Wie entstanden Würfel?

Ein Artikel aus der Rubrik Geschichte.

Würfel waren nicht immer “Würfel”, das heißt kubische Körper. In verschiedenen europäischen Museen kann man polyedrisch geformte “Würfel” aus dem alten Ägypten sehen. Sie sind teilweise so groß wie ein Golfball. Der “vierflächige Würfel” – oder Astragalus – war im Fernen Osten bis zum 10. Jahrhundert in Gebrauch, und auch heute noch kann man ihn dort antreffen – so in Korea, Indien und Indonesien, und zwar als Naturprodukt (Enkelknochen des Schafes) wie auch künstlich gefertigt.
Diese “vierflächigen” stabähnlichen Würfel sind auf den langen Flächen häufig in unterschiedlicher Zahlenfolge numeriert. So gibt es die Folge Eins, Drei, Vier und Sechs, aber auch die Folge Eins, Zwei, Vier und Sechs und schließlich auch die Folge Eins, Zwei, Fünf und Sechs. Wenn vierflächige Würfel paarweise verkauft werden, so weisen beide Würfel häufig verschiedene Zahlenfolgen auf. Diese Sitte wird auf das Bestreben zurückgeführt, die leichten Abweichungen bei einem Paar natürlicher Enkelknochen zu imitieren, bei denen es sich in der Regel um den linken und den rechten Enkelknochen ein und desselben Tieres handelt. Aber auch die kubischen Würfel werden in Asien durchaus nicht in aller Regel nach dem europäischen Schema numeriert. Die beiden jeweils einander gegenüber liegenden Flächen sind oft mit der Zwei und der Drei, der Vier und der Sechs und der Eins und der Fünf bezeichnet.
In Europa und in Asien hat man mit den reinen Zahlen immer auch Statusbezeichnungen verknüpft, und zwar in der Bedeutung des Zahlenwertes: Sklave, Bauer, Konsul, Vizekönig, König, Kaiser. In Asien hat man dagegen ästhetische oder kontemlative Arten des Vergnügens damit verbunden: Harmonie, Natur, Schönheit, Himmel, Erde, Landschaft. In ähnlicher Weise benutzen Craps-Spieler ihren eigenen Slang, wenn es sich um Kombinationen zweier Würfel handelt. Die Zwei, das sind “Schlangenaugen”, die Zwölf “Güterwagen”, die Vier “Kleiner Hans”, die Neun “Neunzig Tage” usw.

Aus Würfeln wurden Dominosteine. In China reicht die Überlieferung bis ins 12. Jahrhundert vor Christus zurück. Aber man darf schließen, daß Dominosteine, falls sie wirklich damals bereits existierten, als Instrumente der Prophetie, nicht aber für Zwecke des Glücksspiels benutzt wurden. In Indien und Korea wird mit Dominos immer noch das Glück bestimmt. Vielleicht entstanden Dominosteine geradezu, weil man mit ihnen den Bereich der göttlichen Wahrsagung vermeiden wollte. Würfel für beide – profane wie geistliche – Zwecke zu benutzen, das kam einem Sakrileg gleich.

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