Kartenspiele

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Das Spiel mit Karten kam höchstwahrscheinlich Anfang des 14. Jahrhunderts aus dem Orient nach Europa. Von Italien und Frankreich aus verbreitete es sich, bezeichnet als Des Teufels Gebetsbuch, in Windeseile in Europa. Zu einem Zentrum der Kartenproduktion im süddeutschen Raum entwickelte sich die freie Reichsstadt Ulm. Von hier aus wurden die Karten nach Italien, Frankreich und Spanien exportiert.
Die europäischen Spiele unterscheiden sich in ihren Farben und Symbolen. In allen Farbsystemen ist eine gesellschaftliche Hierarchie zu erkennen, der eine mathematische, eine figurenlose Zahlenordnung untergeordnet ist. Die Rückseiten der Karten waren zu Beginn unbedruckt und weiß. Dies ermöglichte Falschspielern an Hand von Schmutzspuren auf der Rückseite den Wert der Karte zu erkennen. Im 16. Jahrhundert begann man daher nördlich der Alpen die Rückseite mit Mustern zu versehen. Die Spielkarten sind unterschiedlich prächtig und kunstvoll bemalt oder bedruckt. Die auf Jahrmärkten, Festen oder in Wirtshäusern benutzten Karten sind einfach in ihrer Herstellung und Gestaltung. Mit ihnen spielte vor allem die Unterschicht, während die kostbaren, prächtig bemalten und bedruckten Spiele dem höfischen Milieu zuzuordnen sind.
Weniger im höfischen Spiel als im Spiel der Unterschicht sah die Obrigkeit ein enormes soziales Problem. Das Narrenschiff und andere Darstellungen von Spielsituationen zeigen die in Predigten und Traktaten immer wieder aufgezählten negativen Folgen des Glücksspiels: Betrügereien, Verlust von Hab und Gut, und gewalttätige Auseinandersetzungen, die oft in Mord und Totschlag endeten. Die erkennbaren und immer wieder angeprangerten Gefahren hinderten aber weder arm noch reich daran sich dem Kartenspiel hinzugeben. Anstoß für Verbote waren weniger die höfischen und patrizischen Spiele, als vielmehr die Spiele der Unterschicht, die das vermeintlich geordnete Leben in den Städten störten. Erstmals in Europa wird 1367 ein Spielverbot in der Stadt Bern erlassen. 10 Jahre später wird das Spiel mit den Karten in Florenz und Basel untersagt, 1378 in Regensburg, 1379 in Brabant, 1397 in Ulm.
Während die Kontrollen vor allem die Unterschicht erreichten, konnte sich die Oberschicht diesen immer wieder entziehen. Das Glücksspiel war Ausdruck ihres gehobenen und privilegierten Standes. Selbst die Geistlichkeit war vom Spiel nicht abstinent, prangerte aber die Gottlosigkeit des Spielens an und war mitverantwortlich und nicht selten Initiator von Verboten. Mancherorts zeitigten ihre Predigten gegen das Glücksspiel zeitweise durchschlagenden Erfolg: die Spiele wurden öffentlich verbrannt. Unter dem Druck der Verbote änderten sich die Namen der Spiele immer wieder, wobei deren Spielregeln nur wenig Veränderung erfuhren. Die Landesfürsten erkannten aber auch die finanziellen Möglichkeiten und mancherorts wurde eine Spielkartensteuer eingeführt.

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