Glücksspiel als Beruf

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Die einzige Einkommensquelle eines Berufsspielers ist das Glücksspiel. Wenn er seinen Lebensunterhalt nicht ausschließlich aus den Einnahmen beim Spiel bestreitet, ist er Amateur, und zwar selbst dann, wenn er ein außergewöhnlicher Experte des Kartenspiels ist, über alle wichtigen Informationen beim Pferderennen verfügt und sehr oft spielt. Die meisten der berufsmäßigen Glücksspieler gehören zu einer von drei Kategorien:

  1. Geschickte und erfahrene Spieler, die auf ehrliche Weise Fortuna ein Schnippchen schlagen (weil sie genau über den Stand der Chancen orientiert sind);
  2. berufsmäßige Falschspieler oder Vertrauensleute;
  3. Geschäftsleute, die Eigentümer von Spielklubs sind (selber aber nicht unbedingt zu spielen brauchen).

Mit der Figur der berufsmäßigen Glücksspieler hat sich stets die Vorstellung von Romantik – und Schande – verbunden. In der Literatur wimmelt es von romantischer Idealisierung des Spielers als Schurke, der weder Tod noch Teufel fürchtet, ein entwurzelter Wanderer von Abenteuer zu Abenteuer, von Freundin zu Freundin. Die Volksmusik nimmt sich des ruhelosen Nomadenlebens des Spielers an, die romantische Dichtung betont die faszinierende Wirkung des Spielers auf Frauen.
Vermutlich sonnen sich die berufsmäßigen Spieler in dieser Aura, die sie in der öffentlichen Meinung umgibt nicht weniger, wie es andere Typen tun würden.

Dennoch begleitet diese Rolle ein Unterton von Ironie. Denn der echte “Profi” ist aller Wahrscheinlichkeit nach weder eine besonders farbige noch romantische Natur. Und wenn er ehrlich spielt, ist er meist gar nicht einmal sehr reich.
Angst, Unsicherheit, die all gegenwärtige Furcht vor dem finanziellen Bankrott – das sind die ständigen Begleiter des Berufsspielers. Und dieses Bild hat nichts mehr gemein mit der romantischen Vorstellung von dem ungebundenen und sorglos lebenden Glücksspieler der Literatur. Ein weiterer Teil dieser zutreffenderen Vorstellung ist die Tatsache, daß der berufsmäßige Glücksspieler kaum Erfolg hätte, wenn er nicht ein hohes Maß an Ausdauer, Energie und Arbeit einzusetzen gewillt wäre. Der Profi muß sich mit diesen Methoden vertraut machen, wenn er im harten Wettbewerb ein Leben lang bestehen will.
Wenn er Kartenspieler ist, muß er wissen, welche Chancen er hat, eine bestimmte Karte zu bekommen. Er muß wie ein Computer alle gespielten Karten im Gedächtnis behalten, so daß er die Einsatzchancen korrigieren und entsprechend handeln kann. Und er muß darüber hinaus die Fähigkeit ausbilden, auf die Psyche seiner Gegenspieler zu reagieren, aus einer bestimmten geringfügigen Veränderung des Gesichtsausdrucks seines Partners richtige Rückschlüsse auf dessen Karten zu ziehen. Diese letztere Fähigkeit wird vielfach auf Intuition oder Instinkt zurückgeführt. Sicherlich gehört aber auch dazu eine gehörige Portion Erfahrung. Ein professioneller Pokerspieler berichtete mal: Manchmal habe ich bis zu 14 Stunden nacheinander ununterbrochen damit verbracht Pokerspiele zu verfolgen, ohne auch nur einmal selber zu spielen. Ich studierte nur die Gesichter und die Karten der einzelnen Spieler und stellte mir die Frage, wie ich in jedem einzelnen Falle gespielt hätte.
Aber die Gewinnung von Erfahrungen ist ein gefährlicher Prozeß. Der angehende Berufsspieler ist den Launen des Zufalls nahezu vollständig ausgesetzt, außerdem muß er ja in der Regel gegen erfahrene Spieler anspielen. Viele Berufsspieler haben zu Anfang ihrer Karriere sehr viel verloren bis sie genug Übung und Erfahrung hatten um mithalten zu können.

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