Paganini

Ein Artikel aus der Rubrik Berühmte Spieler.

Der Satansspieler Paganini gewann ungeheure Summen mit der magischen Gewalt seiner Geige, ungeheure Summen opferte er den Leidenschaften, die neben der Kunst seine Götter waren: der Liebe und dem Spiel. Was er durch seine Geige gewann, warf er auf den Opfertisch Fortunas.
Seine Spielleidenschaft war Erbgut, denn sein Vater, Gemüsehändler in Genua, verspielte sein Geld beim Lotto, das um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts ganz Italien beherrschte wie heute alle europäischen Länder. Vater Paganini hoffte sein Leben lang auf den großen Schlag, bis er in Niccolo, dem Sohn, seine große Chance erkannte.
Im Februar 1831 kam Paganini nach Paris. Hier fand er das Publikum, das phantastische Eintrittspreise zahlte, nicht nur für das Geigenspiel, sondern auch für die Sensation, den dämonischen Geigenvirtuosen aus der Nähe zu sehen. Mit zwölf Konzerten verdiente er 160.000. Während seines Aufenthaltes besuchte er jedes Etablissement, wo das Spiel lockte, und die Gagen wanderten in die Kasse der Bankhalter des Palais Royal, des Salon Frascati, des Cercle des Etrangers.
Das im Spiel entgleitende Vermögen versuchte er durch höhere Gagen wieder einzubringen. Während der Konzertreisen durch England, Frankreich und Belgien gelang das auch. In Italien feierten ihn seine Landsleute als Nationalheros. Im Juli 1837 kam er wieder nach Paris.’
Aus dem Virtuosen der Geige und des Glücks war ein Spekulant geworden. Mit einigen Kapitalisten gründete er eine Spielbank, das Casino Paganini, das getarnt als Etablissement musical et lite-raire am 25. November 1837 eröffnet wurde. Das Gebäude war ein Palais inmitten blühender Gärten. In prachtvollen Gesellschaftsräumen war für alle Annehmlichkeiten zur Zerstreuung und Erholung gesorgt. Dem Publikum wurde Musik, Tanz, Literatur und Konversation versprochen. Aber die Hauptsache waren die Spielsäle.
Der Spekulant Paganini schien Erfolg zu haben. Nach 36 Tagen stand er jedoch vor dem Zusammenbruch, denn am 31. Dezember wurden in Frankreich durch Gesetz alle öffentlichen Glücksspiele verboten. Die Gesellschafter verlangten von Paganini die Erfüllung des Vertrages, wonach er sich verpflichtet hatte, persönlich in den Konzerten mitzuwirken. – Paganini als Primas-Geiger im Vergnügungs-Etablissement!
Der kranke, von einem unsteten Leben frühzeitig verbrauchte Künstler wehrte sich, aber ein gerichtliches Urteil verpflichtete ihn, mindestens zweimal wöchentlich in seinem Casino aufzutreten, bei einer Konventionalstrafe von 6000 Franken für jeden unterlassenen Abend. Außerdem mußte er 20.000 als Schadenersatz an seine Gesellschafter zahlen. Er leitete eine Revision ein – das Gericht erhöhte die Summe auf 50.000 und ordnete die Pfändung seiner Geigensammlung mit den sechs Stradivaris an. Paganini mußte zahlen, bis er, kaum drei Jahre später, starb.

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