Das Kaufen beim Poker

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Beim Kaufen wendet sich der Teiler, den ganzen Block der noch vorhandenen Karten in der linken Hand, der Reihe nach an alle Spieler, die zu erklären haben, ob sie Karten zu kaufen wünschen oder nicht. Ein hohes Blatt kann dem Spieler beim Teilen durch den günstigen Kartenfall in die Hand kommen, oder aber er muß versuchen, sein Blatt durch günstigen Kauf zu verbessern.

Jeder Spieler darf nur einmal kaufen. Er hat das Recht, eine bis fünf Karten zu kaufen. Falls er keine Karte zu kaufen wünscht, erklärt er das mit den Woren “Ich kaufe nicht!” oder er sagt einfach “Danke!”, worauf der links von ihm sitzende Spieler sich zu äußern hat.

Wer kaufen will, nennt die Anzahl der Karten, die er haben möchte: “Bitte um drei Karten!” – “Bitte um fünf Karten!” und legt gleichzeitig mit diesen Korten, also bevor er die gewünschten Karten erhalten hat, die gleiche Anzahl von Karten verdeckt mitten auf den Tisch. Dann erst erhält er vom Teiler die georderte Anzahl von Karten in einem, ebenfalls vereckt, zugeteilt. Diese Karten nimmt er auf und verleibt sie seinem Blatt ein. Als Letzter kauft der Teiler selbst. Er hat dabei die überbleibenden Karten en bloc vor sich auf den Tisch zu legen, worauf er sein Blatt in die Hand nimmt, mit lauter Stimme erklärt, wie viele Karten er selbst zu kaufen wünscht, die entsprechende Anzahl von Karten weglegt und sich vom Block die gewünschte und bekanntgegebene Zahl von Karten zuteilt. Dann wirft er die restlichen Karten auf die von den anderen Spielern in der Mitte des Tisches ablegten Karten.

Alle beim Kaufen geschilderten Vorgänge sind genau nach den Vorschriften und selbstverständlich ganz korrekt durchzuführen.

Auf Grund welcher Überlegungen wird nun ein Spieer kaufen oder nicht kaufen? – Diese Überlegungen sind nicht nur für ihn von entscheidender Wichtigkeit, sondern sein Verhalten beim Kaufen gibt auch den übrigen Spielern, die alle Vorgänge am Tisch mit offenen Augen und Ohren zu verfolgen haben, die Möglichkeit, daraus ihre Schlüsse zu ziehen und diese für ihr weiteres Spiel zu verwerten. Diese konstante Beobachtung der Gegner ist beim Poker-Spiel die wichtigste Voraussetzung für die Kombination des eigenen Spieles und gibt dem Spiel erst seinen höheren Reiz.

Wenn ein Spieler ein “fertiges” Blatt in der Hand hat, also eine Sequenz, Flush oder Full-Hand, so besteht für ihn wohl kaum ein Grund, zu kaufen.

Wer ein Paar in der Hand hat, wird normalerweise drei Karten kaufen. Er hat damit folgende Chancen: entweder zwei Paare, einen Drilling, eine Full-Hand oder einen Vierling zu erzielen. Im Augenblick, da er drei Karten verlangt, deklariert er vor den anderen Spielern, daß er mit einem Paar in das Spiel tritt. Um diese ganz klare Deduktion zu verhindern, kann er zu seinem Paar eine beliebige Karte seines Blattes, z. B. ein As, “mitschleppen” und nur zwei Karten kaufen, wodurch er vortäuschen will, daß er einen Drilling in der Hand hat. Damit hat er seine Ausgangsposition vor den Gegnern verschleiert.

Dieses Verschleiern oder Tarnen des Blattes, dadurch, daß man nicht die wirklich fehlende Anzahl von Karten kauft, ist nicht nur eine Gustosache, es darf auch nicht allein dem Bestreben entspringen, den Gegnern eine falsche Vorstellung des eigenen Blattes zu geben, sondern es wird dabei besonders zu berücksichtigen sein, wie viele Spieler schon vor einem sich deklariert haben und welche Schlüsse man selbst aus ihrem Kauf ziehen zu können glaubte.

Für den Spieler, der zwei Paare im Blatt hat, besteht die Möglichkeit, durch den Kauf einer Karte ein Full-House zu erzielen.

Hat ein Spieler einen Drilling in der Hand, so ist es naheliegend, zwei Karten zu verlangen, wobei er die Chance hat, entweder mit noch einem Paar zu einer Full-Hand zu gelangen oder einen Vierling zu kaufen. Das “Mitschleppen” einer beliebigen Karte zu einem Drilling nimmt dem Gegner zwar die Möglichkeit, das Blatt des Spielers richtig als Drilling einzuschätzen, vermindert aber gleichzeitig die Chance eines günstigen Kaufes um 50 Prozent.

Jeder Spieler hat sich vor dem Kauf zwei Fragen vorzulegen: “Was ist mein Blatt wert?” und zweitens “Was kann ich daraus machen?” Hiebei muß er sich über alle denkbaren Kombinationen klar sein. Er darf veder sein Blatt überschätzen, noch soll er mit dem günstigsten Kartenfall rechnen. Ausdrücklich ist zu bemerken, daß der Wert eines Blattes ganz verschieden zu beurteilen ist, je nach dem Platz, auf dem ein Spieler sitzt, d. h. ob er bereits in der Lage war, aus dem Kauf der Gegner seine Schlüsse zu ziehen.

Beispiel. Wenn jemand mit einem hohen Paar in der Hand als Letzter zu kaufen hat, so darf er dieses Blatt höher einschätzen, wenn etwa alle Spieler vor ihm drei Karten gekauft haben, als wenn unter den Käufen ein Einser-Kauf, ein Zweier-Kauf oder eine Kaufablehnung gewesen ist.

Straight-Eingang. Nehmen wir an, ein Spieler hätte folgende Karten im Blatt: Kreuz 10, Karo Bube, Kreuz-Dame, Herz-König und Herz 7. Man nennt diese Kombination einen “oben und unten offenen Straight-Eingang”. Der Spieler hat nämlich mit dem Kauf einer einzigen Karte zwei Chancen. Er erzielt einen Straight, wenn er entweder einen Neuner oder ein As kauft.

Fehlt ihm mitten aus der Reihe (Sequenz) ein Karte, hätte er z. B. in der Hand: Siebener, Achter, Zehner, Bube, König, so hat er nur die einzige Chance durch den Kauf eines Neuners zu einer Straight zu gelangen. Im Poker-Jargon nennt man das “in den Bauch kaufen”. Das ist der Wahrscheinlichkeit nach rech schwierig, kommt aber in der Praxis doch häufig vor.

Flush-Eingang. Die gleichen Überlegungen wie beim Straight-Eingang sind auch hier anzustellen. Ein Spieler hätte z. B. im Blatt vier Pik und ein Herz. Er hofft, durch den Kauf einer Karte fünf Pik, also einen Flush, in die Hand zu bekommen. Es gibt Spieler, die auch mit nur drei Karten der gleichen Farbe auf Flush spielen, besonders dann, wenn diese drei Karten über dies eine Folge bilden, z. B. 7, 8, 9, weil in diesen Falle auch eine gewisse Möglichkeit besteht, wenn schon nicht den Flush, so doch eine Straight zu kaufen.

Bei einem vor dem Kauf hoch gebesserten Spiel is es natürlich immer waghalsig, auf eine so unsichere Kombination überhaupt mitzugehen. Eine Regel, die das verbietet, gibt es selbstverständlich nicht. Je mehr kleine Karten im Spiel sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, bei solchen vagen Kombinationen mit Glück zu kaufen.

Der Kauf einer Karte läßt für den Gegner die verchiedensten Deutungen offen. Er kann annehmen, daß der Käufer wirklich einen Straight- oder Flush-Eingang hat, oder daß er mit zwei Paaren in der Hand eine Full-Hand erzielen möchte, ja sogar, daß er einen Vierling hat, den er durch den Kauf einer Karte zu verschleiern wünscht.

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