Francois Blanc

Ein Artikel aus der Rubrik Berühmte Spieler, Spielcasinos.

Der berühmteste aller Casino-Besitzer war Francois Blanc, jener Mann, der das Casino von Monte Carlo geschaffen hat.

Blanc’s Karriere war von Anfang bis Ende ungewöhnlich. Er wurde 1806 in der Nähe von Avignon in Südfrankreich geboren, und mit 28 Jahren hatte er durch Börsenspekulation bereits genug Geld verdient, um zusammen mit seinem Zwillingsbruder Louis in Bordeaux ein eigenes Bankhaus zu eröffnen. Nachdem die Geschäfte der Bank sich zufriedenstellend entwickelten, konzentrierten sich die Gebrüder Blanc erneut, und zwar in ganz großem Stil, auf ihre Börsengeschäfte.

Zu jener Zeit besaß der französische Staat das Monopol der Nachrichtenübermittlung in der Luft. Und als die Gebrüder Blanc ihr eigenes Nachrichtensystem einrichten wollten, wurde ihnen das staatlicherseits untersagt. Das schreckte sie jedoch nicht ab. Mit der Hilfe eines staatlichen Nachrichten-Operateurs gelang es ihnen, ein eigenes Code-System zu entwickeln, das sie über die staatlichen Stationen zur Nachrichtenübermittlung benutzten. Auf diese Weise verschafften sich die Blancs wichtige Börseninformationen früher als die Konkurrenz.

Unglücklicherweise verriet ein Nachrichtenbeamter das Blanc’sche Geheimnis auf seinem Sterbelager, und ein Skandal war die Folge. Dabei spielte es offenbar keine Rolle, daß auch andere Banken sich solcher geheimer Nachrichtensysteme bedienten – die Rothschilds hatten einen Brieftaubendienst eingerichtet. Die Blancs mußten sich vor Gericht verantworten, und man warf ihnen vor, sie hätten durch ihr System 1 Millionen Euro verdient. Aber der Verteidiger der Blancs konnte zur Zufriedenheit des Gerichtspräsidenten nachweisen, daß die Blancs sich im Rahmen der Gesetze korrekt verhalten hatten – sie wurden freigesprochen und durften ihren Gewinn behalten.

Die Gebrüder Blanc ließen sich daraufhin in Paris nieder. In Frankreich waren zu der Zeit Bestrebungen im Gange, das Glücksspielwesen zu verbieten, dennoch warfen die Casinos noch enorme Gewinne ab. Aber den Blancs war die Situation doch zu gefährlich, sie suchten sich einen weniger risikobeladenen Ort aus, wo sie ein Casino finanzieren und betreiben konnten. In dem vor dem Bankrott stehenden deutschen Fürstentum Hessen-Homburg fanden sie den geeigneten Ort: Bad Homburg. Der Landgraf erteilte ihnen nur zu bereitwillig eine Konzession zum Bau und Betrieb eines Casinos.

Nach Fertigstellung des Casino-Gebäudes inszenierten die Gebrüder Blanc eine ausgedehnte Werbekampagne. Dabei priesen sie auch die Vorzüge der einheimischen Heilquellen sowie die Tatsache, daß man in Homburg die Bank nur mit einer statt zwei Nullen auf dem Roulette-Rad betreibe und daß der Bank-Vorteil gegenüber anderen bekannten Casinos beim “Trente et Quarante” nur die Hälfte des üblichen Satzes betrage. Der Erfolg war überwältigend: Nach sechs Betriebsjahren erwirtschaftete das Casino einen jährlichen Netto-Gewinn in Höhe von 200.000 Euro.

Auch Krisen wurden mit Geschick gemeistert. Als Prinz Charles Bonaparte einmal in sechs Tagen 300.00 Euro beim Spiel gewann und damit die Liquidität des Casinos auf eine harte Probe stellte, erkannte Francois Blanc die Chance, die darin steckte, das Ereignis in der geeigneten Form zu Werbezwecken auszunutzen. Blanc ließ große Plakate, Handzettel und Prospekte anfertigen, die er in ganz Europa unter die Leute brachte. Es gelang ihm, die örtlichen Behörden dazu zu bewegen, eine Eisenbahnlinie nach Bad Homburg zu bauen. Außerdem erreichte er, daß das französische Nationaltheater, die Comedie Francaise, Aufführungen in Bad Homburg veranstaltete. Sein Hauptaugenmerk galt dem reichen und berühmten Publikum, denn, so überlegte er, die reichen Leute würden eine zusätzliche Attraktion darstellen.

Francois Blancs Sternstunde als Casino-Unternehmer kam aber erst 1863, als er die dem Anschein nach “wertlose” Glücksspielkonzession des kleinen Fürstentums Monaco erwarb.

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