Michael Graf Kortikoff

Ein Artikel aus der Rubrik Berühmte Spieler.

Michael Graf Kortikoff war einer der größten Spieler des 20. Jahrhundert. Ende 1949 starb er in Ostende, im Glück seiner am Roulettetisch gewonnenen Millionen. Die Spielbanken verloren an ihm ihren interessantesten Gast und ihren gefährlichsten Partner.
Kortikoff gehörte zur Elite der Gesellschaft des zaristischen Rußlands. Als Leutnant flüchtete er 1917 nach Paris. Die Juwelen seiner Familie, im Wert von zwei Millionen Franken, nahm er mit. 1921 begann er das Spiel in Monte Carlo. Er begann bescheiden, ohne großes Risiko, aber mit scharfer Berechnung der Chancen. Auch sein System blieb unkenntlich. Wie Thomas Garcia spielte er auf einfache Chancen, aber er setzte nicht kühn im Vertrauen auf seine Millionen, sondern er blieb bei niedrigen Sätzen und gewann dennoch, zuletzt Millionen.
Der Besitzer des Casinos in San Remo charakterisierte ihn wohl richtig: Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Mathematiker, er besitzt eine nahezu unheimliche Intuition, ein Fingerspitzengefühl für die Launen Fortunas.
1929 heiratete Kortikoff eine Pariser Tänzerin. Die junge Frau gab sich alle Mühe, ihn von der Spielleidenschaft zu heilen. Beinahe hatte sie Erfolg, denn in der ersten Zeit der Ehe verlor Kortikoff die Hälfte seines Vermögens. Eines Abends ging er allein in den Spielsaal, um den Verlust wieder einzubringen. Als wäre das Glück zu ihm zurückgekehrt, gewann er, gewann viel, wie früher. Da erschien seine Frau im Saale, und Kortikoff verlor von diesem Augenblick an alles.
Das Ehepaar lebte in Monte Carlo, eng befreundet mit einem bekannten französischen Politiker, und Kortikoff wußte, wie sehr der Franzose seine Frau verehrte.
Was sich in der Nacht nach dem sensationellen Verlust ereignet hat, blieb lange Zeit im Ungewissen. Man erzählt, Kortikoff sei am folgenden Abend allein ins Casino gegangen und habe mit gewohntem Glück gespielt und gewonnen.
In den nächsten Tagen sah man seine Frau öfters mit dem französischen Freund auf der Promenade, kurz darauf wurde Kortikoffs Ehe geschieden. Ein Jahr später nahm sich seine Frau in Paris das Leben. In einem Abschiedsbrief an ihre Mutter gestand sie: Kortikoff habe sie in jener Nacht an ihren Verehrer verspielt, beim Ecarte, dem Spiel zu zweien.
Kortikoff aber spielte weiter, mit dem gleichen Glück wie früher. Wo er erschien – in Ostende, Biarritz, San Remo -, überall wurde er zum Schrecken der Bankhalter. Ehe er zum Angriff gegen die Bank vorging, beobachtete er monatelang den Spielverlauf an verschiedenen Tischen, legte eine Statistik der Treffer an; selbst das Gewicht der Kugel, die Rotation der Scheibe, die Art, wie die einzelnen Croupiers das Rad in Bewegung setzten, und andere technische und psychologische Einzelheiten zog er in seine Berechnung. Kühl wie ein Mathematiker spielte er, nicht hoch, aber planvoll wie keiner vor ihm. Er häufte seine Gewinne und starb als mehrfacher Millionär.
In seinem Testament bestimmte er 800.000 Franken für ein Grabmal seiner Frau.

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