Tausend und eins

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Tausend und eins (Kiautschou) ist eins der anregendsten Kartenspiele, die man zu zwei Personen kennt. Es muß flott und großzügig gespielt werden. Man benutzt dazu 24 Blätter, also von jeder der vier “Farben” die oberen 6 (As, König, Dame, Bauer, Zehn, Neun).

Gegeben wird wie folgt: 3-2-3, mithin je 8 Karten. Die restlichen 8 Karten werden hingelegt und einzeln nach den ersten 4 Stichen zu je eins abgenommen. Wer den Stich erhält, nimmt zuerst ab.

Solange abgenommen wird, also bei den ersten vier Stichen, braucht nicht bedient zu werden; von da ab muß bedient werden; falls das nicht möglich ist, muß getrumpft und jeder Stich (wenn es geht) übergenommen werden. Abwerfen ist unstatthaft. Sobald ein Ausspieler von einer Farbe König und Dame hat, also ein Paar, meldet er unter gleichzeitigem Ausspielen einer der Paarkarten folgende Points: Für Kreuz-Paar 100, für Pik-Paar 80, für Herz-Paar 60, für Karo-Paar 40. Die Farbe, in der eine Meldung erfolgt, ist von da ab Trumpf, d. h. man kann mit irgendeiner Karte dieser Farbe eine vom Gegner ausgespielte Karte “stechen”; vom fünften Stich ab jedoch nur, wenn man nicht bedienen kann.

Jede zweite Meldung hebt den vorherigen Trumpf auf und setzt einen neuen ein; es kann also vorkommen, daß in einem Spiel viermal der Trumpf wechselte. Einige Übung bringt schnell Gewandtheit, insbesondere darin, ob man seine Meldung herausbringen oder noch zurückhalten soll; denn die wichtigste Bedingung ist, zunächst beim Gegner vorhandene Meldungen zu zerschlagen, indem man ihn zwingt, sie zu zerreißen.

Entgegen anderen Spielen ist es bei 1001 nicht ratsam zu schneiden oder das Spiel aus der Hand zu geben; man spielt vielmehr in Vorhand möglichst so, daß man bis zur vollständigen Klärung des Spiels, also bis zum 5. Stich, Vorhand behält. (Die “Zehn” wertet zwischen König und As.) Spielt man dann z. B. von einer Farbe, von der man As und Zehn in den ersten Stichen zog (ohne daß der Gegner bediente), den Buben auf, so muß der Gegner seine Meldung zerreißen und den Buben mit Dame oder König nehmen, obgleich er auch die Neun besitzt, denn er muß übernehmen.

Da manche Spieler die Unart besitzen, beim Geben die Unterkarte mit flüchtigem Blick anzusehen, so tut man gut, bei “1001” dieses offiziell einzuräumen. Es macht das Spiel noch anregender, denn Geber wird je nachdem danach trachten, diese Karte zu bekommen, indem er den 4. Stich seinem Gegner zuzuschustern sucht, der, wenn er es merkt, nicht darauf eingeht, weil er noch nicht zu stechen oder bedienen bzw. übernehmen braucht, da dieser Zwang erst beim 5. Stich anfängt.

Man kann dieses Spiel auch so spielen, daß man die Werte der Meldungen nicht an feste Farben bindet, sondern an ihre Reihenfolge. Dann zählt also die erste Meldung im Spiel 40, die zweite 60, die dritte 80, die vierte 100, einerlei, in welcher Farbe sie folgen. Die erstere Form ist verbreiteter.

Die Abrechnung erfolgt, sobald einer der Spieler 1001 Points erreicht; entweder hat der Gegner dann die Differenz der Points nach Abmachung zu honorieren oder einen sonstigen Preis (Runde Bier usw.) zu zahlen. Da 120 Points (Augen) allein in den Karten liegen und 280 Points durch Meldungen entstehen können, kann ein Spiel 400 Points bringen, so daß 1001 schnell erreicht wird. Bleibt jemand “schwarz”, d. h. hat er keinen Stich hereinbekommen, so zählt eine etwa beim Anspielen gemachte Meldung nicht.

Dieses Spiel soll von deutschen Truppen in Kiautschou erfunden worden sein, es wird daher in einigen Gegenden auch “Kiautschou” genannt.

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