Marianao

Ein Artikel aus der Rubrik Spielcasinos.

Üppig wie die Insel Kuba präsentierte sich auch das Casino Marianao nahe der Hauptstadt Havanna.
Krone aller Herrlichkeiten! Märchenschloß! so seufzten die Bewunderer des Casinos Marianao verzückt…
Zahllose Tische mit überdimensionalen Roulette-Maschinen waren vorhanden. Jeder Gast durfte auf Wunsch allein sein Glück versuchen – jedem Gast sein eigener Spieltisch – jeder durfte selbst die Scheibe drehen, selbst die Kugel werfen. Jeder erhielt seine eigenen Jetons, in der Farbe von den Spielmarken der Mitspieler verschieden. Verschwenderisch und nüchtern zugleich kalkuliert: Auseinandersetzungen zwischen Spielern verlaufen unter der Sonne Kubas anders als im milden Europa!
Was nur immer in der Welt an luxuriöser Unterhaltungskunst geboten wurde – von Al Johnson bis zu den Ziegfeld-Girls -, mußte Marianao sehen und hören. Eintrittsgelder kannte man nicht! Die Besucher des Casinos waren Gäste des Hausherrn, die Honorare an die Künstler zahlte die Bank. Diese Großzügigkeit konnte sich die Bank leisten, da ihr Roulette mit zwei Zero spielte. Zweifach gewann die Bank auf ihre Chance, und wer letzten Endes all die Herrlichkeiten bezahlte, waren doch die Besucher.
Der Direktor war ein geschickter Mann, der vorher zu den politischen Persönlichkeiten des Staates New York gehörte. Als Monte Carlo in seine Krise hineinrutschte, bot man ihm die Direktion der Glückshochburg am Mittelmeer an, als einem neuen Francois Blanc, aber er lehnte ab. Es mußte eine Ähnlichkeit zwischen beiden besthen, oder sind die Zauberer der Roulette alle aus dem gleichen Holz geschnitten? Von Blanc in Bad Homburg und Benazet in Baden-Baden bis zu ihrem Kollegen in Marianao regierte ein Prinzip: durch glanzvolle künstlerische Ereignisse und märchenhafte Ausstattung das Spiel aus der Sphäre der Realität hinauszuheben, aus der ganzen Welt das beste Publikum anzulocken und seinen überschüssigen Reichtum auf die Spieltische strömen zu lassen.
Freilich war in Marianao all dies leichter als in Europa mit seinen Traditionen. Unter der Sonne Kubas existierte nur die Gegenwart, und das Märchen vom Glück fing dort jeden Tag von neuem an.

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