Boston

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Wie der Name Boston andeutet, handelt es sich hier um ein Kartenspiel amerikanischer Herkunft. Es ist zur Zeit des nordamerikanischen Freiheitskrieges entstanden, an den viele Bezeichnungen in diesem Spiel erinnern. Gespielt wird es mit Whistkarten (52 Blatt), auch ist die Ordnung derselben wie beim Whist, also As herab bis Zwei. Die vier höchsten Trümpfe sind Honneurs. Es gehören zu diesem Spiel 4 Teilnehmer, die wie beim Whist ihre Plätze auslosen. Auch mischt, während der Geber je 13 Karten einzeln an die Mitspieler verteilt, sein Partner ein zweites Spiel und legt es der Vorhand hin, die durch Abheben und Wenden eines Teils derselben die “Couleur” bestimmt. Ist die Farbe Schwarz, so ist die zweite schwarze Farbe zweite Couleur, Herz und Karo dritte Couleur. Ist sie Rot, so bildet die schwarze Farbe dritte Couleur. Rechnet man mit 4 Couleuren, so wechselt die Farbenfolge, dann ist z. B., wenn Pik Conleur, Herz zweite, Kreuz dritte, Karo vierte Couleur. Die Ordnung der Farben hat bei der Berechnung Bedeutung, man muß sie also beachten. Es wird um Stiche, nicht um Augen (Points) gespielt. Fünf Stiche bedenten Klein-Boston, sechs Groß-Boston, sieben Klein-Independence, acht Groß-Independence, neun Klein-Philadelphia, zehn Groß-Philadelphia, elf Klein-Souveraine, zwölf Groß-Souveraine, dreizehn Concordia. Außer diesen Spielen gibt es stichlose Spiele, die “Miseres” heißen und etwa dem Null im Skat gleichstehen.

Bei Klein-Misere darf der Spieler eine unbequeme Karte ablegen, bei Groß-Misere nicht; meldet er ouvert (offen) an, so hat er bei “Klein-Misere offen” 12, bei “Groß-Misere offen” 13 Karten sofort aufzudecken, oder, bei Vereinbarung, nach dem ersten Stich. In keinem Fall darf er einen Stich bekommen.

Vorhand erklärt zuerst, ob sie ein Spiel hat oder passen will. Erklärt sie z.B. “Klein-Boston”, dann hat der zweite zu erklären, ob er passen oder höheres Spiel halten will. Als höheres Spiel gilt in diesem Falle auch dasselbe Spiel in einer höheren Couleur. So reizt man weiter bis zum Geber. Wer sich zum höchsten Spiel verpflichtet, bekommt es und meldet dann die Couleur, in der er sein Spiel machen will. Er muß dieses gegen die drei Gegner allein durchführen, nur bei den vier unteren Spielen, Boston und Independence, darf er sich einen Partner nehmen, der “Whist” genannt wird. Der “Whist” muß bei Klein- und Groß-Boston mindestens 3, bei Klein- und Groß-Independence mindestens 4 Stiche machen. Auch hier gibt es wie beim L’hombre eine Rokambole (Pinke). Wenn “der Rock geht”, steht es nicht dem Spieler, sondern der Reihe nach einem Mitspieler zu, sich als Whist anzubieten, Spieler muß den ersten annehmen.

Die Berechnung ist ungeheuer kompliziert und vielseitig wie beim L’hombre. In Amerika benutzt man Tabellen zur Ermittlung und fuhrt während einer Partie Buch auf Abrechnungsblocks oder benutzt Spielmarken in den entsprechenden 4 Farben der Karte, die am Schluß in Geldwert umgerechnet werden. Wo Boston in Deutschland gespielt wird (Hafenstädte und Schiffe), hat man eine einfache Abrechnung eingeführt, die etwa so gehandhabt wird: Der Geber hat einen Einsatz in die obere Pinke (Schale, Kasse) zu setzen. Vergibt er die Karte, so muß er neu geben und auch neu einsetzen. Dieser Einsatz wird Stamm genannt. Wer ein Spiel gewinnt, erhält von jedem Mitspieler sein Spiel bezahlt und den Betrag des Stamms, er hat davon 1/4 in die untere Pinke, die Rokambole, abzuführen. Wer ein Spiel verliert, hat jeden Mitspieler zu bezahlen und den Stamm zu verdoppeln. Ist in der Rokambole mehr als im Stamm, so wird stets um den “Rock” gespielt, wobei der Verlierer den Rock verdreifachen muß. “Um den Rock” ist Groß-Boston in höchster Couleur, das geringste Spiel, welches gespielt werden darf. Wer auf den Rock in Vorhand des Spielers paßt, hat eine Bete von einer Marke zu leisten, die in die Rokambole kommt. Wer mehr Stiche bekommt, als er angesagt, also ein höheres Spiel erzielt, erhält doch nur das angesagte bezahlt. Im weiteren gelten alle Bestimmungen, wie sie unter ernsten Spielern gebräuchlich sind; jeder Irrtum, Verwerfen, Verleugnen, Vorwerfen usw. zieht den Verlust des Spiels nach sich.

Wer in vierter Hand bei Miseresspielen (Nullspielen) einen dem Spieler bis dahin gehörenden Stich irrtümlich abnimmt, hat das Spiel allein zu bezahlen, wenn der Miserespieler dadurch sein Spiel gewinnt.

Spieler und Whist haften beide für ihre Stiche; erreicht einer seine Stiche, so hat nur einer zu bezahlen. Auch wenn das Spiel gewonnen wird, hat der, der seine Stiche nicht erreichte, zu bezahlen. Wer ohne es angesagt zu haben “Concordia” macht (alle 13 Stiche erhält), erhält sein angesagtes Spiet nebst einer Prämie (10 Marken).

Die vier höchsten Karten der Farbe, in der gespielt wird, also Trumpffarbe, heißen Honneurs; sie zählen als Unterstiche mit und werden je als Stich mit angerechnet.

Wer die angesagten Stiche nicht bekommt, hat sein Spiel zuzüglich der fehlenden Stiche zu bezahlen, wobei die Unterstiche ebenfalls mitgerechnet werden. Wer also Groß-Philadelphia angesagt hat in Pik, und nur 3 Stiche nebst 3 Unterstichen (Honneurs) erhielt, hat, da er 10 Stiche machen mußte, sein Spiel nebst zwei Fehlstichen und 3 Unterstichen zu zahlen, also 15mal den Satz, der für Groß-Philadelphia in Pik gilt!

Es wurde bereits gesagt, daß Boston in 3-4 Farben gespielt werden kann, für jeden dieser beiden Gebräuche gelten andere Sätze; auch spielt man noch höhere Miseren, die man misères forcées nennt, bei denen nach dem ersten Stich auch die Gegner ihre Karten offen hinlegen. Die höchste Misere heißt Revolution; bei diesem Spiel werden alle 52 Karten im Spiel sofort offen gedeckt. Da sich Boston stark an Whist anlehnt, erübrigt es sich, Spielregeln anzuführen, man beachte die Regeln, die beim Whist gelten. Untenstehend folgt eine Tabelle, aus der die Bewertungen der vorkommenden Spiele zu ersehen sind.
Boston

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