Ist Glücksspiel ein ehrbarer Beruf?

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

William Wiley, ein englischer Geistlicher des 18. Jahrhunderts, berichtet in seinem Tagebuch: “Im Dorf ist ein gewisser Glücksspieler aufgetaucht, er will hier leben, denn er hat sich vom Spiel zurückgezogen, wie er sagt, und er will ein ehrbares Leben führen. Es ist bitter für mich, daß ich sein auf solch üble Weise verdientes Geld für meine Gemeindearbeit annehmen muß, aber ich tue es trotzdem. Und ich habe auch erkannt, daß er eine durchaus ehrenwerte Person ist mit all seinen Manieren. Einmal habe ich ihn gefragt, ob er sein Tun denn nie bereut habe, und er hat mir daraufhin geantwortet, daß er es als unsagbar hart empfunden habe und daß er, wenn er noch einmal zu leben hätte, ebenso gut Landarbeiter werden könne.”

Der Geistliche erfuhr von seinem Spieler auch, daß das Glücksspiel nicht nur ein äußerst schwieriges Metier, sondern auch ein ehrbares zu sein vermag. “Er versetzte mich mit seinen Erzählungen über Spieler, die sich und andere aus purer Habgier ins Verderben stürzten, in Bestürzung, aber er sagte mir auch, daß er sein Faro- und Whist-Spiel stets als Geschäft aufgefaßt habe in dem Sinne, daß er nach jedem Jahr Bilanz gemacht habe, um festzustellen, was ihm sein Unternehmen eingebracht habe und was getan werden müsse, um den Gewinn zu steigern. Er habe viele Jahre auf Kosten anderer leben müssen, nie jedoch habe er jemandes Eigentum angetastet. Mit einem Körnchen Wahrheit meint er, wenn die Schafe stinken, dann seien daran die Ziegen schuld, und ein Spieler könne ein ebenso ehrbarer Mann sein wie jeder andere, aber die anderen sähen ihn vielfach nicht als das an.”
Und warum sollte ein berufsmäßiger Glücksspieler nicht ein ehrbarer Mann sein können?

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