Drei-Karten-Hasard

Ein Artikel aus der Rubrik Falschspieler.

Das älteste bekannte Betrugsspiel beruht nicht auf mechanischen Tricks, sondern auf Fingerfertigkeit. Im sogenannten Drei-Karten-Hasard muß das Opfer erraten, welche der drei mit der Bildfläche nach unten auf einem flachen Brett gemischten Karten die Dame ist. Das Spiel hat mehrere Vorläufer.
Drei Seemuscheln als Arrangement dürften der älteste Vorläufer sein, es war in China im 3. Jahrhundert bekannt, im 2. Jahrhundert im antiken Griechenland. Der griechische Rhetoriker Alciphron berichtet, wie ein Bauer, während eines der zahlreichen Feste zu Ehren der Götter, in ein solches Spiel verwickelt wird. Bei dem Muschelspiel werden drei Muschelschalen mit der Öffnung nach unten zeigend auf eine ebene Fläche gelegt, unter einer der drei Schalen befindet sich ein Kieselstein. Das Opfer sieht nun zu, wie der Mischer die Muscheln “mischt”. Es nützt ihm nichts, denn der Mischer nimmt den Stein per Taschenspielertrick fort und unterschiebt ihn, nachdem der Wetter seinen Tip abgegeben hat, einer der beiden nicht getippten Muscheln. Der gleiche Effekt läßt sich durch hochgradig schnelles “Mischen” erreichen, ein Trick, der beim Kartenspiel oft angewandt wird. Nicht selten hat der “Mischer” einen Partner, den der “Mischer” gewinnen läßt, um auf diese Weise naive Spieler anzulocken.
Eine Abwandlung dieses Spiels war im Europa des 12. Jahrhunderts in Mode. Es bestand in der Benutzung dreier Becher und zweier farbiger Kugeln. Die Kugeln wanderten dem Anschein nach von Becher zu Becher. Der Trick bestand darin, daß die Becher nichterkennbare Hohlräume besaßen, in denen sich Kugeln befanden.
Im Amerika des 19. Jahrhunderts waren solche Glücksspiele besonders auf den Mississippi-Dampfern üblich. Der amerikanische Historiker John O’Connor berichtet, daß die Passagiere auf der Hinfahrt ziemlich leicht hereinzulegen waren, auf der Rückfahrt hätte man schon komplizierte Tricks anwenden müssen. Heute benutzt man die Kronen von Bier- oder Getränkeflaschen für derlei Trick-Spielchen. In allen Fällen gilt: Wer meint, er könne diesen Bewegungen genau folgen und einen richtigen Tip abgeben, wird sich eines besseren belehren lassen müssen.

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