Kümmelblättchen

Ein Artikel aus der Rubrik Falschspieler, Glücksspiele.

Das Kartenspiel Kümmelblättchen wird mit drei Assen gespielt und ist so einfach, daß der dümmste Bauernbursche es sofort erfaßt zu haben glaubt, namentlich, wenn er zuerst fortwährend gewinnt. Man nimmt Kreuz-As und Herz-As lose in die linke Hand, indem man nur ihre Ober- und Unterkante mit Daumen und Fingern hält, das Pik-As faßt man in gleicher Weise in die rechte Hand und zeigt so die drei Karten aufrecht dem, den man hereinlegen will. Zunächst geht’s um ein Glas Bier, einen Likör usw., die natürlich der Gauner verliert, und, da man nicht fortwährend trinken kann, wird die Revanche (die kein Ehrenmann verweigert) um Geld gespielt. So fängt es immer an. “Kitt oder Doppelt” sagt der Gauner stets und verliert fortwährend, bis ihm die Summe hoch genug erscheint, dann gewinnt er in einem Schlage “Kitt” und ist nichts mehr schuldig. Großmütig bietet er nochmals “Kitt oder Doppelt” an, worauf die Opfer meistens lachend eingehen, vielfach in der harmlosen Meinung, daß sie auch bis “Kitt” durchhalten könnten, worin sie sich natürlich täuschen. Sie verlieren regelmäßig dann “Doppelt”, und dann verlangt der Gauner erst Zahlung, weil es sonst zu hoch kommt, oder weil er plötzlich durch einen Boten oder durch telephonischen Anruf abgerufen wird. Er summiert, und dann gehen den Opfern erst die Augen auf, was sie in dem letzten Spiel verloren haben. Der Dritte bestätigt auf Eid und Ehre, wievielmal “Doppelt” gesagt wurde, und wer nur mit den einfachsten Regeln der Mathematik bekannt ist, weiß, wie die Zahlenhydra wächst durch Verdoppelungen. Zögert ein Opfer zu zahlen, so nehmen Wirt und Gäst drohend Partei für den Gauner, der als Stammgast natürlich als Ehrenmann bestätigt wird; ja, häufig droht man sogar, die Polizei herbeizurufen und den Geprellten als Preller festnehmen zu lassen.

Selbst wenn “fair” gespielt wurde, was oft nicht einmal der Fall ist, indem ber Dritte oft im entscheidenden Spiel ein drittes “Schwarz-As” bereit hält, läuft es auf Betrug hinaus, weil der Gauner lachend erklärt, es sei Spaß gewesen, wenn ein Opfer vorher das Weiterspiel verweigert und Zahlung verlangt. In diesem Fall stehen Wirt und Gäste natürlich ebenfalls dem Gauner bei und drohen mit der Polizei, um den Gast wegen verbotenen Glücksspiels festnehmen zu lassen. So ist die Welt der Gauner!

Und das “harmlose” Kümmelblättchen ist einfach so: Nachdem man die Karten gezeigt, hält man sie verdeckt über den Tisch, schiebt die Hände schnell einigemal übereinander hin und her und läßt dann die Blätter los. Von den drei Karten hat dann der Partner das Herz-As umzudrehen, dreht er ein schwarzes As um, so hat er verloren.

In wenigen Versuchen erhält man große Fertigkeit darin, die Karten so geschickt durcheinanderzuwirbeln, daß selbst der aufmerksamste Zuschauer Zweifel haben kann, wo Rot-As liegt. Zeigt sich ein Opfer hartnäckig und weigert sich zu spielen, so spielen oft die beiden Gauner zusammen, bis schließlich einer erklärt, kein Geld mehr zu haben. Der Gewinner bietet trotzdem nochmals “Kitt oder Doppelt” an – auf Kredit! Nun wendet sich der Verlierer an das Opfer und bittet ihm zu raten bzw. zu helfen, schließlich schlägt er “Halbpart” vor und erreicht so sein Ziel. So ist die Gaunerei.

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