Das todsichere Roulettesystem

Ein Artikel aus der Rubrik Falschspieler.

Für den Spieler sind jene Gauner gefährlicher, die außerhalb der Spielbank die Gutgläubigkeit und den Aberglauben ausnützen. Dazu gehören vor allem die Erfinder von todsicheren Systemen, die einem Neuling den Kopf so vernebeln, daß er den Punkt des Versagens gar nicht erkennen kann. Sodann schleichen selbst in die Spielsäle die Horoskopsteller, Pendler, Okkultisten, Hellseher und Wahrsager ein, auf die noch immer viele hereinfallen.

In einer Tageszeitung erschien regelmäßig eine Anzeige, die eine todsichere Voraussage für Gewinn beim Roulettespiel anpries. Als Gegenleistung wurde nichts weiter verlangt als die Hälfte des Spielgewinnes. Die Kriminalpolizei schöpfte Verdacht. Auf eine getarnte Offerte kam prompt die Mitteilung: Der Einsender möge an dem und dem Tag, um so und soviel Uhr, an einem bestimmten Tisch 500 Francs auf Rot setzen. Von dem Gewinn möge er die Hälfte übersenden.
Pünktlich auf die Stunde stand ein Kriminalbeamter an dem bestimmten Tisch. Die Kugel rollte – heraus kam Rot. Fast bedauerte der Beamte, nicht gesetzt zu haben, da erschreckte ihn und die Mitspieler ein Wutschrei. Verdammter Wahrsager! tobte ein Spieler, und der Kriminalist hörte von ihm zu seinem Erstaunen, daß er von dem unbekannten Inserenten denselben Brief bekommen habe, nur war darin Schwarz empfohlen. Der Fall lag klar. Man faßte den Wahrsager, und beim Verhör stellte sich heraus: Er wartete stets zwei Anfragen ab, dem einen riet er zum bestimmten Termin, am bestimmten Tisch Rot zu setzen, dem anderen, genau zu gleicher Zeit Schwarz. Einer mußte gewinnen, und die Hälfte gehörte dem Wahrsager. Meldete sich der andere, so hatte er tausend Erklärungen für das Versagen seines Tips. Meist aber ließen die Betroffenen nichts von sich hören.

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