Fächerpatience

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Für die Fächerpatience benötigt man zwei Whistspiele, also 104 Blätter. Man sortiert 4 Einer (Asse) und 4 Könige in je einer Farbe heraus und legt sie offen zur Seite. Nun mischt man die anderen Karten gründlich und legt sie der Reihe nach zu einem großen Fächer aus, und zwar offen, halb übereinander verschränkt, in 8 Reihen zu je 12 Blatt im Bogen. Es kommt darauf an, auf den 4 Assen die Karten gleicher Zugehörigkeit (Farbe) in richtiger Reihenfolge aufzubauen, also 2, 3, 4, 5 usw. bis zum König – und auf den Königen in umgekehrter Reihenfolge bis zur Eins (As) abwärts.

Man darf aus dem Fächer nur eine der unteren 12 Karten zum Bau nehmen. Um passende Karten frei (also nach unten) zu bekommen, darf man im Wege liegende Karten entfernen, wenn man sie unten an einer der anderen 11 Säulen anschließend anbringen kann, also wenn eine dieser Säulen mit einer Karte schließt, die beim Bau ihrer Nachbarin oben oder unten wird. Ein Beispiel:
In der zweiten Säule liegt, von unten nach oben, Pik-König – Kreuz-Acht – Karo-Zwei. Die Zwei gilt es frei zu machen, da sie auf Karo-As aufgebaut werden kann. In der Säule liegt Pik-Dame zu unterst, an sie kann also der Pik-König abgelegt werden.

Kreuz-Acht kann nur an Kreuz-Sieben oder -Neun abgelegt werden, beide sind nicht frei. Es gilt also sie frei zu machen. Unter Kreuz-Zehn in der 1. Säule liegt Herz-Bube, über ihr Kreuz-Neun. Der Herz-Bube läßt sich in der 5. Säule an Herz-Zehn ablegen, die Kreuz-Zehn in der 10. Säule an Kreuz-Bube, so würde Kreuz-Neun frei, an die Kreuz-Acht aus der 2. Säule anzulegen wäre, und damit endlich auch die Karo-Zwei, zum Aufbau auf Karo-As.

Eine geübte Patiencelegerin verfährt jedoch nicht so. Sie legt zunächst auch noch die Kreuz-Neun in die 10. Säule an Kreuz-Zehn und dann erst die Kreuz-Acht anschießend an dieselbe Säule; denn, erstens erhält sie dadurch in der 10. Säule eine Straße, Kreuz-Acht, -Neun, -Zehn, -Bube, die sie hernach hintereinander abbauen kann, und zweitens übersah sie sofort, daß oberhalb Kreuz-Acht “Herz-Drei” in erreichbare Nähe rückte, die sie zum Bau gebrauchen kann, da Herz-Zwei bereits aufgebaut ist.

So lassen sich bei umsichtigem Verlegen passende Bausteine frei machen, und zwar um so mehr, je geübter und gewandter ein Spieler ist.

Gibt es nun gar keine Möglichkeit mehr, durch Anschlußumlegungen einen “Baustein” frei zu bekommen, so ist folgendes gestattet:
Man bildet aus den 12 untersten Karten des Fächers zwei neue senkrechte Säulen, und zwar genau der Reihe nach – die ersten 6 Karten links, die letzten 6 Karten rechts – an den Fächer anschließend, so daß dieser nun aus 14 Säulen besteht. Nun beginnt das Suchen nach “Bausteinen” aufs neue. Ist dann wieder jede Möglichkeit erschöpft, weitere Bausteine zu erlangen, so nimmt man alle Säulen senkrecht auf und legt sie, ohne sie zu mischen, in wagerechten Reihen (Bogen) wieder zu einem neuen Fächer von 12 Säulen aus.

Diese beiden Umgruppierungen dürfen noch einmal wiederholt werden. Erreicht man auch dadurch nicht das Freiwerden sämtlicher “Bausteine”, so ist die Patienee nicht aufgegangen.

Die Fächerpatience ist, wie aus Vorstehendem hervorgeht, nicht einzig und allein ein Spiel des Zufalls, wie fast alle anderen Patiencen, sondern wird außerordentlich durch Findigkeit und Umsicht beeinflußt, was sie über das allgemeine Niveau derartiger Spiele erheblich erhöht. Legt man sie in Wettbewerb mit einem anderen, so läßt sich der Sieg an Hand der übrigbleibenden Karten graduell bewerten.

Die Ausführung einer Fächerpatience nimmt in der Regel über eine Stunde Zeit in Anspruch.

Man kann diese Patience noch schwieriger gestalten, wenn man die 4 Asse und Könige nicht vorher herauszieht, sondern mit in den Fächer legt und frei machen muß. Umgekehrt kann man sie durch dreimalige Umgruppierungen des Fächers erheblich leichter zur Lösung bringen.

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