Der Jack-Pot beim Poker

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Während beim Poker Visum-Spiel jeder Mitspieler ohne Rücksicht auf sein Blatt zu erklären hat, ob er “in” ist, d. h. ob er mitzuspielen wünscht, muß das Spiel bei einer “Jack-Pot”-Runde “eröffnet” werden. Es kann nur jener Spieler eröffnen, der mindestens ein Paar Buben (Jacks) in der Hand hat. Daher auch der Name dieser Spielart, selbstverständlich kann er auch mit einem höheren Paar bzw. mit einer höheren Kombination eröffnen, z. B. mit einem Paar Damen, Königen oder mit einem Drilling.

Hat der erste Spieler kein Blatt in der Hand, das hm erlaubt, zu eröffnen, so gibt er das mit den Worten bekannt: “Ich eröffne nicht!” oder “Ich passe!”. Dann haben sich die anderen Spieler der Reihe nach zu äußern, ob sie eröffnen oder nicht.

Es steht jedem Spieler frei, nicht zu eröffnen, auch wenn er seinem Blatt nach eröffnen könnte, d. h. obwohl er ein Paar Buben usw. in der Hand hat. Dadurch verschafft er sich die Möglichkeit, nach der Eröffnung durch einen anderen Spieler bessern zu können. Er geht aber gleichzeitig das Risiko ein, mit einem relativ guten Blatt hängen zu bleiben, falls keiner der Spieler in dieser Runde eröffnet.

Ein Spieler, der richtig, also mit mindestens zwei Buben, eröffnet hat, kann selbstverständlich dieses Eröffnungspaar “zerreißen”, d. h. ein Stück davon weg werfen, wenn er einen ihm aussichtsreicher erscheinenden “Eingang” (etwa zu einer Flush oder Straight im Blatt hat. Beispiele für diese Möglichkeit wären:
A. Der Eröffner hat im Blatt: Herz-Bube, Kreuz-Bube, Herz-Dame, Herz 7, Herz 8 (also einen Flush Eingang). Er legt den Kreuz-Buben ab, in der Hoffnung, eine fünfte Herz zu kaufen.
B. Der Eröffner hat im Blatt: Karo-Bube, Pik-Bube, Herz-König, Karo-Dame, Kreuz 10 (also Straight Eingang, oben und unten offen). Er wirft einen Buben weg, in der Hoffnung, die Straight durch ein As oder einen Neuner zu komplettieren.

Der Spieler muß aber dafür Sorge tragen, daß er an Ende dieses Spieles die richtige Eröffnung (mit zwei Buben) nachweisen kann.

Hat keiner der Spieler die Runde eröffnet, so wird neu geteilt. Die Vorhand geht nach links weiter. Es besteht die Gepflogenheit, daß in diesem Falle alle Mitspieler den kleinsten Betrag, einen Chip, in den Pot zahlen.

Hat einer der Spieler eröffnet, so haben die anderer der Reihe nach zu erklären, ob sie “in” sind oder nicht. Sie brauchen dazu keineswegs ein Paar Buben oder eine höhere Kombination in der Hand haben. Auch jene Spieler, die vor dem Eröffner gepaßt haben, können jetzt erklären, daß sie “in” sind. Alle Spieler, die hinter dem Eröffner sitzen, haben das Recht, den Ruf des Eröffners zu “bessern”.

Wir wollen diese Vorgänge an zwei Beispielen kurz erklären. Wir nehmen an, daß fünf Personen an dem Spiel beteiligt sind: A – B – C – D und E.

Beispiel I:

  • A ist der Teiler,
  • B hat die Vorhand und hat nur ein Paar Siebener im Blatt, er muß daher passen,
  • C hat ein Paar Buben und eröffnet mit zwei Einheiten,
  • D hat im Blatt zwei Paar Asse (A, A – D, D), erklärt sich “in” und zahlt ebenfalls zwei Einheiten, in den Pot,
  • E hat kein Paar in der Hand und geht “out”,
  • A (der Teiler) hat einen Straight-Eingang, oben und unten offen (10, B, D, K, 8). Er zahlt die zwei Eröffnungseinheiten und bessert um vier, zahlt daher insgesamt sechs Einheiten in den Pot.
  • Nun hat B zu sagen, ob er die Eröffnung und Besseung hält; er tut das und zahlt sechs Einheiten. Im weiteren Verlauf haben noch C (der Eröffner) und D sich zu äußern, ob sie zu ihren bereits eingezahlten zwei Einheiten die vier Einheiten der “Besserung” bringen wollen. Sie tun das und damit ist die erste Phase des Spieles bis zum Kaufen abgeschlossen.

Beispiel II:

  • A ist der Teiler,
  • B hat die Vorhand; er hat einen As-Drilling in dei Hand, könnte daher natürlich eröffnen. Er entschließt sich aber aus taktischen Gründen, zu passen,
  • C hat nur ein Paar Zehner, kann daher nicht eröffnen und paßt,
  • D eröffnet mit ein Paar Damen mit zwei Einheiten,
  • E bessert mit einem Neuner-Drilling im Blatt und zahlt sechs Einheiten,
  • A hat zwei Paare (8, 8 – 6, 6) und keine Lust, die Besserung zu halten. Er geht “out”.
  • B, der als Erster gepaßt hat, obwohl er hätte eröffnen können, hält jetzt nicht nur die Eröffnung und Besserung (2 + 4 = 6), sondern er verdoppelt die Besserung und zahlt daher 2 + 4 + 8 = 14 Einheiten in den Pot.
  • Um am weiteren Spiel teilnehmen zu können, hätte nun C 14 Einheiten, D 12 Einheiten und E 8 Einheiten zu bringen. Wenn diese Einzahlungen, ohne daß eine weitere Besserung erfolgt, die ja noch möglich gewesen wäre, getätigt sind, dann beginnt das Kaufen, das sich genau wie beim Visum-Spiel vollzieht.

Wir setzen nun unsere Beispiele I und II fort, wie sie sich durch den Kauf weiterentwickeln:

Beispiel I:
B (Vorhand) hat ein Paar Siebener im Blatt. Er wirft drei Karten ab und kauft drei neue, und zwar drei Könige. Sein Blatt hat sich durch den Kauf gewaltig gebessert: K, K, K, 7, 7 = Königs-Full, C hat mit zwei Buben eröffnet, er kauft in den drei neuen Karten zwei Achter und hat nun zwei Paar Buben in der Hand (B, B, 8,8), D kauft zu seinen zwei hohen Paaren (A, A, D, D) eine Karte, die sein Blatt nicht verbessert, A kauft einen Neuner und hat nun eine Straight (9, 10, B, D, K).

Wenn nun das Kaufen abgeschlossen ist, beginnt der eigentliche Wett-Kampf um den Pot. Jeder Spieler schätzt den Wert seines Blattes ein und versucht, sich aus den Käufen seiner Gegner ein Urteil zu bilden, wie hoch deren Blätter sein könnten. 100%ig sichere Schlüsse können natürlich niemals gezogen werden. Ein Spieler, der z. B. drei Karten gekauft und daher offenbar ein Paar gehabt hat, kann durch den Kauf von drei neuen Karten entweder zwei Paare, einen Drilling, eine Full-Hand oder einen Vierling erzielen.

Aber nicht allein aus der Zahl der gekauften Karten müssen Schlüsse gezogen werden, sondern es ist mindestens ebenso wichtig, die “Besserungen” der einzelnen Spieler ins Kalkül zu ziehen. Besserungen vor dem Kauf und nach dem Kauf sind selbstverständlich verschieden zu beurteilen. Denn die Besserung vor dem Kauf erfolgt auf Grund der Einschätzung der Kaufchance, während die Besserung nach dem Kauf auf dem fertigen Blatt basiert.

Beispiel I (Fortsetzung):

  • C (der Eröffner), der durch den Kauf zwei Paar Buben (B, B, 8, 8) erzielt hat und jetzt als erster sprechen muß, wird chipen, und zwar aus der Erwägung, daß er mit diesem Blatt wohl kaum der Beste am Tisch sein dürfte und daher abzuwarten habe.
  • D, der auf Grund seines guten Blattes (A, A, D, D) vor dem Kauf gebessert hat und dessen Blatt durch den Kauf unverändert blieb, tut am besten daran, wenn er sich ebenfalls abwartend verhält. Auch er chipt.
  • E ist bereits “out”gegangen.
  • A hat mit dem Kauf einer Karte eine Straight erzielt (9,10, B, D, K), ein volles Blatt mittlerer Höhe. Er darf es sich daher erlauben, zu rufen. Da der letzte Ruf vor dem Kauf vier Einheiten war, hat er das Recht, acht zu rufen, und er macht von diesem Recht Gebrauch.
  • B hat eine Full-Hand gekauft (K,K,K,7,7) und wird sich mit Berechtigung für sehr stark halten. Er wird daher den Ruf seines Vorspielers A verdoppeln und hat also 8 + 16 = 24 Einheiten in den Pot zu zahlen.
  • C, der nun zu den nach ihm gemachten Besserungen Stellung nehmen muß, wird erkennen, daß sich der Entscheidungskampf zwischen den Spielern A und B abspielen wird, ein Kampf, in welchem ihm keine Chance bleibt. Er geht also “out”.
  • D müßte sich theoretisch von den gleichen Erwägungen leiten lassen wie C. Wir wollen aber annehmen, daß er den Spielern A und B keine vollen Blätter zutraut und die beiden Rufe hält. Er hat daher wie B 24 Einheiten zu bringen.
  • A, der selbst acht gerufen hat, muß sich entscheiden, ob er den Ruf des B (16 Einheiten) hält. Er entschließt sich dazu. Zu einem weiteren Zurückschlagen hält er sein Blatt, mit Recht, für zu schwach. Auch daß der Spieler D die beiden Besserungen vor ihm gehalten hat, muß ihm zu denken geben. Er weiß auch, daß durch sein “Halten” des Rufes von A jede Möglichkeit einer weiteren Steigerung abgestoppt ist. Nun haben die drei Spieler, die noch im Spiel sind (A, B, D), ihre Blätter auf den Tisch zu legen. B hat das höchste Blatt und zieht den Pot mit seiner Königs-Full (K,K,K,7,7).
  • C, der eröffnet hat und “out”gegangen ist, wird ebenfalls sein Blatt zeigen, um zu beweisen, daß er die zur Eröffnung erforderlichen zwei Buben wirklich hatte. Er tut dies mit den Worten “Meine Eröffnung”.

Beispiel II (Fortsetzung):

  • Das als Beispiel II gebrachte Blatt wurde oben bis zum Beginn des Kaufes vorgeführt.
  • D hat mit einem Damen-Paar eröffnet. Er kauft drei Karten, und zwar eine Dame und zwei unverwendbare (tote) Karten.
  • E hat einen Neuner-Drilling in der Hand, er kauft zwei Karten, die sein Blatt nicht verbessern (tote Karten).
  • A ist bereits “out”gegangen.
  • B kauft zu seinem As-Drilling ein As und eine tote Karte. Er hat nun einen As-Vierling in der Hand.
  • C kauft zu seinem Paar Zehner ein Paar Könige und einen Zehner, er hat jetzt somit eine Zehner-Full im Blatt.
  • D (der Eröffner) hat einen hohen Drilling in der Hand (D, D, D). Da er aber als erster sitzt, sagt er, abwartend, nur “chip”, denn er wäre wohl bereit, einen von anderer Seite kommenden Ruf zu halten, es wäre ihm aber unwillkommen, durch seinen Ruf einen eventuellen Rückruf zu provozieren.
  • E chipt ebenfalls. Entscheidend für ihn ist, daß B auch nur zwei Karten gekauft hat und sein eigener Drilling (9, 9, 9) nicht sehr hoch ist.
  • B hat einen As-Vierling gekauft. Im Bewußtsein, eines der höchsten Blätter in der Hand zu haben, ruft er das Maximum, nämlich das Doppelte des letzten Rufes (8), d. H. 16.
  • C hat eine nicht sehr hohe Full-Hand (10, 10, 10, K, K) gekauft. Da B schon vor dem Kauf zurückgebessert, nur zwei Karten gekauft hat und nun das Maximum anspielt, glaubt er keine Chance zu haben und entschließt sich, “out”zugehen.
  • D und E gehen gleichfalls “out”.
  • B zieht den Pot, ohne sein Blatt zeigen zu müssen.

Hierzu ist zu bemerken: der Sieger hätte aus seinem sehr hohen Blatt mit einer anderen Spieltaktik einen größeren Gewinn erzielen können. Hätte er nämlich gechipt, statt das Maximum zu rufen, so hätte einer der beiden hinter ihm sitzenden Drillinge sehr wahrscheinlich noch 16 Einheiten eingebracht.

Die Folge der gewöhnlichen Visum-Spiele kann durch Jack-Pot-Runden nach Vereinbarung in gewissen Intervallen unterbrochen werden. Es kann auch nach folgendem Verfahren vorgegangen werden. Es wird z. B. ein Schlüssel oder sonst ein kleiner Gegenstand in den Pot gelegt. Wenn derjenige Spieler, der den Schlüssel-Pot gezogen hat, zum Teilen kommt, beginnt bei ihm eine Jack-Pot-Runde.

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