allerdings wieder abgeschafft worden.

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