Geschichte des Roulette

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Das Roulettespiel in seiner heutigen Form gibt es seit etwa 200 Jahren. Ein ähnliches Spiel war aber schon vor 2000 Jahren im alten China bekannt. Bei diesem “Chinesischen Roulette” handelte es sich aber nicht um ein Glücksspiel im heutigen Sinn, sondern es hatte religiösen Charakter. Die Entscheidung des Zufalls wurde als Hinweis auf das zukünftige Schicksal gedeutet.

Das Spiel mit dem Rad soll später durch einen Missionar nach Frankreich übermittelt worden sein, wo ein Mann namens Blaise Pascal (1623-1662) den Wert der Idee erkannte. Pascal war Mathematiker und Philosoph und benutzte den Prototyp des Roulettes, um die Gesetzmäßigkeiten der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu beweisen. Der Name des Zeitgenossen, der als Erster die Idee hatte, das Roulette als Glücksspiel zu betreiben, ist leider nicht überliefert.

Die Spielidee gewann mit der Zeit immer mehr Freunde, und um 1750 erreichte das französische Roulette schließlich auch deutschen Boden. Zu dieser Zeit wurde in Baden-Baden die erste konzessionierte Spielbank eröffnet.

Man darf das Roulette, das damals ja noch in den Kinderschuhen steckte, aber nicht mit dem heutigen Spiel vergleichen. Die Roulettekessel hatten die Größe eines kleinen Heimroulettes und wurden einfach auf den Tisch gestellt. Das mit den Setzfeldern bemalte Tuch lag lose über dem Tisch und man spielte mit Silber- und Goldmünzen.

Auch die Gewinnchancen für die Spieler waren schlechter. Um den Gewinn der Spielbanken nicht zu gefährden, war gegenüber der Zero noch eine Doppelzero plaziert. Dies war auch der Grund, der das Spielaufkommen in Grenzen hielt. Die zündende Idee, welche die Geburtsstunde des Roulettes heutiger Form auslöste, hatte Francois Blanc (1806-1877), der als Gründer der Spielbanken von Bad Homburg und Monte Carlo bekannnt ist.

Monsieur Blanc schaffte einfach die zweite Zero ab und erhöhte so die Chancen der Spieler beträchtlich. Bis die anderen Spielbanken den Wert dieser Idee erkannten und nachzogen, hatte Francois Blanc schon die führende Stellung im Spielbankgeschehen übernommen. In Bad Homburg trafen sich die berühmtesten Persönlichkeiten aus aller Welt zu einem “Spielchen” und anderen Vergnügungen.

Die Spielbank blühte immer weiter auf, bis zum Jahre 1868, als der preußische Landtag alle Spielbanken verbot. Nur die Spielbank im Ostseebad Zoppot war dank des Freistadtstatus von Danzig von dieser Maßnahme nicht betroffen.

Doch schon am 1. April 1863 hatte Monsieur Blanc die Spielbank in Monte Carlo eröffnet, die nun Bad Homburg als die führende Roulettehochburg in Europa ablöste. Der Aufstieg der Spielbank von Monte Carlo begann. Diesen Erfolg hatte Francois Blanc nicht zuletzt der Erkenntnis zu verdanken, daß auch Spielbanken Werbung benötigen und daß es keine bessere Reklame gibt als große Gewinner.

Die deutschen Spieler mußten sich bis 1933 gedulden, bevor sie den Lauf der kleinen weißen Elfenbeinkugel wieder im eigenen Land verfolgen konnten.

Der zweite Weltkrieg bremste dann die Spiellust erheblich, jedoch nur bis zum Jahre 1948, als Bad Neuenahr die “Pforten zum Glück” wieder öffnete; zu einem Zeitpunkt, als die Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegründet war.

Es folgten bald weitere Spielbanken wie Travemünde, Bad Homburg, Baden-Baden und Wiesbaden. Das Roulette hatte den unseligen Krieg überstanden.

Das Roulettespiel ist keine Domäne des Adels und der Reichen mehr, es hat sich zur gehobenen Unterhaltung für Jedermann entwickelt.

Eins aber hat sich in den mehr als 200 Jahren nicht verändert. Das war schon zu den Zeiten des russischen Schriftstellers Dostojewkij so und wird auch so bleiben. Das prickelnde Gefühl der Spannung, wenn die Kugel ihren Weg in eines der Zahlenfächer sucht.

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