Die Jule

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Die Krone aller Würfelspiele ist die Jule! In vielen Knoblerkreisen versteht man unter Knobeln einfach die “Jule”. Es gehört etwas Kunde dazu, die man sich aber leicht aneignen kann.

Was eine Hausnummer ist, steht beim Hausnummerknobeln beschrieben; hier treten nun noch folgende Honneurs hinzu:
Drei aufeinanderfolgende Ziffern (123, 345 usw.) nennt man “Sequens”.
Drei gleiche Ziffern (222, 555 usw.) “Pasch”.
Zwei Einer (11) nennt man Max und Moritz, denen die dritte Ziffer verschiedenen Werte verleiht, z. B. 115 = Max und Moritz mit fünf (Augen).
Drei Einer (111), die sowohl einen Pasch, wie einen Max und Moritz in sich schließen, nennt man “Julius” und die sich steigend verdoppelnden Ziffern (124) die “Jule”!
Die Bewertung ist folgende:

Hausnummer 1 Punkt
Sequens 2 Punkte
Pasch 3 Punkte
Max und Moritz, je nach Nenner, 2-6 Punkte
Julius 7 Punkte
Jule 9 Punkte

Ein Max und Moritz mit “zwei” steht über einem Sequens; einer mit “drei” über einem Pasch, obgleich sie nicht mehr gelten als diese.

Das Spiel vollzieht sich in folgender Weise:
Je nach Zahl der Mitspieler wird eine Anzahl Hölzer auf den Tisch gehäuft (etwa 10 Stück für jeden Mitspieler), dann beginnt das Spiel mit drei Würfeln. Es wird zunächst ein Wurf gemacht. Wer in der Runde den niedrigsten Wurf tut, kleinste Hausnummer, erhält so viel Hölzer, wie Punkte in der Runde geworfen sind. Sind keine Honneurs geworfen, so erhält er nur ein Holz.
Sobald sämtliche Hölzer in dieser Weise verteilt sind, ist das Anknobeln beendet. (Es sei hier bemerkt, daß niemals Hölzer nachgefüllt werden dürfen; wenn z.B. in der letzten Runde 8 Points fielen und nur noch 1 Holz auf dem “Scheiterhaufen” ist, erhält der Anknobler nur dies eine Holz.)
Nun beginnt das Abknobeln, wobei jedem Spieler bis zu drei Wurf gestattet sind, von denen jedoch nur der letzte zählt. Der Spieler, der die wenigsten Hölzer hat, beginnt. Jetzt darf der Spieler, der das höchste Honneur warf, oder, wenn keins in der Runde fiel, der, der die höchste Hausnummer warf, so viel Hölzer auf den Scheiterhaufen zurückwerfen, wie Punkte in der Runde fielen. Wer abwirft, beginnt die neue Runde. Wenn zwei Spieler gleich hohe Würfe erzielten, haben sie, falls kein anderer sie übertraf, um den Sieg zu “stechen”, d. h. einen Privatgang zu werfen, wobei der anknobelt, der den “Zu paß” warf, also der zweite.
Wer in der Runde auf den letzten Hölzern hängen bleibt, hat verloren und zahlt die Zeche, oder für jedes überbehaltene Holz einen bestimmten Betrag. Wer seine Hölzer los ist, scheidet aus. Hier einige Beispiele:

Anknobeln:
1. Runde. Es würfeln: A. 621, B. 345 (Sequens), C. 333 (Pasch), D. 115 (M. u. M. mit 5), E. 221.
E, der den geringsten Wurf hat, erhält somit 10 Hölzer (1 Sequens 2, 1 Pasch 3, 1 M. u. M. mit 5 = 10 Punkte.)
2. Runde. A. 455, B. 621, C. 322, D. 661, E. 664.
Da kein Honneur fiel, erhält C. (niedrigste Hausnummer) 1 Holz.

Abknobeln:
1. Runde. A. 113, B. 443, C. 333, D. 453, E. 442.
A. tat mit M. u. M. mit 3 den höchsten Wurf, er legt 8 Hölzer ab. M. u. M. mit 3 (A.) 3, Pasch (C.) 3, Sequens (D.) 2 = 8 Punkte.
2. Runde. A. 654, B. 553, C. 321, D. 664, E. 422.
A. tat den höchsten Wurf (6er Sequens), er legt 4 Hölzer ab. Sequens (A.) 2, Sequens (C.) 2 = 4 Points.
3. Runde. A. 431, B. 114, C. 432, D. 655, E. 114.
B. und E. warfen je einen M. u. M. mit 4, C. einen Sequens, zusammen 10 Punkte, um die B. und E. zu stechen haben.
E. hat als “Nachhand” anzuwerfen, er wirft zunächst 643, dann 111 (Julius), den er durch Verzicht auf den 3. Wurf stehen läßt.
B. wirft 332, dann 116 (M. u. M. mit 6), den er jedoch nicht stehen läßt, da der “Julius” von E. 7 Punkte zählt, also höher steht. Mit einem dritten Wurf erzielt er 124 (Jule) und ist damit Sieger. Er legt ab : 26 Hölzer! (Jule 9, Julius 7, Runde 10 = 26 Punkte.)

Man beachte also, alle Honneurs, auch die beim Stechgang, werden mitgezählt, nicht aber dabei erzielte Hausnummern: Hätte also E. 664 und B. 665 geworfen, so hätte B. nur die 10 Hölzer der Runde abwerfen können.

Bezüglich der Hausnummern merke man, daß die höchsten Ziffern stets die Hunderter und die kleinsten die Einer darstellen.

Bei richtiger Beachtung der Honneurs können Zweifel absolut nicht eintreten, da bei gleichem Punktwert stets dasjenige obsiegt, das die höchsten Ziffern aufweist. Z. B. geht Sequens 456 stets über Sequens 345, Pasch 666 über Pasch 555.

Da beim Abknobeln das Anwerfen am ungünstigsten ist, hat stets der damit zu beginnen, der im letzten Gang obsiegte und Hölzer abwarf, es wird also beim Abknobeln nicht die Reihenfolge der Runde eingehalten, aber immer rechts herum vom Anknobler (Vorhand) in neuer Runde geknobelt. Wer beim Anknobeln keine Hölzer erhielt oder sie beim Abknobeln bereits los wurde, wird überschlagen.

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