Spielkarten – Kartenspiele

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Unter Spielkarten versteht man kleine Blättchen in Form von Rechtecken aus Glacékarton. Auf den Rückseiten sind sie gleichmäßig gemustert. Auf den Vorderseiten haben sie verschiedene Aufdrucke, die ihren Wert in den einzelnen Spielen bestimmen. Man unterscheidet Spiele von 52 Blättern und solche von 32 Blättern, sie werden nach den Hauptspielen, die damit gespielt werden, Whistkarten und Skatkarten genannt. In Deutschland ist sowohl die französische wie die deutsche Aufmachung in Gebrauch, erstere mehr in Norddeutschland, letztere in Süddeutschland.

Die Bezeichnungen beider Aufmachungen laufen vielfach durcheinander, so daß man französische Karten mit deutschen Bezeichnungen nennen hört und deutsche Karten mit französischen. Auf die Spiele hat das keinen Einfluß.

Die Grundeinteilung eines Kartenspiels besteht aus vier verschiedenen charakteristischen Emblemen; da sie in verschiedenen Farben gehalten sind, werden sie kurzweg “Farben” genannt. Ihre Bezeichnungen sind folgende:
Französische Karten: Treff, Pik, Coeur, Caro (Carreau)
Deutsch: Kreuz, Schüppen, Herz, Eckstein
Deutsche Karten: Eichel(n), Grün, Rot, Schellen
der auch: Klever(Kleeblatt), Schwarz, Rot, Rauten (Fenster).

Je nach Volksstämmen und Gegenden sind diese vier verschiedenen Bezeichnungen in Deutschland gebräuchlich, sie werden auch willkürlich durcheinander gebraucht, man muß sich also merken, daß:
1. Treff – Kreuz – Eichel – Klever;
2. Pik -Schüppen -Grün -Schwarz;
3. Coeur – Herz – Rot;
4. Caro – Eckstein -Schellen – Rauten
dasselbe bedeuten, nämlich eine der vier kurzweg “Farben” genannten Embleme.

Jede Farbe hat 8 bzw. 12 Einteilungen; nach ihrem Wert von oben geordnet, heißen sie:
As, König, Dame, Bauer, Zehn, Neun, Acht, Sieben, Sechs, Fünf, Vier, Drei, Zwei.

Die ersteren vier werden in den Gegenden, wo vorwiegend mit deutschen Karten gespielt wird, auch Daus, Ober, Unter, Wenzel genannt. “Bube” ist gleich Bauer (Wenzel), “die Alte” gleich Treff-Dame (hier und da gebräuchlich).

Der Wert der einzelnen Karten in den verschiedenen Spielen schwankt; in den hauptsächlichsten Spielen, Skat, Doppelkopf, Sechsundsechzig usw., ist er jedoch gleich und beträgt sowohl bei 52 wie 32 Karten zusammen 120 Punkte oder Augen. Diese Zahl setzt sich einzeln wie folgt zusammen:
4 Asse, Treff, Pik, Coeur, Caro, je zu 11 = 44
4 Zehnen, Treff, Pik, Coeur, Caro, je zu 10 = 40
4 Könige, Treff, Pik, Coeur, Caro, je zu 4 = 16
4 Damen, Treff, Pik, Coeur, Caro, je zu 3 = 12
4 Bauern, Treff, Pik, Coeur, Caro, je zu 2 = 8
zusammen 120

Die Blätter von 9-2 haben keinen Zählwert. Im allgemeinen ordnen sich die Farben in der angegebenen Weise, Treff – Pik – Coeur – Caro, bei gleichen Spielen geht also ein Treffspiel über ein Pikspiel, ein Pikspiel über ein Coeurspiel, ein Coeurspiel über ein Carospiel, selbst wenn ihr Wert der gleiche istl

Wer vollständiger Neuling im Kartenspiel ist, übe sich zunächst im sicheren Bestimmen der Blätter und präge sich durch Zählen ihre Werte ein, er muß stets 120 Punkte (Augen) aus einem Spiel zählen!

Des weiteren übe er sich im Mischen der Karten, worauf sehr viel ankommt, denn einfaches Ubereinanderschlagen der Karten bringt sie nicht durcheinander, sie müssen ineinander vermischt werden. Man erreicht dieses am besten, wenn man die eine Hälfte der Karten aufrecht in die linke Hand nimmt und die andere Hälfte darauf stellt und durch Schütteln zwischen die unteren Karten fallen läßt. Es ist Sitte, nach dem Mischen die Karten einem Mitspieler (Mittel- oder Hinterhand) zum Abheben vorzulegen, erst wenn dieser abgenommen (nochmal durch Abheben die Reihenfolge geteilt) oder darauf verzichtet hat, gibt man die Runde an bzw. verteilt man die Karten. Der Spieler zur Linken bekommt die ersten Karten (Vorhand), der folgende die nächsten (Mittelhand), der Geber die letzten (Hinterhand).

Jeder Spieler sortiert die Karten fächerartig nach Farben und Wert und hält sie in der linken Hand, um sie mit der rechten Hand einzeln ausspielen zu können. Man soll während des Spiels keinerlei Bemerkungen über seine Karten fallen lassen oder durch Äußerungen seinem Mitspieler Andeutungen geben, das ist nicht “fair” und verrät den ungebildeten Spieler; überhaupt zeugt das Verhalten der Spieler während des Spiels, und erst recht nach dessen Ablauf, von ihrer Qualität. Lange Nachspielerei und Vorwürfe sind unter erstklassigen Spielern verpönt, es sei denn, daß man einem Anfänger Belehrungen zu geben hat. Je besser alle Spieler die Regeln beherrschen, desto angenehmer verläuft ein Spiel; unachtsame und schlechte Spieler schädigen nicht nur sich, sondern auch ihren Partner.

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