Kartenkunststücke

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Zur Erheiterung der Mitmenschen haben sich manche Leute sog. Kunststücke mit Spielkarten angeeignet, die Uneingeweihten oft rätselhaft erscheinen. Eine große Anzahl beruht auf Betrug, sei es nun, daß ein Genosse Winke oder sanfte Fußtritte unter dem Tisch versetzt, oder heimlich doppelte Spiele des wunderbaren Kunststücks Schlüssel sind.

Es gibt aber auch eine ganze Anzahl, die auf Fertigkeiten beruhen, die freilich nur so lange “wunderbar” erscheinen, als man den Schlüssel dazu nicht kennt. Von diesen seien hier einige angeführt.

Wenn man ein Kartenspiel mischt, indem man die Blätter einfach übereinander umschichtet, so bleibt ihre Reihenfolge stets dieselbe. Nur ein Zwischenstecken bringt die Reihenfolge auseinander.

Ein Kartenspiel, das seinem Wert nach sortiert ist, also von Karo-7 bis Kreuz-As aufeinandergeschichtet ist, behält diese Reihenfolge, selbst wenn es zehnmal abgenommen wird. Sobald die Karo-7 wieder unten liegt, liegen sämtliche Karten wieder in der ursprünglichen Reihenfolge.

Auf dieser Tatsache basieren die meisten Kunststücke mit Spielkarten.

Läßt man z. B. ans einem fächerartig ausgebreiteten Kartenspiel eine Karte ziehen und nach Einsicht wieder in ein Kartenspiel einfügen, so braucht man nur mit flüchtigem Blick die Nebenkarte anzusehen, um die Karte hernach bestimmen zu können. Man mischt die Karten in angegebener Weise, indem man schnell immer eine Anzahl Karten von unten nach oben bringt, läßt zur Erhöhung des Eindrucks noch einigemal abheben und zählt dann die Karten der Reihe nach auf den Tisch, wobei man, zur Täuschung, etwa an jeder flüchtig riecht, als wolle man dadurch die gezogene Karte erkennen. Sobald die gemerkte Nebenkarte kommt, folgt die betreffende Stichkarte, die man dann dem staunenden Publikum als solche bezeichnet. Voila!

Ein weiteres Kartenkunststück ist folgendes:
Man merkt sich die unterste Karte und breitet dann das Spiel mit der Hand fächerartig auf den Tisch. Nun fordert man jemand auf, irgendein Blatt unbesehen herauszuschieben, und bestimmt, bevor man es aufnimmt, seinen Nennwert, indem man ihm den Wert der gemerkten Karte gibt. Darauf nimmt man die Karte auf und steckt sie unter flüchtigem Ansehen in die Tasche. Nun fordert man einen anderen auf, ebenfalls ein Blatt herauszuschieben, dem man unbesehen den Wert der soeben in die Tasche gesteckten Karte beilegt, worauf man sie wieder mit schnellem Besehen einsteckt. So geht es weiter, bis jeder eine Karte herausgeschoben hat, deren Wert man immer nach der vorhergehenden bestimmt und einsteckt. Schiebt jemand zufällig die zuerst gemerkte unterste Karte heraus, so macht man Schluß, indem man dieser Karte den Wert der zuletzt eingesteckt beilegt und zieht dann der Reihe nach die “blind” bezeichneten Karten aus der Tasche hervor. Wird die unterste Karte nicht geschoben, so nimmt man sie zuletzt mit den Worten: “Dann will ich für mich die und die Karte (Wertname der zuletzt eingesteckten) noch selbst herausschieben”, und steckt sie unbesehen zu den andern in die Tasche, um sie als erste wieder herauszuholen. So holt man der Reihe nach alle blind bezeichneten Karten hervor und legt sie denjenigen vor, die sie herausschoben. Bei etwas Geschick wirkt das “Kunststück” immer frappierend.

Auch durch Fragestellung kann man auf eine bestimmte Karte hinwirken und diese dann blind aus dem Spiel ziehen. Man mischt die Karten, läßt abheben und steckt das Kartenspiel unter flüchtigem Besehen der untersten Karte in die Brusttasche. Nun richtet man der Reihe nach Fragen an die Zuschauer wie folgt (angenommen, Herz-Dame liegt als unterste Karte im Spiel in der Tasche):
“Es gibt rote und schwarze Karten, bestimmen Sie eine davon”: “Rot!”
Es gibt zwei Dessins in Rot, nennen Sie eins”: “Karo!”
“Gut, dann bleibt Herz über. Es gibt davon Bilder und Steine, bezeichnen Sie eine Art.”: “Bilder!”
“Gut, davon gibt es drei, nennen Sie eines.” : “König!”
“Gut, dann bleibt Bube und Dame im Spiel. Bestimmen Sie eine davon.”: “Dame!”
“Gut, als wievielte Karte soll ich die Herz-Dame aus der Tasche ziehen?” “Als dritte!”
“Gut”. Man nimmt nun die ersten beiden Karten von oben ab und die dritte von unten, es ist zum Erstaunen aller – Herz-Dame!
So plump die Fragestellung ist, der Witz an dem Trick: “Dann bleibt die andere über” entgeht meistens den Neulingen, erst bei Wiederholungen geht ihnen ein Licht auf.

Man kann den Effekt noch erhöhen, wenn man vorher unbemerkt eine Karte irgendwo im Zimmer versteckt, z. B. unter einem Buch. Hat man durch die vorerwähnte Fragestellung dann diese Karte bestimmen lassen, so läßt man mit dem bekannten Hokuspokus die Karte aus dem Spiel heraus unter das Buch verschwinden und läßt sie dort von einem der Zuschaner hervorziehen.

Auf einfacher Umschichtung der Karten übereinander durch vorgetäuschtes Mischen beruht auch folgendes Kunststück. Man ordnet die Karten hintereinander nach Werten, 4 Asse, 4 Könige, 4 Damen usw., entweder offen oder heimlich vorher. Dann mischt man in der angegebenen Weise und läßt sämtliche Zuschauer abnehmen. Mit fachkundiger Geschwindigkeit teilt man daranf das Spiel schnell in zwei Teile, wobei man darauf achten muß, daß es genau hinter den “Siebenen” geteilt wird, und steckt jede Hälfte in eine besondere Tasche. Nun holt man aus dem “gemischten”, mehrfach abgenommenen und geteilten Spiel zum Erstaunen der Zuschauer sämtliche Blätter der Reihe nach einzeln aus den Taschen – 4 Asse, 4 Könige, 4 Damen usw. obgleich man sie nur der Reihe nach abzugreifen braucht, erhöht sich die Wirkung, wenn man mit der bekannten Künstlermiene zögernd das Tempo des Hervorziehens verlangsamt.

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