Casino-Investitions-Konzern

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Bei dem “Casino-Investitions-Konzern” handelte es sich um eine Neuauflage des Südsee-Skandal im Kleinformat. Eines Tages 1962 tauchten in den Schaufenstern leerstehender Geschäfte in London, Liverpool und Manchester Plakate auf. Der Text verhieß jedem, der bereit war, 280 Dollar anzulegen, wöchentlich 17 Dollar Zinsen – das waren 260 Prozent Zinsen jährlich. Die Anleger erhielten Broschüren, aus denen alles Nähere hervorging: “Unsere Organisation ist an allen Spielkasinos des Kontinents durch fachkundige und erfahrene Roulette-Spieler vertreten. Unser System ist bombensicher, da Spielkapital in unbegrenzter Höhe zur Verfügung steht … Der Beweis der Zuverlässigkeit unseres Systems wird durch die Tatsache erbracht, daß bis heute noch kein Anleger auch nur einen Penny seines eingelegten Geldes verloren hat. Wir fordern hiermit öffentlich alle Mathematiker oder sonstigen sogenannten Experten auf, unsere Behauptungen zu widerlegen.”

Zahlreiche Engländer investierten ihren Pfundbetrag im Gegenwert von 280 Dollar und bezogen dafür einige Wochen lang die versprochene “Dividende” zusammen mit einem Begleitschreiben, in dem darauf hingewiesen wurde, daß das eingesetzte Kapital binnen 30 Tagen gekündigt werden könne. Und dann kamen plötzlich keine Schecks mehr. Nachforschungen ergaben, daß ein Büro wieder leerstand, daß das Personal eines anderen Büros behauptete, Einbrechet hätten das gesamte Kapital erbeutet, und das Personal wiederum eines anderen Büros ohne Geschäftsführer sei, weil dieser sich “auf Inspektionsreise auf dem Kontinent befinde und vergessen habe, die Schecks zu unterschreiben”. Und so fort. Die Polizei fand schnell heraus, daß keiner der rund 20.000 Investoren je mehr als ein Fünftel seines Kapitals in Form von Dividenden-Schecks zurückerhalten hatte. Und sie ermittelte weiter, daß die Verantwortlichen des “Casino-Unternehmens” mit einem Reingewinn von 280.000 Dollar verschwunden blieben.

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