Roulette-Maschine

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Der Partner des Roulette-Spielers ist eine Roulette-Maschine. Vor dem Spiel wird mit der Wasserwaage festgestellt, ob auch keine Neigung die Kugel von ihrem Lauf ablenken kann. Geprüft wird ferner, ob die Scheibe reibungslos rotiert, ob die ganze Roulette-Maschine tadellos und präzis arbeitet. Der Mensch bedient die Maschine und er respektiert sorgsam die Unantastbarkeit ihres Charakters als Maschine.
Die Maschine liegt in einer kreisrunden Schale, dem Kessel. Der Schalenrand ist etwas nach innen gebogen, damit die rotierende Kugel nicht hinausfallen kann. Die innere, leicht nach unten abfallende Wand des Kessels muß glatt sein wie ein Spiegel. Der Kessel ist aus hartem Holz gearbeitet, in das die elfenbeinerne Kugel keine Furchen hineinzuziehen vermag. Neuerdings wird statt Holz auch Kunststoff verwendet.
Im Grund des Kessels kreist die metallene Roulettescheibe mit den Nummern. Sie dreht sich auf einem spitz zulaufenden Stachel, der in eine geölte Einbuchtung auf der unteren Seite der Scheibe hineinragt. Aus der Oberfläche der Scheibe ragt ein Metallstab auf, der in der Höhe des Kesselrandes vier Handgriffe in Kreuzform trägt, mit denen der Croupier die Scheibe in Bewegung setzt. Vier Griffe sind zur gleichmäßigen Scheibenbelastung notwendig.
Am unteren Kesselrand sind 12 oder 14 Hindernisse montiert, kleine Rhomben aus blankem Metall. Sie stehen in gleichem Abstand voneinander im Kreis um die Scheibe, abwechselnd den spitzen oder stumpfen Winkel auf das Scheibenzentrum zu gerichtet.
Ehe die weiße Kugel vom Kesselrand auf die rotierende Scheibe hinabläuft, stößt sie gegen eins dieser Hindernisse, wird abgelenkt und manchmal gegen den oberen Rand des Kessels geschleudert, fällt nach unten – vielleicht noch einmal gegen einen der metallenen Rhomben, vielleicht noch einmal zurück an den Rand – und dann erst auf die Scheibe. Eine Beeinflussung des Kugellaufs durch den Wurf des Croupiers ist dadurch gänzlich ausgeschlossen. Der Zufall entscheidet allein, wo die Kugel die Nummernscheibe erreicht.
Aber auch dort rollt sie meist noch klappernd und klirrend hin und her, bis sie sich für eine der Zahlen entscheidet und in eins der Nummernfächer hineinfällt. Die Kugel ist aus Elfenbein mit feinster Präzision gearbeitet.
Dort, wo Roulette ohne Konzession heimlich gespielt wird, in den sogenannten Spielhöllen, hat man versucht, die Kugel mit Eisen zu füllen, einzelne Nummern elektrisch zu magnetisieren, dem Kessel eine geringe, nicht wahrnehmbare Neigung nach einer Seite zu geben, um den freien Lauf der Kugel zu stören und so der List des Betrügers eine Chance zu geben. In den öffentlichen Spielbanken sind solche Machenschaften unmöglich. Aber selbst wenn solche Versuche gelingen würden, könnte höchstens der Kugel eine andere Richtung gegeben werden und der Zufall wäre doch nicht ausgeschaltet.

Die runde Nummernscheibe ist in 37, abwechselnd rot und schwarz gefärbte Sektoren eingeteilt; nur der Sektor der Null ist ohne Farbmarkierung oder grün. Jede der Zahlen Null bis 36 ist auf einem Sektor der Scheibe aufgezeichnet. Jeder Zahlensektor umfaßt bei den 37 Zahlen etwa 10 Grad. Die Zahl 36 ist die Quadratzahl der 6, der höchsten Augenzahl eines Würfels. Wie keine andere Zahl bietet sie durch ihre vielfache Teilbarkeit in Nummerngruppen vielseitige Satzmöglichkeiten. Unter jeder Zahl nach der Mitte zu ist eine viereckige Vertiefung, das Fach, in dem die Kugel zur Ruhe kommt. Sie liegt darin fest, die Nummer ist daher immer eindeutig.
Die Folge der Zahlen rings um den Rand der Scheibe erscheint willkürlich gewählt, ist aber sinnvoll und wohlbedacht. Wären die Zahlen 1 bis 36 in ihrer Folge auf Rot und Schwarz verteilt, so würden die Chancen Rot und Schwarz mit Gerade und Ungerade zusammenfallen. Das ist durch die unregelmäßige Zahlenfolge vermieden worden.
Von den ungeraden Zahlen der Chance Manque ebenso wie der Chance Passe kommen jeweils fünf Nummern auf rote, vier Nummern auf schwarze Sektoren. Rot sind 1, 3, 5, 7, 9, Schwarz sind 11, 13, 15, 17. Von den fünf ungeraden Zahlen in Passe sind rot: 19, 21, 23, 25 und 27, schwarz sind: 29, 31, 33 und 35, also die fünf niedrigsten rot, die vier anderen schwarz.
Von den geraden Zahlen Manque dagegen sind fünf schwarz: 2, 4, 6, 8 und 10 und nur vier rot: 12, 14, 16 und 18, von den geraden Zahlen Passe sind fünf schwarz: 20, 22, 24, 26 und 28 und vier rot: 30, 32, 34 und 36.
Wird die Scheibe durch eine Linie in zwei gleiche Hälften geteilt, so können noch andere planmäßige Grundzüge erkannt werden. Zero ist bei dieser Betrachtung neutral, sie wurde auch erst später bei der gewerblichen Ausnützung des Spiels als Chance der Bank eingefügt, nicht aus mathematischen Gründen, und doch ist ihre Stellung zwischen den Zahlen 26 und 32 wohl durchdacht. Die Teilungslinie wird mitten durch den Sektor Zero gezogen bis zum gegenüberliegenden Rand, wo sie zwischen der roten 5 und der schwarzen 10 hindurchgeht. Die Zahlen von Passe und Manque ziehen sich abwechselnd, mit der 32 beginnend, über die Hälfte der Scheibe rechts herum. P 32, M 15, P 19, M 4, P 21, M 2, P 25, M 17, P 34, M 6, P 27, M 13, P 36, M 11, P 30, M 8, P 23, M 10. Hier wechselt die Folge beginnend mit M 5; es folgt P 24, M 16, P 33, M 1, P 20, M 14, P 31, M 9, P 22, M 18, P 29, M 7, P 28, M 12, P 35, M 3, P 26. Diese wechselnde Folge von Passe und Manque um die Scheibe herum kann auch nach anderen Gesichtspunkten gesehen werden: rechtsherum von 32 bis 10 wechselnd Passe und Manque; von der Null aus links herum von 26 bis 5, ebenfalls Wechsel von Passe- und Manque-Zahlen. Interessant ist, daß an einer Stelle zwei Passe-Zahlen die beiden Reigenhälften beginnen, 32 und 26, und daß sie genau gegenüber mit zwei Manque-Zahlen schließen, mit 5 und 10. Die neu hinzugekommene Null wurde also wohlüberlegt an einer bedeutsamen Stelle eingefügt, zwischen 32 und 26. Eine Zeitlang wurde eine zweite Null zwischen 5 und 10 mitgespielt. In modernen Spielbanken entfällt sie. Durch diese Verteilung der Passe- und Manque-Zahlen wurde die Übereinstimmung von Rot und Schwarz mit Gerade oder Ungerade vermieden. Auf beiden Hälften wechseln sich je 9 schwarze und rote Sektoren ab.
Die Addition aller Nummern auf der einen und der anderen Hälfte ergibt für jede Hälfte die gleiche Summe, nämlich 333. Ferner liegen links alle roten und rechts alle schwarzen Nummern von Manque. Alle schwarzen Nummern von Passe liegen dagegen links und alle roten rechts. Auch die Dutzende sind planmäßig auf die linke und rechte Hälfte verteilt. Sämtliche rote Nummern des ersten Dutzends (1-12) liegen links, sämtliche schwarzen rechts. Umgekehrt liegen vom dritten Dutzend (25-36) die schwarzen links und die roten rechts. Vom mittleren Dutzend (13-24) liegen je drei rote und drei schwarze auf jeder Hälfte. Damit ist eine gleichmäßige Verteilung vollzogen.
Man hat behauptet, Blaise Pascal habe diese Anordnung getroffen und er habe das Geheimnis der Roulette mit in das Grab genommen. Aber Pascal dachte nie daran, seine Maschine könne einmal als Spielgerät benutzt werden. Daher konnte ihm gar nichts daran liegen, das Geheimnis, wie beim Spiel die Roulette-Maschine besiegt wird, der Nachwelt vorzuenthalten.
Wäre er durch seine Experimente mit den Zufallszahlen, die ihm die Roulette-Maschine lieferte, hinter das Geheimnis des Zufalls gekommen, so hätte er diese ungeheure Entdeckung in seinen Werken mindestens erwähnt. Seine Schriften über die Wahrscheinlichkeit boten dazu weiten Raum.

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