Vom Spielen leben?

Ein Artikel aus der Rubrik Berühmte Spieler, Spielcasinos.

Im Spielerjargon heißen Leute, die ohne Spielen nicht leben können, “Zocker”. Sie wollen im Spiel nicht ihren Lebensunterhalt erwerben, sondern sich erholen, vergnügen, entspannen. Es sind große Spieler unter ihnen, die sich das Vergnügen etwas kosten lassen und im Gewinn die Bestätigung ihrer Persönlichkeit, ihres Lebensstils sehen.

Neben diesen Zockern hohen Grades sitzen die kleinen, bescheidenen “Professoren”. Sie sind im Casino stets die ersten am Roulette-Spieltisch, legen ihren Notizblock vor sich hin, spielen einfache Chancen nach einfachem System, das ihnen immerhin 50 Euro am Tag einbringen kann. Viel Zeit gehört dazu, Geduld und Charakterfestigkeit, im rechten Augenblick mit bescheidenem Gewinn vom Spieltisch aufzustehen. Meist sind es Rentner, die mehr Zeit als Kapital haben und eine Aufbesserung ihres Etats verdienen wollen. Immerhin müssen sie ein gewisses Kapital mitbringen, um auch eine Pechsträhne überleben zu können. Sie wissen, bei “ihrer” Bank ist einmal in den letzten sechs Monaten 17mal Rot hintereinander herausgekommen. So rechnen sie aus, der Durchschnitt einer Serie in Rot kann neun bis zehn Coups enthalten. Also beobachten sie, bis eine Serie in Rot sich bildet. Sind sie kühn, setzen sie nach dem fünften Coup “gegen die Bank” auf Schwarz. Kommt noch einmal Rot, so progressieren sie einfach, bis Schwarz kommt. Dann haben sie bei einem Einsatz von 2 Euro eben 2 Euro gewonnen. Haben sie den ganzen Nachmittag auf diese Weise gespielt und ihre 50 Euro gewonnen, so versuchen sie an diesem Tag das Glück nicht mehr.

Die Gefahr liegt für sie in langen Serien, gegen deren Farbe sie spielen. Je nach ihrer Länge können sie bei Progressionen ihr ganzes Kapital verlieren. Bei ihren kleinen Einsätzen kommen sie natürlich nicht in die Gefahrenzone des Maximums. Soviel Kapital haben diese “Professoren” nicht zur Verfügung und wenn sie hätten, würden sie nie 500 Euro aufs Spiel setzen.

Man soll nicht sagen, diese kleinen Zocker könnten bei ander Beschäftigung genausoviel verdienen und ohne Risiko. Wer kennt die Seele der Spieler! Das Prickeln der Unsicherheit, die geheime Hoffnung auf den großen Coup, der Abglanz eines Glücklichen neben ihnen, die Nachbarschaft mit großen Spielern, all das ist ihr Leben, und mehr noch: Es gibt ihrer inhaltsarmen Existenz so etwas wie einen Sinn, oder wenigstens eine Illusion zum Ersatz.

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