Bluffen beim Poker

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Einen guten Teil seines grundlos schlechten Rufes dankt das Poker-Spiel dem Bluff. Denn in nicht informierten Kreisen wird seit jeher das Gerücht weitergegeben, daß beim Poker gewisse betrügerische Tricks gang und gäbe wären, die man als Bluff bezeichne, und daß derjenige Sieger bleiben müsse, der es am besten verstünde, seine Spielpartner auf diese Weise zu beschwindeln.

Wer sich die Mühe genommen hat, in die Grundregeln des Spieles Einblick zu nehmen, wird die völlige Haltlosigkeit derartiger Annahmen schon erkannt haben. Was das sogenannte Bluffen beim Poker-Spiel wirklich zu bedeuten hat und was davon zu halten ist, sei im Folgenden erklärt.

Das englische Wort “Bluff” entspricht ungefähr dem deutschen Wort “Irreführung”. Bluffen ist auch tatsächlich ein taktisches Manöver, das den Gegner in bezug auf das eigene Blatt “irreführen” soll, das ihm eine falsche Vorstellung von der eigenen Stärke oder Schwäche beibringen und ihn dadurch indirekt zu einem unvorsichtigen Vorstoß oder zu einer vorschnellen Kapitulation veranlassen soll. Da jeder Bluff durch Worte, durch Ausrufe oder Gesten der Enttäuschung oder der Zufriedenheit beim Aufnehmen des Blattes oder beim Kaufen als unfair absolut verboten ist, kam diese Irreführung, dieses In-eine-Falle-locken, nur in der Technik des Spieles, in der Art (Höhe) des Kaufens, in der Höhe des Rufens (Wettens) liegen.

Mit ein paar Sätzen sollen vorerst schematisch die Überlegungen aufgezeigt werden, welche die Grundlagen des Bluffens bilden.

Wenn jemand ein Paar in seinem Blatt hat, wird er, sobald es zum Kaufen kommt, normalerweise die drei für ihn wertlosen Karten wegwerfen und drei neu Karten kaufen. Wenn also ein Spieler drei Karten kauft, können seine Gegner mit Wahrscheinlichkeit schließen, daß er das Spiel mit einem Paar begönnen hat. Wenn jemand einen Drilling in der Hand hat, wird er normalerweise zwei Karten kaufen, daher kann angenommen werden, daß er vor dem Kauf schon einen Drilling in der Hand hatte.

Will nun jemand, der nur ein Paar in der Hand hat, seine Ausgangssituation verschleiern und den Anschein erwecken, daß er einen Drilling in der Hand habe, so wird er zu seinem Paar eine beliebige Kart behalten (“schleppen”) und nicht drei, sondern nur zwei Karten kaufen. Sitzt er günstig, d. h. haben, wenn er zum Sprechen (Rufen) kommt, bereits die meister anderen Spieler gechipt oder gerufen, so kann es ihm – besonders, wenn er schon vor dem Kaufen gebessert hatte – gelingen, den Anschein zu erwecken, daß er einen hohen Drilling in der Hand habe, und er wird durch einen entschlossenen Ruf nach dem Kauf vielleicht Gegner, die zwei Paare oder einen kleiner Drilling in der Hand haben, zum “Out”gehen veranlassen, während er selbst mit einem Paar im Blatt sitzengeblieben ist. Mit diesem “Bluff”, der, wie man sieht, mit Überlegung vorbereitet und durchgeführt werden muß, hätte er dann den Pot gewonnen, ohne sein Blatt aufdecken zu müssen. Schon an diesem einfachen Schulbeispiel ist zweierlei zu erkennen: 1. daß ein Bluff sinnvoll und mit Aussicht auf Erfolg nur gegen aufmerksame und selbstdenkende Gegner angewendet werden kann. Ein Anfänger oder ein schlechter Spieler, der dem Kauf der anderen keine Beachtung schenkt und daraus keine Schlüsse auf die mögliche Stärke ihrer Blätter zieht, kann selbstverständlich auch nicht dazu gebracht weren, falsche Schlußfolgerungen zu ziehen. 2. Daß der “Bluff” keineswegs ein “Schwindeln” der “Betrügen” ist, denn es steht natürlich jedem Spieler frei, im Rahmen der Spielregeln und auf sein Risiko so viele Karten zu kaufen oder nicht zu kaufen, wie es ihm beliebt. Mit jedem Nichtkaufen einer Karte vergibt er sich ja auch einer Chance, sein Blatt zu verbessern.

Das Bluffen besteht also auch nicht darin, den Gegner einfach möglichst hoch anzurufen – ein ebenfalls weitverbreitetes Mißverständnis -, sondern jeder Bluff muß durchdacht und richtig angelegt werden.

Für die mannigfachen Situationen, in denen geblufft werden kann, Richtlinien aufzustellen oder Ratschläge zu erteilen, ist schlechterdings unmöglich. Instinkt und Übung sind die Voraussetzungen dazu, beim Bluffen die richtige Taktik anzuwenden und den günstigen Augenblick zu erfassen.

Mann kann mit einem sehr guten Blatt in der Hand dadurch bluffen, daß man beim Jack-Pot oder beim Round nicht “eröffnet”, um nach der Eröffnung durch einen anderen Spieler zu bessern, wobei man – wie bei den Jack-Pot-Regeln erwähnt – natürlich riskiert, daß niemand eröffnet und man mit seinem guten Blatt hängen bleibt. In diesem Falle wird sich der versierte Spieler niemals über seine “Ungeschicklichkeit” oder sein “Pech” beklagen und dann seine Taktik verraten, sondern er wird seine Karten ohne mit der Wimper zu zucken, mit den übrigen weglegen und seine nächste Chance abwarten.

Man kann bluffen, indem man vor oder nach dem Kauf mit einem guten Blatt, wenn man an der Reihe ist, nicht bessert oder nicht mit dem möglich Maximum bessert, wodurch Mitspieler, die einen “vollen” Ruf vielleicht nicht gehalten hätten, veranlaßt werden können, ihrerseits das Maximum zu bieten, das man dann nochmals “überrufen” kann.

Man kann nicht nur, wie schon erklärt, durch irreführendes Kaufen bluffen, sondern man kann unter Umständen gar keine Karte kaufen, obwohl man kein volles Blatt in der Hand hat, wenn Spieler, die vor einem sitzen, gebessert oder nur zwei Karten gekauft haben und man sie durch dieses Nichtkaufen einschüchtern will und hofft, sie nachher durch “Überbessern” zum “Out”-gehen bringen zu können.

Das jeder Bluff Gefahren in sich birgt, ist klar. Denn ebenso wie es verlockend ist, manchmal zu bluffen, ist es auch reizvoll, den Bluff eines Gegners durch Gegenmaßnahmen zu stoppen und aufzudecken. Das geflügelte Wort “Der gute Spieler läßt sich bluffen!” ist so zu verstehen, daß der gute Spieler nicht überall einen Bluff wittern wird, und daß er nicht nur das Verhalten seiner Gegner, sondern vor allem die Stärke seines eigenen Blattes, das er niemals überschätzen darf, zur Grundlage seiner Berechnungen und Entschließungen macht. Er kann dies um so berechtigter tun, als die Erfahrung lehrt, daß Spieler, die glauben, konsequent bluffen zu dürfen, zum Schluß noch imer verloren haben.

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