Die Lust am Verlust

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Dostojewskij berichtete seiner Frau, eines Nachts habe er bei dem Verlust einer erheblichen Summe (wohlgemerkt: Verlust!) einen Orgasmus gehabt. Der amerikanische Psychologe Robert M. Lindner hat einen Aufsatz über “Die Psychodynamik des Glücksspiels” verfaßt. Darin schildert er, wie einer seiner Patienten ähnliche Erfahrungen wie Dostojewski machte. In der Analyse ermittelte Lindner das Motiv: Es bestand in der Suche nach einer Alternative zur Masturbation, ausgelöst durch Frustrationen im Kindesalter. Chronische Glücksspieler, so meint Lindner, “sind nahezu in jedem Falle offenbar äußerst aggressive Personen, denen ungeheure, auf Feindseligkeit und Ressentiment gerichtete unbewußte Energien zur Verfügung stehen …” Und der Psychiater Ralph Greenson meint: “Der Spieler überläßt sich der masochistischen Lust am Verlieren und er strebt danach, diese Lust so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, denn sobald er Spieltisch oder Rennbahn verläßt, um sich wieder dem Alltag zuzuwenden, setzt er sich unerträglicher Angst aus. Die geringere Angst, Geld zu verlieren, ist für ihn demgegenüber ein Vergnügen. Der scheinbare Kampf ist eine Sublimierung des Kampfes in der Wirklichkeit.”

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