Nick der Grieche

Ein Artikel aus der Rubrik Berühmte Spieler.

Nick der Grieche war wohl Amerikas berühmtester Glücksspieler. Er war das beste Beispiel jenes professionellen Glücksspielertyps, der sowohl geschickt als auch ehrbar war, der aus eigener Erfahrung die schlimmen Seiten des Glücksspielerdaseins kannte und der trotzdem eine ebenso legendäre Gestalt geworden ist, wie mancher Glücksspieler eine romantische Figur der Dichtung.

Der 1966 verstorbene Nick, dessen bürgerlicher Name Nicholas Andrea Dandolos war, wurde 1883 in Rethymnon auf Kreta als Sohn eines Lumpenhändlers und Patenkind eines vermögenden Reeders geboren und in Smyrna erzogen. Im Alter von 18 Jahren schickte ihn sein Großvater nach Amerika. Wöchentlich erhielt er 150 Dollar zum Lebensunterhalt. Nick verliebte sich in Chicago, trennte sich aber bald von seiner Freundin und ging nach Montreal. Dort freundete er sich mit einem bekannten Jockey an. Mit dessen Tips, und dank der eigenen, angeborenen Fähigkeit, Chancen zu ermitteln, gewann er innerhalb der folgenden sechs Monate 500.000 Dollar durch Rennwetten.

Nick ging zurück nach Chicago, wo er sein gesamtes Geld bei Karten- und Würfelspielen verlor, mit denen er nicht vertraut war. Aber das schreckte ihn nicht ab. Im Gegenteil, er studierte diese Spiele intensiv und in wenigen Jahren war er als Spielerfigur so bekannt, daß ihm Klubbesitzer große Gehälter anboten, wenn er in ihre Dienste treten würde. Meist lehnte Nick solche Angebote ab. Wo er aber spielte, war er die Attraktion, und zwar in der Hauptsache deshalb, weil er selten das Spiel abbrach, wenn er verloren hatte, sondern weiterspielte, selbst wenn es sich um Verluste in der Höhe von 100.000 Dollar handelte, was im übrigen nicht selten vorkam.

Nick der Grieche hielt sich an ein einfaches Prinzip: Beim Spiel immer darauf zu achten, daß seine eigenen Chancen möglichst ausgeglichen sind, so daß er seine überragende Geschicklichkeit und seinen Blick für die Eigenschaften seiner Mitspieler zu seinen Gunsten anwenden konnte. Roulette war nichts für ihn, denn in der Regel ist der Prozentsatz, den das Casino vom Gewinn abzieht, zu hoch. Dagegen spielte er gerne Craps, obwohl seine eigentliche Stärke beim Kartenspiel – Faro und insbesondere Poker – lag. Beim Poker allein hat er während seiner Laufbahn rund 6,4 Millionen Dollar gewonnen. Aber, gleich welches Spiel er spielte – immer umdrängten ihn zahlreiche Zuschauer, die begierig darauf warteten, daß er eine der riesigen Nebenwetten, die ihn berühmt gemacht haben, gewann. So hat er beim Craps Nebenwetten bis zu 5.000 Dollar Einsatz gewagt.

Nick der Grieche war als scharfer Rechner bekannt. Trotzdem schien er am Verlieren ebensoviel Spaß zu haben wie am Gewinnen. Das Spiel selber bedeutete ihm mehr als das Geld. Wenn er nicht gerade spielte, behandelte er sein Geld so unachtsam wie die Asche seiner berühmten Zigarre. Nicht selten haben die Eigentümer von Waschsalons und chemischen Reinigungsbetrieben riesige Beträge in seinen Anzügen gefunden. Man hat geschätzt, daß während seiner Karriere eine halbe Milliarde Dollar durch seine Hände gegangen sind. Und er selber hat gesagt, daß er 73mal den Wechsel von Reichtum zur Armut durchgemacht habe. Dennoch hatte er stets Kredit und bezahlte seine Schulden.

Natürlich kreisen um diesen Spieler, der einen akademischen Grad in Philosophie erworben hatte und eine Vorliebe für Aristoteles und Plato besaß, endlose Gerüchte und Vermutungen. So, daß er einmal einen ganzen Häuserblock in Los Angeles besessen habe, daß er einmal einen arroganten Gegenspieler aufforderte, 550.000 Dollar auf eine einzige Karte zu setzen (der Mann paßte), daß er einmal zehn Tage und Nächte ununterbrochen Faro gespielt habe usw. Diese Geschichten mögen stimmen, vielleicht aber auch nicht. Eins ist jedoch sicher: Nick der Grieche hat stets ehrlich gespielt und dennoch mit Summen, die vorher niemand erreicht hat.

Schlagwörter: , ,