Wiesbaden

Ein Artikel aus der Rubrik Spielcasinos.

Das im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts neben den Weltbädern Pyrmont und Aachen trotz seiner Römertradition recht bescheidene Wiesbaden verdankt den Großstadtcharakter seiner Spielbank. Schon 1771 hatte der Landesfürst die Erlaubnis zur gewerblichen Ausübung des Spielbetriebes gegeben. Roulette kannte man noch nicht. Nur die damals üblichen Kartenspiele Pharao und Trente et Quarante wurden gespielt. Die Spieltische wurden in Gasthöfen aufgestellt, mal in dem einen, mal in dem anderen. Erst 1810 nahm das neuerbaute Kurhaus auch den Spielbetrieb auf. Von der Pacht wurden ein Hospital und ein Waisenhaus finanziert. Zum Straßenbau, zur Straßenbeleuchtung, zur Kurmusik und natürlich zur Erweiterung des Kurhauses mußte der Pächter einen ansehnlichen Beitrag bezahlen. War das alles auch schon die erste Andeutung einer luxuriösen Entwicklung, so bekam Wiesbaden den rechten Schwung zur Eleganz erst, als auch auf dieses Bad ein Pariser Bankhalter sein Augenmerk richtete und seinen Betrieb vor 1838 nach Wiesbaden verlegte. Er pachtete die Bank und entfaltete wie Blanc in Bad Homburg und Benazet in Baden-Baden ein Gesellschaftsleben, das Wiesbaden nach kurzer Zeit den Ruf eines Weltbades eintrug. Diese cleveren Manager ihrer Zeit wußten, daß zunächst anstelle der biederen Gasthöfe Luxushotels treten mußten, daß neben den Unterkünften für die kranken Kurgäste Appartements für die Flaneure der großen Welt zur Verfügung stehen mußten. Sodann mußte diesen Gästen etwas geboten werden. Das Theater erhielt von der Spielbank mehr Zuschüsse als von der Stadt. Die Stadt selbst erhielt schon im Jahre 1856 für öffentliche Bauten 250.000 Gulden Zuschüsse. Die “Wiesbadener bruleurs” waren zu dieser Zeit das Schlagwort für gesellschaftliche Sensationen, für rauschende Feste im Kurhaus und in den großen Hotels. Alles kreiste um das Casino. Wer zur internationalen Gesellschaft gehören wollte, mußte in den Spielsälen gesehen werden. Was damals in Kunst, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Rang und Namen hatte, war in den Annalen Wiesbadens verzeichnet.

Wie alle Spielbanken schloß auch die Bank in Wiesbaden 1872 ihre Pforten. 1949 genehmigte die hessische Landesregierung der alten Römerstadt die Eröffnung einer Spielbank. Das Kurhaus war noch zerstört, darum wurden die Roulette- und Baccaratische provisorisch im Foyer des Theaters aufgestellt. Erst 1955 konnte das renovierte Kurhaus bezogen werden.

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