Roulette – Intuition im Spielsaal

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Weder ein Mensch noch ein Roboter kann eine Roulette-Maschine so bedienen, daß in unberechenbarer Zeit oder bei unberechenbaren Coups das Gesetz des Ausgleichs erfüllt wird. Jede Maschine nutzt sich ab. Bei aller Präzision hat jede Maschine ihre Eigenart, auch die Roulette-Maschine. Jede hat ihre eigene Erschütterungswelle beim Lauf der Kugel. Den Croupier selbst beeinflussen beim Wurf der Kugel physische und psychische Störungsmomente. Deshalb kann auch die schärfste Beobachtung der Maschine und des Kugelwurfs keinen sicheren Faktor im Ablauf der Coups erkennen, der einem System den festen Punkt lieferte, das Spiel des Zufalls zu überwinden. Viele der unzähligen Systeme, die dem Zufall Paroli bieten sollen, beruhen auf dem Ausgleichsgesetz. Aber weder im Laufe eines Spieltags oder eines Monats, eines Jahres oder einer Reihe von Jahren, geschweige denn weniger Spielstunden kann mit Sicherheit auf Ausgleich gerechnet werden.

In den 200 Jahren hat noch kein System, so viele ihrer erprobt wurden, den Zufall ausgeschaltet. Selbst das Glück von Michael Graf Kortikoff, das angeblich eine Folge seiner scharfen Beobachtungen gewesen sein soll, beruhte letzten Endes auf dem unerklärlichen Phänomen der Intuition.

Und doch erlebt man in den Spielsälen die sonderbarsten Überraschungen, deren Quelle im Bereich der parapsychologischen Phänomene zu suchen ist. Da spielt einer wie in Trance. Er starrt vor sich hin, setzt plötzlich und gewinnt. Ein anderer rennt von Tisch zu Tisch und heimst seine Gewinne ein. Ein erfahrener Experte des Spielbetriebs meinte: Sie gewinnen heute, bringen aber morgen den ganzen Gewinn zurück. Das Geld ist ihnen nur geliehen! Alle großen Spieler waren solche Intuitionsspieler. Ihre seelische Verfassung war oft Anlaß zu ihrem Glück, aber auch zum Umschlag ins Gegenteil.

Man könnte meinen, Hellseher müßten doch immer mit Glück spielen. Aber selbst der berühmte Hellseher Hanussen erklärte nach erstaunlich glücklichem Spiel in Monte Carlo: er habe wie jeder andere gespielt, nach gewissen Beobachtungen und Überlegungen, die jeden Spieler zu seinem Satz veranlassen, die aber für den Verlauf des Spiels ohne Bedeutung sind. Jede Handlung des Menschen entspringt einem Denkvorgang.

Seit Freuds Untersuchungen beschäftigt die Psychoanalytiker das Phänomen der “inneren Stimme”, das sich am auffallendsten in der inneren Weckuhr bemerkbar macht. Auch dafür, daß besonders empfindsame Menschen Ereignisse vorausahnen wie manche Tiere, gibt’s Dokumente. Die moderne Psychologie erklärt, der Mensch habe in der Zivilisation die inneren Kräfte, die Seelenkräfte, das Intuitive zugunsten des logischen Denkens, des Verstandes vernachlässigt. Geist aber wird als eine gemeinsame Äußerung von Seele und Verstand gedeutet, gemäß der psychosomatischen Organisation des Menschen. Diesen Bestand des Menschen zu erhellen und zu erklären, muß der Zukunft überlassen werden. Wer öfters Spielsäle besucht und Spieler beobachtet, wird manches Unerklärliche feststellen. Für Unerklärbares bietet auch die Geschichte berühmter Spieler Beispiele genug.

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