Poker

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Das Gegenstück von Baccarat, bei dem außer “bitte” und “danke” kaum ein Wort fällt, ist das in Amerika viel geübte Glücksspiel Poker oder Bluff. Es liegt anscheinend den Yankees ganz besonders, denn alle Kniffe eines smarten man of business, besonders die Kunst, den Gegner zu bluffen, finden in diesem Spiel Geltung. Es ist eigentlich gar kein Spiel, sondern eine Wette, bzw. Aufstellung der Behauptung: Ich habe eine bessere Karte als du und vertrete meine Behauptung mit so und so viel money!

Wer dabei am sichersten auftritt und seine Gegner einschüchtert bzw. das meiste Geld riskiert, ist häufig der Mann des Erfolges, und geradezu ein Ereignis ist es, wenn zwei Championbluffer einen Match miteinander ausfechten. Der ganze Klub steht dann um den Spieltisch herum und wettet unter sich wieder, wer von den beiden Sieger wird.

Man spielt drüben meistens zu 4 Personen mit Skatkarten (32 Blatt). Jeder Mitspieler erhält 5 Karten, weitere 3 stehen ihm gegen Zahlung eines Betrages und Ablieferung abzugebender Karten zu. Es kann nur einmal gekauft werden. Einsatz und Kaufgelder bilden den Gewinn. Nach erledigtem Kartenumtausch erklärt Vorhand zuerst, ob sie pokern will. Paßt sie, so erklärt sich die nächste Hand usw., bis zum Geber. Passen alle, so geht das Spiel weiter bei neuem Einsatz. Wer einmal gepaßt hat, kann nachträglich nicht noch pokern. Sowie ein Spieler erklärt:
“Ich poker”, hat er damit die Behauptung aufgestellt:
“Ich habe die beste Karte.”
Er setzt zur Erhärtung seiner Behauptung einen Betrag auf den Tisch. Erklärt nun kein anderer: “Ich halte”, so hat er ohne Kampf gewonnen und zieht Einsätze und Kaufgelder samt seiner Garantiesumme ein.

So verläuft ein Spiel jedoch selten. Gewöhnlich wird seine Behauptung bestritten, indem einer erklärt, oder auch alle: “Ich halte”! Die das erklären, haben den vorgesetzten Garantiebetrag dagegen zu setzen und ihrerseits ihre Bestreitung durch Vorsetzung einer neuen Garantiesumme zu erhärten. So geht Behauptung und Bestreitung weiter, bis schließlich einer seine Siegesgewißheit so stark betont, (indem er plötzlich einen größeren Betrag vorsetzt), daß die Gegner Zweifel an ihrem Sieg bekommen und passen. Sie scheiden damit ganz aus unter Verzicht auf alle Beträge, die sie gesetzt. Zuletzt kämpfen nur zwei Spieler miteinander. Je nach Veranlagung, oder der Bewertung ihrer Karte, dauert so ein Kampf Stunden, so daß Riesenbeträge auf dem Tisch sich ansammeln. Keiner will nachgeben und so viel Geld wie möglich vom Gegner herausholen. Es kommt vor, daß zuletzt einer eine 100-Dollar-Note vorlegt, namentlich wenn sich Gruppen bilden auf beiden Seiten, die Anteile nehmen. Paßt schließlich der Gegner, so fällt dem Sieger alles zu, ohne daß er sein Blatt zu zeigen braucht; in der Regel ist der Ausgang aber so, daß einer erklärt: “sehen”. Er hat dann die zuletzt vorgesetzte Garantiesumme zu setzen, ohne neue Summe vorzusetzen.

Nun decken beide ihre Karten auf; wer die höchstwertende hat, streicht alles eingesetzte Geld ein.

Die Bewertung der fünf Karten folgt nach folgendem Schlüssel. Farbenfolge: Pik, Herz, Kreuz, Karo.
1. Farben-Seguens: As, König, Dame, Bube, Zehn, – König, Dame, Bube, Zehn, Neun, – Dame, Bube, Zehn, Neun, Acht, – Bube, Zehn, Neun, Acht, Sieben (gen. Coleur Street)
2. Gemischter Sequens: Dasselbe in verschiedenen Farben, wobei die Rangordnung von der Farbe der höchsten Karte abhängt. Ein Sequens “Pik-König bis Karo-Neun” ist höher als ein Sequens “Herz-König bis Pik-Neun”, aber niedriger als ein Sequens “Karo-As bis Herz-Zehn” (gen. Mixed Street).
3. Ein Vierer-Pasch: 4 As, 4 Könige usw.
4. Volle Hand: 3 As, 2 Könige, 3 Damen, 2 Buben usw.
5. Zwei Paar: 2 Asse und 2 Könige, 2 Zehnen und 2 Sieben usw.
6. Ein Dreier: 3 Asse, 3 Könige usw.
7. Ein Paar: 2 Asse, 2 Könige usw.
8. Der höchste Einer: As, König usw.

Unter Berücksichtigung der vier Farben ist die Bewertung “einer Hand” also so mannigfaltig, daß eine stattliche Zahl herauskommt und gleiche Bewertung niemals eintreten kann, so daß immer einer die höchstwertend Hand besitzt, namentlich wenn auch die Sequens zu 4, 3 und 2 Blättern noch eingeschoben werden, was vielfach üblich ist.

Die Kunst beim Pokersplel besteht einzig und allein im Bluffen und etwas Erfahrung und Glück in der Wahl, welche Karten man umtauschen soll. Es kommt vor, daß jemand rein gar nichts in der Hand hat, trotze dem jedoch nicht kauft, vielmehr siegessicher pokert, hierdurch seine Gegner täuscht nud sie trotz höher wertender Karten zum Passen verleitet. Jeder Spieler hält natürlich sein Blatt streng geheim, oft wird es in die Brusttasche gesteckt, auch werden die erledigten und unverkauften Karten streng vor jedem Einblick aufbewahrt.

Es gehören Yankeenaturen dazu, dieses Hasardspiel mit Begeisterung zu spielen.

Em beliebter Trick ist, mit einer hochwertenden Karte zunächst zaghaft vorzugehen, um die Gegner zu “locken”, und umgekehrt, mit leerer Hand siegesgewiß aufzutreten, um sie einzuschüchtern, das ist das Wesen des Bluffs, auf deutsch: Täuschung.

Schlagwörter: ,