Monte Carlo

Ein Artikel aus der Rubrik Spielcasinos.

Der Name Monte Carlo ist in der ganzen Welt zum Inbegriff des Glücksspieles geworden – obwohl die große Zeit von Monte nur noch eine Erinnerung ist. Hier zeigt sich wieder, daß Ruhm und Vorurteile länger leben als die Menschen, die sie einst geschaffen haben.
Der Anfang von Monte Carlo sah wenig verheißungsvoll aus. Als in Paris in der Silvesternacht 1837/38 die öffentlichen Spielsäle geschlossen wurden, sahen sich die Unternehmer nach anderen Wirkungsstätten um. Da lag das freie Fürstentum Monaco, eine Felsenhalbinsel an der Riviera, mit einem Stück wertlosen Hinterlandes. Pariser Unternehmer hatten es leicht, den Fürsten zum Vertragsabschluß über die Errichtung einer Spielbank zu bewegen.
Jahrzehntelang schleppte sich das Geschäft hin, ohne nennenswerte Erfolge, oft bis dicht vor den Zusammenbruch. Was war schuld? Zunächst die schlechten Zufahrtsstraßen, besonders von Nizza her, das die Zubringer-Stadt von Monte Carlo sein sollte. Außerdem fehlten Hotels, folglich fehlte das Publikum.
Frangoise Blanc, der Spielbank-Manager aus Bad Homburg, war es, der aus einer scheinbar hoffnungslosen Fehlspekulation einen Weltbegriff machte. Schon auf seiner ersten Inspektionsreise erkannte er die Mängel, an denen Monaco krankte. Die Bank mußt auf das Festland verlegt werden, sie brauchte einen großartige Palast als Rahmen, moderne Zufahrtsstraßen als Zirkulationsadern, eine Hotel- und Villenstadt für jeden Anspruch und Stil. Monsieur Blanc schuf, was er als lebens- und geschäftswichtig erkannt hatte: Er baute Monte Carlo, und die große Gesellschaft kam und wählte Monte Carlo zur Saisonresidenz.
Die Einnahmen aus der Pacht des Spielbetriebes ermöglichten dem Fürsten einen großartigen Luxus, seinen Untertanen ein sorgloses Dasein, der Wissenschaft und der Kunst neue Wirkungsstätten, den Meeresfischen ein Riesen-Aquarium, den Einheimischen lukrative Berufe als Croupier und Casino-Personal, ihren Familien absolute Steuerfreiheit – die sich mancher Spielbankort in Deutschland nicht einmal erträumen darf.
Allerdings trafen auch die beiden Weltkriege dieses paradiesische Ländchen hart, obwohl weder sein Fürst noch die Einwohner von Monaco sich einmischten.
Daniele Vare, ein italienischer Diplomat, der während der Konferenz in San Remo, 1920, auch das Casino in Monte Carlo besuchte, faßte seinen Eindruck so zusammen: Die Tische haben viel von ihrem Zauber verloren, seit der Einsatz nicht mehr in Napoleons gemacht wird. Die Jetons klappern anders als klingendes Gold.
Noch schlimmer wurde es nach dem zweiten Weltkrieg. Die vollkommene Veränderung der gesellschaftlichen Struktur in den europäischen Ländern, die zahlreichen Spielbanken, die in Frankreich und Deutschland als Konkurrenten auftraten, die strengen Devisengesetze in vielen Ländern ließen einen längeren Aufenthalt in Monte Carlo und schon kaum noch ein Spiel in seinem Casino zu. Die reichen Engländer und Amerikaner, ehemals die Bewohner der luxuriösen Villen und Hotels, wurden seltene Gäste. Die Reisegesellschaften, die durchgeschleust wurden, opferten zwar einige Francs, um einmal doch an den berühmten Tischen gespielt zu haben, aber davon konnte weder die Bank noch der Fürst so leben wie im 19. Jahrhundert. Die Bank wollte mit Würfelspielen ihre Bilanz verbessern. Sie wurden wieder abgeschafft. Ebensowenig half es, daß der Fürst seine Polizisten in Operettenuniformen steckte, um den Touristen eine Show zu bieten. Die Einschränkung der Privilegien der Einwohner, die Einführung von Steuern erregten Unruhen, was wieder für den Fremdenverkehr abträglich war. Auch die schmale Kost für das viel und mit Recht bewunderte Seeaquarium ließen die Habenseite nicht anschwellen. Endlich erhoffte man neuen Aufschwung, als ein bekannter Reeder das Casino pachtete. Er konnte zwar ein ziemlich hohes Kapital investieren, aber auch ihm gelang es nicht, die modernen Milliardäre und Nabobs nach Monte Carlo zu locken. Auch dies Luxuscasino ist zum internationalen Volksspielplatz geworden.

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