Richard Minster

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Richard Minster war ein Angehörigen der englischen Oberschicht des 17. Jahrhunderts, der seiner Missetaten wegen enthauptet wurde. Richard Minster berichtete in seinen Bekenntnissen u. a. folgendes:

Eines Nachts zu Epiphanias erlitt ich den größten Geldverlust in meinem ganzen verdammten Leben und wurde wieder in die Welt zurückgeschleudert, die ich nun wegen meiner eigenen Verdammtheit verlassen muß.
Während einer Woche hatte ich verloren, gewonnen und wieder verloren, und für mein Gefühl befand ich mich in einem gewissen Zustand der Ausgeglichenheit. Die Juwelen meiner Mätresse waren verspielt, aber in einem Anflug von Generosität hatte ich ihr wertvollere gekauft, und ich hatte mit ihr geschlafen und sie in ihrer Wollust zur Verzückung gebracht. Aber immer war eine Unruhe gegenwärtig wie eine nagende Krankheit, und so ging ich an dem besagten Sonnabend schnurstracks hin, um zu verlieren, was ich besaß. Verlieren! In meinem Gehirn befand sich die Erinnerung an ein Tier, an einen Wüstling, der sich eine Jungfrau zu Willen macht, ein Gefühl, das jeder Wurf der Würfel in mir hervorrief, mit denen ich mein Vermögen verlieren konnte, die Erinnerung an den sich ständig steigernden inneren Aufruhr, der nur unterbrochen und verzögert wurde, wenn ich gewann …
Ich spielte mit Mountgarde und Hilbery und gewann neunzig Guineen in einer Stunde, für die sie mir Schuldscheine gaben, denn sie waren blank. Die Gewinne betrübten mich und in meiner Verzweiflung erhöhte ich den Einsatz. Wieder gewann ich. Und so ging es die ganze Nacht. Zeitweise hatte ich über 50.000 Guineen in Form von Schuldzetteln, und ich machte weiter, ohne nennenswert zu verlieren.
Der Raum hallte wider von Schreien des Entzückens und der Verwünschung. Wir hatten Waffen und Ubermäntel längst abgelegt und der Raum war von Wein- und Talgdunst geschwängert. Es war eine wilde Szene menschlicher Verlorenheit und mittendrin stand ich, eingehüllt in mein Glück. Einige der Spieler berührten mich und stürzten zurück zu ihren Tischen, um zu sehen, was aus ihren Glückschancen geworden war. Ich hatte das Gefühl, als ritte ich in einem Triumphzug mit dem Glück. Aber in meinem Herzen war Verzweiflung, denn ich war im Begriff, eine Schlacht zu gewinnen, die ich eigentlich verlieren wollte.
Zu guter Letzt jedoch, gegen Morgen, wie ich vermute, denn ich hatte jedes Zeitgefühl längst verloren, raffte ich alles, was ich inzwischen gewonnen hatte – Geldscheine, Schuldscheine, Gold, Juwelen, Perücken und was die Verlierer sonst noch beigebracht hatten – zusammen und schrie den Spielern meinen letzten, endgültigen Einsatz zu.
Ich verlor alles beim ersten Wurf, und ich kann kaum beschreiben, welches Gefühl der Erlösung mich überkam. Mir war zumute, als würden sich alle Widerreisse dieser Welt in Wohlgefallen auflösen. Und in diese Welt muß ich nun zurück.

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