Roulette – Progression

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Progressionen sind Versuche, verlorene Einsätze beim Roulette durch Erhöhung des Einsatzes bei nachfolgenden Spielen wieder herauszuholen oder Gewinne zu steigern. Eine Flut von verlockenden Möglichkeiten für den Spieler! Der eine Systematiker progressiert nur bei Verlust, der andere nur bei Gewinn, ein Dritter kombiniert Gewinn- oder Verlust-Sätze mit Paroli-Sätzen, d. h. er läßt Einsatz und Gewinn stehen, er bietet der Bank Paroli.

Die bekanntesten Progressionen sind:

Die Martingale: die Verdoppelung der Einsätze, bis ein Treffer erzielt oder das Maximum erreicht ist. Gewinnt endlich der Maximalsatz, so schiebt der Rechen des Croupiers ihm alles wieder zu, gewonnen ist aber nur ein Stück. Und wie schnell das Maximum erreicht wird, zeigt die Folge der Progressionen: 1 – 2 – 4 – 8 -16 – 32 – 64 – 128 – 256 – 512 – 1024 Stück schon beim elften Verlust-Coup! Das wären 2048 Euro, wenn man vom Minimum, also von 2 Euro ausgeht, dem ein Maximum von 2400 Euro entspricht. Dieses Maximum ist vielen Systematikern ein Greuel. Es verpfuscht ihnen angeblich den “todsicheren Gewinn” – behaupten sie! Im Casino von San Remo wurde, so berichtet man, das Maximum zeitweilig aufgehoben, aber dennoch gelang es keinem System, die Bank auf die Knie zu zwingen, sie zu “sprengen”. Die obere Begrenzung des Spieleinsatzes schützt eher den Spieler vor Torheiten als die Bank vor Verlusten.

Tiers et tout (ein Drittel und das Ganze): Diese Progression wollen manche als Satztechnik Garcias, des berühmtesten Spielers im 19. Jahrhundert, erklären. Sie ist eine Kombination von Verlust-Progressionen und Paroli. Man setzt von einer bestimmten Summe zunächst etwa ein Drittel, dann, im Verlust-Fall, zwei Drittel. Wählt man als Summe neun Stücke, so werden also zunächst drei gesetzt. Gehen sie verloren, so folgen sechs Stücke als Einsatz, bei Glück beträgt der Gewinn zwölf. Die neuen Sätze sind 4 und 8, dann 5 und 10, dann 6 und 12 usw. Diese Progression kann Glück bringen, wenn sich längere Gewinnserien oder rascher Wechsel zwischen Gewinn und Verlust einstellt.

D’Alembert: Bei Verlust erhöht man den Einsatz um ein Stück, bei Gewinn verringert man ihn entsprechend.

Contre d’Alembert: Sie verlangt die umgekehrte Taktik wie bei d’Alembert.

Fortlaufende Progression: Sie ist eine Kombination beider Systeme. Sie erhöht den Einsatz nach jedem Gewinn und jedem Verlust.

Amerikanische Abstreich-Progression: Ihr System reicht fast in die höhere Mathematik hinein und dürfte nur wenige Super-System-Spieler interessieren.

Unverlierbare Progression: Von Fritz Werntgen entwickelt, ist, äußerst kompliziert im Prinzip, die Umkehr der Amerikanischen Abstreich-Progression mit Steigerung im Gewinn … Ebensowenig wie mit ihr eine Bank gesprengt worden ist, bezeichnet das “unverlierbar” etwa Güte, sondern ist nur ein Gattungsbegriff.

Superposition: Bekannt aus den Schriften des holländischen Schriftstellers Multatuli – sein bürgerlicher Name ist Eduard Douwes Dekker (1820-87). Wohin man mit allzu kühnen Aktionen gegen die Launen des Glücks kommen kann, offenbart Dekkers Schicksal. Als er sein System “entdeckt” hatte, schreibt Mimi, seine Frau:
“Wir waren noch immer im Zweifel, aber dann gingen wir ans Rechnen … Wir jubelten und bauten Luftschlösser, Zuerst alle Schulden zahlen … Dann eine Zeitung gründen … Alle Freunde anstellen, er natürlich als Chef, das Blatt sollte etwas Besonderes sein, es würde ihm Gewicht geben und Macht … Macht, um Gutes zu tun … Wir sprangen vor Freude hoch …”
Dekker starb im Hause eines Wohltäters am Rhein, nahe bei Wiesbaden, wo er sein “Gewicht und seine Macht”, Gutes zu wirken, im Spiel verloren hatte, und alles dazu, was er mit seinen flammenden Artikeln gegen Unrecht, mit seinen Büchern voll Weisheit errungen hatte.

Diese kleine Auswahl von Systemen innerhalb der einfachen Chancen zeigt, wie vielfältig und verwirrend die Versuche sind, mit denen man die eigenwillige Maschine Roulette besiegen wollte. Man kann auch mit den zwölf Nummern der Dutzende und Kolonnen experimentieren, man kann es mit den Transversalen, Carres, à chevals, mit Einzelnummern und Zero versuchen …

Um wenigstens einen Begriff von einem dieser Systeme zu bekommen, verfolgen Sie zehn Coups an einem Spieltisch, ohne zu setzen. Schreiben Sie sich jede Transversale simple auf, die herauskommt, notieren Sie, welche am seltensten oder überhaupt nicht erscheint. Nach dem Gesetz des Ausgleichs muß diese in einem der nächsten Coups fallen, also: setzen Sie auf sie! Geht Ihr erster Satz verloren, so setzen Sie die gleiche Transversale noch einmal mit einfacher Progression, und bleiben Sie dabei, selbst wenn Sie drei- und viermal leer ausgehen. Chancen mit sechs Zahlen können nicht so oft ausbleiben wie eine Einzelnummer – und da: Beim fünften Mal erscheint die gesetzte Transversale! Sie haben Ihren Verlust heraus und dazu einen Gewinn. Zum Beispiel: Ein Spieler hat an seinem Spieltisch beobachtet, daß die Transversale simple mit den Zahlen 7 bis 12 während 10 Coups nicht erschienen ist. Also setzt er auf diese Chance den Mindestsatz 2 Euro. Im nächsten Coup erscheint keine ihrer Zahlen, also verloren. Er progressiert für den nächsten Coup seinen Einsatz einfach, legt 4 Euro auf die Chance. Wieder Pech. Er progressiert weiter einfach, setzt 6 Euro. Verloren! Jetzt setzt er 8 Euro. Auch sie rafft der Rechen des Croupiers weg. Einmal muß die Chance kommen! Er setzt weiter progressierend 10 Euro, und der fünfte Coup bringt die Zahl 10 oder eine der Zahlen der Chance. Er hat gewonnen. Ausgezahlt wird ihm das 5fache, also 5 mal 10 = 50 Euro als Gewinn und der. Einsatz von 10 Euro. Verloren hat er in den 4 Coups 20 Euro. Gewonnen hat er 30 Euro. Progressiert er mit Verdoppelung, so sieht die Sache so aus: Erster Einsatz 2 Euro. Zweiter 4, dritter 8, vierter 16, fünfter 32 Euro. Die Chance erscheint, er erhält 5 mal 32 = 160 Euro als Gewinn ausgezahlt, dazu den Einsatz 32 Euro. Sein Verlust belief sich auf 62 Euro. Er hat also zu seinem Einsatz 98 Euro gewonnen.

Er darf aber nicht damit rechnen, daß auf jeden Fall schon nach dem 4. Coup die gesetzte Chance kommt. So gut wie sie schon beim ersten Coup kommen kann, sorgt der Zufall dafür, daß sie die ganze Spielzeit über nicht kommt. Kaum aber hat er der Bank den Rücken gekehrt, erscheint sie serienweise. Vielleicht hat er bis zum Höchstsatz der Chance 480 Euro progressiert und verloren.

Auch die Chancen mit mehreren Zahlen unterliegen dem Zufall: Sie erscheinen an einem Tisch vielleicht den ganzen Tag über nicht, am Tisch nebenan wiederholt. Am nächsten Tag ist es vielleicht umgekehrt. Schon von einer Stunde auf die andere kann ein Wechsel eintreten. Aber berechnen kann man auch bei ihnen nicht den Zufall.

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