Die Inder

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts bereiste ein Holländer mit Namen Dapper Indien und Persien und veröffentlichte seine Eindrücke in einem großen Folianten unter dem Titel “Asia oder Ausführliche Beschreibung des Reichs des Großen Mogols und eines großen Teils von Indien usw.”, erschienen aus der “niederländischen Sprache ins Hoehteutsche getreulich übersetzet” in Nürnberg 1681. Darin spricht O. Dapper auch von den Spielen der “Mogoller”, wie er die Bewohner nennt: “Was ihr Spiel und Zeitvertreib in ihren Häusern anbelangt, so ist zu wissen, daß sie zwar auch ihre Spiel-Charten haben, die aber von den unsrigen weit unterschieden sind, sowohl was die Bilder als die Anzahl der Blätter anbelanget; sie haben auch gute Wissenschaft im Schachspiel. Unterweilen üben sie sich unter den Quacksalbern mit Taschenspielen und Gaukeln.” – Für uns ist es nur bedauerlich, daß er die Bilder nicht beschrieben und die Anzahl der Karten angegeben hat. Sicher handelte es sich bei diesen Spielen noch um ursprüngliche Formen, aus denen mancherlei aus der Entwicklung des Kartenspiels und seiner Wanderung vom Osten nach dem Westen ersichtlich geworden wäre.

Vielleicht bewahren die Indochinesen in ihrem “Spiel mit den 36 Tierfeldern” einen Rest dieser alten Spiele. Daß dies Spiel als einziges nicht in der öffentlichen Spielbank gespielt werden darf, ist sehr bemerkenswert. Die Zahl 36 sowie die Tierbilder lassen vielleicht auf einen mythischen Charakter des Spiels schließen.

Das Brett war am Anfang nur die Unterlage für die Würfel. Die Spieler merkten aber bald, daß die Würfel auf dem glatten Brett auseinander sprangen, sie “trudelten”, wie es im Deutschen heißt. Also zog man auf dem Würfelbrett einen Kreis, in dem die Würfel herumspringen und wiederum Figuren bilden konnten. Es lag nahe, den Bewegungen der Würfel ein System zu unterlegen, das Brett in Felder einzuteilen. Aus der griechischen Bezeichnung “dia-grammismos” läßt sich erkennen, daß die Einteilung des Dame- oder Schachbretts schon damals bekannt war.

Der nächste Schritt war, die Würfel, die Steine, “zu ziehen”, auf dem eingeteilten Brett zu bewegen, wie beim Dame- und Schachspiel. Peteia nannten die Griechen ein solches Spiel, das ebenfalls aus dem Osten zu ihnen gekommen war. Ob sie auch unser Mühlespiel kannten, läßt sich nicht beweisen. Manche wollen in seiner Zeichnung die Idee des Labyrinths wiedererkennen.

Brettspiele können so lange als Geschicklichkeitsspiele gelten, als sie nicht von dem Zufall des Würfels bestimmt werden. Ob das Triktrakspiel (Backgammon) schon in antiker Zeit so gespielt wurde wie heute, wissen wir nicht genau. Die Beliebtheit, die es bis heute in den Mittelmeerländern behalten hat, spricht für seine Bodenständigkeit und sein hohes Alter.

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