Tourenwhist

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Um dem ziemlich monotonen Gang beim Whistspiel etwas Pfeffer zur Anregung zuzufügen, hat man dem ursprünglichen Whist eine Spielart zugesellt, die den Namen “Cayenne” erhielt. Auch andere, aus dem amerikanischen Spiel “Boston” stammende Spielarten: Grand, Null, Pik-Dame usw. sind dem Whistspiel aufgepfropft worden, so daß vielfach nach jedem Robber eine neue Spielart einsetzt. Man bezeichnet ein derartiges Spiel als Tourenwhist, weil er aus verschiedenen Spieltouren besteht.

Beim Cayennespiel macht nämlich der Partner des Gebers mit dem zweiten Kartenspiel sog. “gute Farbe”. Er dreht das gemischte (und vom linken Nachbar abgenommene) Kartenspiel (sobald der Geber die Karten verteilt hat) um und legt die unterste Karte offen nach oben hin. Die Farbe dieser Karte ist “Cayenne” oder gute Farbe. Bestimmt nun Geber oder, wenn er “schiebt”, sein Partner den Trumpf in Cayenne (d. h. also, die gute Farbe soll Trumpffarbe sein), so zählen alle Tricks und Honneurs doppelt. Geber soll aber nur “schieben”, wenn er “Cayenne” vertragen kann, im andern Fall lieber nach seiner Karte Trumpf machen, denn in der Praxis hat sich die Ansicht durchgesetzt, daß man durch die Schiebung seinem Partner zu verstehen geben will, daß man Cayenne riskieren könne, weshalb der Partner “Cayenne” bestimmt, wenn er auch schwach in der guten Farbe ist. Nur wenn der Partner ein todsicheres Spiel in einer anderen Farbe in Händen hat, wird er diese zu Trumpf machen. Die Gegner müssen danach trachten, den “Trumpfmacher” in die Mitte zu bekommen und mittelstarke Trümpfe vorsetzen; es gelingt der Hinterhand dann häufig, den Stich zu machen.

Auf Cayenne folgt im nächsten Robber der Grand. Beim Whist-Grand gibt es weder Trümpfe noch Honneurs, die Partei, die die Mehrzahl der Stiche erhielt, schreibt sich für jeden Trick 4 Punkte an. Beim Grand spielt Vorhand natürlich “Flöte” an, sein Partner muß sofort “hoch” zugeben, damit die Flöte ausgenutzt werden kann, da sie durch Trümpfe nicht gefährdet ist. Sobald Partner nicht mehr bedienen kann, muß er durch Zugeben einer kleinen Karte seine Force oder Flöte andeuten und darauf Faussen abwerfen, bis Vorhand ihn ans Spiel bringt.

Als dritte Tour kommt der Null. Es handelt sich hierbei nicht darum, “stichfrei” zu bleiben, sondern “sticharm”! Jeder Trick wird mit 4 Minuspunkten bestraft. Es gibt ebenfalls weder Trümpfe noch Honneurs, jedoch sind die Gebühren für Groß- und Kleinschlemm doppelt zu zahlen.

Die letzten beiden Tourenspiele werden auch “kombiniert” gespielt. Grand-Null und Null-Grand. Es werden die ersten 6 Stiche Grand, die letzten 7 Stiche Null (und umgekehrt) gespielt, wobei die Tricks getrennt werden. Geberpartei zieht die Nullstiche ein, die Gegner die Grandstiche bzw. umgekehrt, wenn mit Null begonnen wird. Auch hier zählt jeder Trick 4 Punkte!

Man spielt das Kombinationsspiel auch in der Weise, daß vom Grand auf Nullo (oder umgekehrt) übergegangen wird, sobald Pik-Dame gefallen ist. Man darf dann bei guten Karten nicht Pikfarbe bringen, um lange Grand spielen zu können.

Auch Whist läßt sich zu dreien mit Strohmann oder unter Entfernung sämtlicher Herzkarten vom Bauer abwärts, sowie Treff, Pik- und Karo-Zwei (also mit 39 Blättern) spielen; es spielt dann jeder Teilnehmer für sich. Beim 5. Stich beginnen dann die Tricks.

Wollen zwei Mann Whist spielen, so hat jeder einen Strohmann zu nehmen und entweder offen oder verdeckt dessen Karten mit zu bedienen.

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