Zahlen und Chancen beim Roulette

Ein Artikel aus der Rubrik Glücksspiele.

Die Bedeutung des Zufalls kann bei keinem Glücksspiel so gut beobachtet werden wie bei der Roulette, sogar ohne daß der Beobachter am Spiel teilnimmt. Denn die von Spielbanken veröffentlichten Folgen der von der Kugel getroffenen Zahlen, die sogenannten Permanenzen, geben Aufklärung über das Walten des Zufalls im Wechsel der Zahlen zwischen Null und 36 und aller dazwischenliegenden einzelnen Chancen.

Aber, was sind 37 (mit 0) Zahlen in der unendlichen Zahlenreihe, die es gibt! Denken wir nur, was 37 Zahlen in einer Billion Möglichkeiten ausmachen! Die Folgerungen aus dem Wechsel der 37 Zahlen können also nur von geringer Bedeutung sein für die unendlichen Möglichkeiten. Hierin liegt das Versagen jeden Systems begründet, das Sicherheit zu geben versucht.

Um einen Begriff von diesem Zahlenwechsel und von den daraus zu ziehenden Schlüssen zu geben, sei hier das Ergebnis einiger Beobachtungen angedeutet.
Gustav Rosenberg, ein mit den Methoden des Spiels vertrauter Systematiker, bespricht das Ausbleiben einzelner Chancen nach Beobachtungen im Spielsaal oder Feststellungen aus den Permanenzen.
Die Häufigkeit des Erscheinens einzelner Chancen müsse nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Gesamtauszahlungsquote der Chancen entsprechen (d. h. mit Einsatz). Die einfachen Chancen müßten innerhalb zweier Coups erscheinen, die Dutzende und Kolonnen innerhalb von drei, die Transversale simple innerhalb von sechs usw., die einzelne Nummer einschließlich der Null also innerhalb von 37 Coups.
Wie stark aber das tatsächliche Erscheinen von der Wahrscheinlichkeit abweicht, zeigen folgende Beispiele:
In Monte Carlo wurde das Ausbleiben einer Chance – er sagt nicht, welcher, offenbar einer einfachen Chance – 30mal hintereinander beobachtet. Andere berichten, eine Farbe – Rot oder Schwarz – sei in Monte Carlo 52mal ausgeblieben. Das bedeutet: Die Gegenfarbe erschien in einer 52fachen Serie. In Zoppot wurde – nach Rosenberg – das Ausbleiben einer Farbe 23mal hintereinander registriert. Die Gegenfarbe erschien also in einer 23fachen Serie. Das Ausbleiben eines Dutzends habe er einmal während 35 Coups beobachtet. In Permanenzen habe er das Ausbleiben einer Transversale simple während 73 Coups festgestellt, und das Ausbleiben einer Transversale pleine während 103 Coups. Im Casino Bad Neuenahr blieb in den ersten zwei Jahren seines Bestehens einmal eine Farbe während 17 Coups aus, die Gegenfarbe erschien also in einer 17fachen Serie. Das sind gewiß Abnormitäten, einmalige Erscheinungen. Nichts spricht jedoch dagegen, daß sie sich tagtäglich wiederholen können. Serien einfacher Chancen bis zehn oder elf Coups sind nicht selten, häufig sind Serien von drei bis sieben Coups. Durch sie wird die Differenz zwischen dem “Soll” der Wahrscheinlichkeit und dem “Haben” der Wirklichkeit offenbar. Diese Differenzen sind es, die dem einen Verlust bringen, setzt er gerade auf die länger ausbleibende Chance, dem anderen Gewinn, weil er gerade auf die Chance setzt, die am häufigsten erscheint. Kommt Rot z. B. innerhalb eines Ablaufs von 100 Coups 70mal, so erscheint Schwarz im gleichen Ablauf nur 30mal. Kein Spieler aber kann voraussehen, welche Farbe gerade “Favorit” ist, wie die Spielersprache es nennt. Erst hinterher kann festgestellt werden, welche Chance vom Glück begünstigt wurde.

Interessant ist dennoch eine Gegenüberstellung der Chancen in Gewinn und Verlust, die Gustav Rosenberg in den Permanenzen des Wiesbadener Casinos vom 3. September 1949 bis 15. März 1950 aufgezeichnet hat. Aus dieser Gegenüberstellung geht hervor: Innerhalb dieses Zeitraumes kam es zu einem annähernden Ausgleich der Chancen. Damit wäre auch für die Chancen das Gesetz des Ausgleichs dokumentiert. Aber kein Spieler kann damit rechnen, daß im Ablauf der Spiele innerhalb eines Tages oder innerhalb des Zeitraumes, während er spielt, ein solcher Ausgleich erfolgt. Hat er Glück, erscheint die Chance, in die er “verliebt” ist, an diesem Tag, in dieser Stunde gerade als Favorit; hat er Pech, erscheint sie überhaupt nicht.
Gerade in den Differenzen im Fallen der einzelnen Chancen liegen die Möglichkeiten des Gewinnes und Verlustes, sowohl für den Spieler wie für seinen Partner, die Bank. Unberechenbar ist die Nummernfolge, ob man mit oder ohne System spielt. Das zweite Gesetz neben dem des Ausgleichs lautet nun einmal: Jeder Coup steht für sich allein. Er ist weder die Folge des vorhergehenden, noch wirkt er auf den folgenden ein.

Die Einzelnummern wechseln in einer Art und Weise, die aller Berechnung spottet. Nach der Wahrscheinlichkeit könnte innerhalb von 37 Coups jede Zahl von 0 bis 36 einmal erscheinen. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, aber in der ganzen Spielliteratur ist ein solcher Fall niemals aufgezeichnet worden und wird auch wohl kaum aufgezeichnet werden.
Es kann vorkommen, daß eine Zahl im Verlauf eines Spieltages überhaupt nicht erscheint, sogar in zwei aufeinanderfolgenden Tagen nicht. Auch das wurde schon beobachtet. Wer das Pech hatte, sich an diesem Tage auf diese Zahl zu kaprizieren, ging mit Verlust heim. Umgekehrt kann die weiße Kugel an einem Tag sehr oft auf die gleiche Zahl fallen. Serien von Einzelnummern gehen kaum über vier Coups hinaus. Eine zweimal hintereinander erscheinende Nummer nennt die Spielersprache “Zwillinge”, eine dreimal hintereinander erscheinende “Drillinge”. Diese sind schon selten. Ganz selten kommt ein “Vierling” vor.

Manchmal erscheinen Zwillinge verschiedener Zahlen an einem Spieltag ein-, sechs- oder auch schon achtmal, oft aber überhaupt nicht. Am Tisch des Casinos Bad Neuenahr wurden an einem Tag schon über 20 Zwillinge aufgezeichnet. An einem anderen Tag erschienen ebenfalls häufig Zwillinge verschiedener Nummern, aber zwischen den gleichen Zahlen stets eine fremde. Also 2, 31, 2, oder 17, 5, 17 u. a.
Und dies trotz des ständigen Handwechsels, so daß also die Abnormitäten nicht durch den Abwurf der Kugel hervorgerufen wurden. Es sind Phänomene, die wir feststellen, aber nicht erklären können.
Viele wollen einen Rhythmus im Erscheinen der Zahlen und Chancen erkennen. Selbst wenn es ihn gibt, muß doch damit gerechnet werden, daß bei der Roulette das Spiel an einer Maschine meist zwölf Stunden und mehr unterbrodien wird, der Rhythmus also aussetzt. Es muß auch berücksichtigt werden, daß die Maschinen von Zeit zu Zeit überholt werden. Ganz abgesehen davon, daß die Maschine zwischen den Coups weiter rotiert, wird sie zum neuen Coup in der entgegengesetzten Richtung gedreht. Das alles sind Unterbrechungen von längerer oder kürzerer Dauer, so daß von einem gleichmäßigen Verlauf unter gleichbleibenden Bedingungen gar nicht gesprochen werden kann. Das Gesetz des Ausgleichs muß hier als ausgeschaltet gelten. Und doch erscheint der Ausgleich innerhalb einer gewissen, allerdings großen Anzahl von Coups in einem begrenzten Zeitraum. – Das gehört in den Bereich des Geheimnisvollen.

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