Trente-et-Quarante

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

An den Trente-et-Quarante-Tischen ist gewöhnlich die Elite der Spieler zu sehen; hier versammeln sich die großen Pointeure, die Leute mit der dicken Brieftasche. Dem kleinen Spieler, dem zufälligen Besucher des Casinos bietet die Roulette weit mehr Abwechslung und Spannung. Es ist ein ergötzliches Schauspiel, die Kugel rollen, die Roulettemaschine in Bewegung zu sehen, und das vermißt der Casinobesucher an den stillen vornehmen Trente et Quarante Tischen. Ein weiterer Grund, warum von der Mehrzahl der Spieler die Roulette vorgezogen wird, besteht darin, daß es beim Trente-et-Quarante-Spiel nur einfache Chancen gibt. Die Möglichkeit aber, das Vielfache des Einsatzes gewinnen zu können, lockt zur Roulette. Trotzdem das Trente-et-Quarante einfacher ist, kennen die wenigsten Leute seine Spielregeln; ja es gibt sogar Spieler, die sich an dem Spiel beteiligen, und die sich ganz einfach auf die Beamten des Casinos verlassen, die den Spieltisch bedienen.

Trotzdem aber bei der Mehrzahl der Casinobesucher zweifellos eine Vorliebe für die Roulette besteht, muß gesagt werden, daß die Chance beim Trente-et-Quarante für die Spielbank geringer ist als beim Roulettespiel, daher ist also dieses Spiel für den Spieler weniger gefährlich.

Trente-et-Quarante

Trente-et-Quarante wird wie Baccarat mit sechs Spielen zu 52 Karten, also mit 312 Karten, gespielt.

Beim Trente-et-Quarante gibt es nur vier einfache Chancen: Rouge-Noir und Couleur-Inverse. Der Gewinn ist bei jeder dieser Chancen gleich dem Einsatz; setzt man also 100 Euro, so beträgt der Gewinn 100 Euro.

Die Spielregeln lassen sich am besten an dem Verlauf des Spieles erklären, den wir im Folgenden schildern wollen: Nach dem Ruf des Tailleurs “Faitez votre jeu, messieurs!” setzen die Spieler ihre Einsätze auf das Tableau des Spieltisches. Nach dem Ruf “Le jeu est fait!” darf nicht mehr gesetzt werden. Nun zieht der Tailleur von dem gemischten und coupierten Kartenpaket eine Karte nach der anderen ab und legt sie offen in einer Reihe nebeneinander auf den grünen Tisch, dabei zählt er lautlos die Points. Die Werte der Karten sind: Figuren (König, Dame, Bube) zählen 10 Points, alle anderen Karten genau so viele Points als sie Augen aufweisen, als As eins, der Zweier zwei, der Dreier drei usf. Der Tailleur zählt die Points, bis er maximal 30 Points erreicht hat. Die nächste Karte, die er aufschlägt, entscheidet sodann die Anzahl der Points für die obere Reihe.

Die obere Reihe gilt für Noir (Schwarz).

Nun legt der Tailleur unter diese Reihe eine zweite Reihe von Karten auf und zählt genau wie früher lautlos bis er abermals maximal 30 Points erreicht hat. Wieder entscheidet der Wert der folgenden Karte für die Zahl der Points in dieser zweiten (unteren Reihe).

Diese untere Reihe gilt für Rouge (Rot).

Gewonnen hat jene Farbe bzw. Reihe, deren Augenzahl (Points) kleiner ist.

Verfolgen wir nun das Spiel an einem Beispiel:
Der Tailleur schlägt als erste Karte für die obere Reihe den Karo-Neuner auf, er zählt also lautlos 9, als zweite Karte folgt ein Zehner, zusammen 19, dritte Karte ein As, zusammen 20, vierte Karte ein König, gilt 10, zusammen also 30. Die nächste Karte entscheidet: es ist ein Siebener, zusammen also 37. Der Kürze halber meldet der Tailleur immer nur die Zahl der Points, die 30 überschreiten. In unserem Falle wird er also laut sagen: “Sept!” (7). Die Zahl gilt für Noir (Schwarz).

Trente et Quarante

Nun legt er die untere Reihe auf, und zwar König. 10 Points, Zweier, 2 Points, zusammen 12, Dame. 10 Points, zusammen 22, Vierer, 4 Points, zusammen 26, nächste Karte Zehner, 10 Points, zusammen 36, also “Six!” (6) für Rouge (Rot).
Der Tailleur meldet: “Sept, six, rouge gagne…”

Große Bedeutung hat ferner die Karte, die der Tailleur als erste der oberen Reihe aufgelegt hat (in unserem Beispiel Karo-Neun).
Stimmt die Farbe dieser Karte mit der gewinnenden Farbe überein, so hat Couleur (Farbe) gewonnen.
Stimmt die Farbe der ersten Karte nicht mit der gewinnenden Farbe überein, so gewinnt Inverse (Gegenfarbe).

In unserem Beispiel ist Rouge (Rot) die gewinnende Farbe, da nun die Farbe der ersten Karte (Karo-Neun) ebenfalls rot ist, hat Couleur gewonnen. Die ganze Meldung des Tailleurs wird also lauten: “Sept, six, rouge gagne et couleur!”

Die beiden Chancen Noir (Schwarz) und Inverse werden in der Meldung des Tailleurs nie genannt, sondern nur Rouge und Couleur. Wenn es heißt “Rouge gagne” (gewinnt), so versteht sich von selbst, daß Noir verloren hat. Wenn es heißt “Rouge perd” (verliert), so ergibt sich automatisch, daß Noir gewinnt. Das Gleiche gilt für Couleur. Wenn Couleur gewinnt, verliert Inverse, wenn Couleur verliert, gewinnt Inverse.
Beispiel : Die erste Reihe zählt 32 Punkte, die zweite Reihe 35 Punkte, die erste Karte war rot. Der Tailleur meldet:
“Deux, cinq, rouge perd et couleur!”
Rot verliert, weil die Augenzahl der oberen Reihe kleiner war, Couleur verliert, weil die erste Karte eine rote war und die gewinnende Farbe Schwarz ist.

Beispiel: Die erste Reihe zählt 36 Punkte, die zweite Reihe 34, die erste Karte war Treff-Drei, also schwarz.
Der Tailleur meldet: “Six, quatre, rouge gagne et couleur perd!”
Rot gewinnt, weil die Augenzahl der unteren Reihe kleiner war, Couleur verliert, weil die erste Karte eine schwarze war, während die gewinnende Farbe rot ist.

Beispiel: Die erste Reihe zählt 32 Points, die zweite Reihe 34. Die erste Karte war ein Pik-As, also schwarz.
Der Tailleur meldet: “Deux, quatre, rouge perd et couleur gagne!”
Rot verliert, weil die Augenzahl der oberen Reihe kleiner war, Couleur gewinnt, weil die erste Karte eine schwarze gewesen ist, und Schwarz die gewinnende Farbe ist.

Die Anzahl der Points, die für Gewinn oder Verlust ausschlaggebend sind, liegt stets zwischen 30 und 40, daher der Name des Spieles “Trente-et-Quarante”. Haben wir vorher gesagt, daß der Tailleur immer nur die Endziffern ausruft, also immer nur die Zahlen über 30 meldet, so besteht eine einzige Ausnahme bei der Augenzahl 40 (point maximum), deren Auftreten der Tailleur mit “Quarante” verkündet.

Ist die Anzahl der Points in beiden Reihen gleich, dann ist dieser Coup gleich Null und muß wiederholt werden. Nehmen wir an, daß die Anzahl der Points in beiden Reihen 34 war, dann meldet der Tailleur: “Quatre, quatre, apres!” Der Spieler hat sodann das Recht, seinen Einsatz zurückzuziehen öder beliebig zu ändern.

Weisen beide Reihen 31 Points auf, dann tritt das von den Spielern so gefürchtete “Refait” ein. Der Tailleur ruft: “Un refait, messieurs!”. Es kommen nun nämlich alle Einsätze in das sogenannte “Prison” (Gefängnis). Der Rechen des Tailleurs schiebt die Einsätze in den für das “Prison” vorgesehenen Raum. Markiert wird das auf dem Trente-et-Quarante-Tisch dadurch, daß die Einsätze auf Rouge und Noir in die kleinen roten und schwarzen Felder gerückt werden, die Einsätze auf Couleur in das in der Mitte befindliche Quadrat und jene auf Inverse in das kleinere Dreieck. Erst der nächste Coup entscheidet, ob der Einsatz der Bank verfällt, also für den Spieler verloren ist, oder ob der Spieler wieder frei über seinen Einsatz verfügen kann. Dem Spieler steht jedoch das Recht zu, die Hälfte seines im “Prison” befindlichen Einsatzes zurückzufordern, indem er ruft: “Partagez la masse!” Das wird er dann tun, wenn er fürchtet, beim nächsten Coup seinen ganzen Einsatz zu verlieren.

Auch beim Trente-et-Quarante-Spiel kann man, wie bei der Roulette, zwei Chancen besetzen. Man kann also à cheval Rouge und Couleur, Noir und Couleur. Rouge und Inverse oder Noir und Inverse spielen. Kommen beide Chancen, dann ist der Gewinn gleich dem Einsatz, gewinnt nur eine Chance, so gilt die Partie als unentschieden.

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