Roulca

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Das Spiel Roulca ist ein Beweis dafür, daß der Spielergeist auch unter widrigen Umständen tätig und sogar schöpferisch sein kann. Sein Erfinder, der Croupier Josef Schlosser, hat es der Spielbank Baden-Baden überlassen.

Roulca

Schlosser hat es aus der Kriegsgefangenschaft, aus einem Lager in Marseille, mitgebracht.

Es gab im Lager, so erzählt Schlosser, nur ein abgenutztes Kartenspiel mit vierundzwanzig Karten, die gerade zum Sechsundsechzig genügten. In der Eintönigkeit hinter dem Drahtzaun, unter der Glut des südlichen Sommers, quälte er sich zum Vergnügen mit dem Problem ab, ob man nicht aus den Karten und der Roulette etwas machen könne, das anschaulicher wäre als das Zahlen-Roulette und spannender als ein gewöhnliches Kartenspiel: Kugel plus Karte, Roulette und Spielkarte, das sollte der Trumpf sein! In arbeitsfreien Stunden beschäftigte er sich mit der Erfindung neuer Regeln, Chancen, Tableaus, Quoten und Kombinationen, und als aus dem Kriegsgefangenen der Heimkehrer wurde, hatte er die Taschen voll kleiner Notizzettel mit Zahlen, Kreisen und Zeichnungen – er brachte ein fertiges, klug erdachtes und korrekt durchorganisiertes Spiel mit heim, das seither viele Menschen unterhalten und manchen einen hübschen Gewinn gebracht hat. Schlosser ging davon aus, daß viele “Klein-Spieler” gewohnt sind, mit Karten umzugehen und in Kartenbildern zu denken – er beschritt damit unbewußt einen Weg, der aus der modernen Abstraktion zurückführt in die Anschaulichkeit des Bildes, von dem jedes Spiel ausgeht, und es ist nicht zufällig, daß Roulca ein Frauenspiel geworden ist. Anstelle der 37 Roulette-Zahlen sind die 24 Kartenbilder getreten, die Rolle des Zero spielt “Carteuni”. Im Kessel und auf dem Tableau sind die Karten ebensowenig wahllos verteilt wie bei der Roulette die Zahlen; es gibt Plein, Cheval usw. – nur ist das Minimum 1, das Maximum auf einfache Chancen 100 Euro, und bei Plein wird das 23fache ausbezahlt. Roulca ist ein harmloses Spiel, wenn man es mit dem Minimum ein Weilchen versucht – das Studium der Einzelheiten verrät jedoch, daß es seine geheimen Reize hat.

A Plein (eine einzelne Karte) 23facher Einsatz wird ausgezahlt
B Cheval (2 verbundene Karten) 11facher Einsatz wird ausgezahlt
C Transversale pleine (Querr. von 3 Karten) 7facher Einsatz wird ausgezahlt
D Carre (4 Karten) 5facher Einsatz wird ausgezahlt
E Die vier ersten Karten: Carteuni, Herz-As, Kreuz-König und Caro-Dame 5facher Einsatz wird ausgezahlt
F Transversale simple (Querr. von 6 Karten) 3facher Einsatz wird ausgezahlt
G Herz, Kreuz, Caro, Pique (je 6 Karten) 3facher Einsatz wird ausgezahlt
H Kolonne (8 Karten) 2facher Einsatz wird ausgezahlt
Einfache Chancen Rot oder schwarz – Gerade oder Ungerade – 1. Hälfte, 1.-12. Karte – 2. Hälfte, 13.-24. Karte 1facher Einsatz wird ausgezahlt

Bei “Carteuni” verlieren alle einfachen Chancen. – Kommt “Carteuni” zum drittenmal, so wird das rotumrandete Feld, das nur mit doppeltem Minimum gespielt werden kann und gleichzeitig Maximum ist, als volle Karte 40fach ausbezahlt.

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