Baccarat

Ein Artikel aus der Rubrik Geschicklichkeitsspiele.

Das Kartenspiel Baccarat wird mit drei Personen gespielt, wobei einer der sogenannte Bankhalter ist, gegen den die anderen beiden spielen. Das soll freilich nicht heißen, daß nicht auch andere Personen indirekt teilnehmen können; selbstverständlich können die anderen am Tisch Sitzenden Einsätze leisten und dadurch am Gewinn bzw. Verlust beteiligt sein.

Benutzt werden zwei Kartenpacke zu 52 Blatt. Die Farben der Karten spielen überhaupt keine Rolle; es kommt nur auf den Augenwert der Karten an: As = 1, Zwei = 2, Drei = 3, Vier = 4, Fünf = 5, Sechs = 6, Sieben = 7, Acht = 8, Neun = 9, Zehn = 0, Bube = 0, Dame = 0, König = 0. Sorgfältig mischt der Bankhalter die Karten, läßt sie von einem der Spielenden abheben und legt sie dann verdeckt in einen Schlitten, d. h. in ein Gestell, in dem sie wie ein schräggestellter Block zum Abgreifen bereitliegen. Im Anschluß daran machen alle, die sich beteiligen, ihren Einsatz, der Bankhalter sowohl wie die aktiv und passiv Mitspielenden; jeder legt den eingesetzten Betrag in Geld oder Chips vor sich auf den Tisch.

Nun beginnt das eigentliche Spiel; der Bankhalter gibt sowohl jedem der beiden aktiven Spieler wie auch sich selbst verdeckt je zwei Karten aus dem Kartenschlitten, in zwei Gängen zu einer Karte. Es gewinnt gegen den Bankhalter derjenige, der eine höhere Augenzahl in seinen Karten hat. Als höchste Augenzahl gilt 9, also 8 plus 1 oder 7 plus 2 oder 6 plus 3 oder 5 plus 4 oder 9 plus 0. Hat einer mehr als 9 Augen in der Hand, so sind von dieser Augenzahl 10 Augen abzuziehen, so daß er z. B. bei einer Sieben und einer Acht tatsächlich nur 7 plus 8 minus 10 = 5 Augen zählen darf. Es kommt also auf dasselbe hinaus, ob einer einen König und eine Dame oder ob er eine Vier und eine Sechs besitzt, in beiden Fällen hat er 0 Augen. Das ist die Situation, die als ,”Baccarat” bezeichnet wird und der das Spiel seinen Namen verdankt. Wer in diese Situation gerät, sagt “Bac” und legt seine beiden Karten offen auf den Tisch, dies will besagen, daß das Spiel ungültig ist, selbst wenn der Bankhalter oder der andere Spieler 8 oder 9 Augen in der Hand hat; alle legen ihre Karten weg und bekommen daraufhin neue Karten. Falls einer der Spieler 8 oder 9 Augen in seinen Karten hat, und keiner hat “Bac” angesagt, darf er der Regel nach sofort seine beiden Karten aufdecken, denn es ist kaum zu vermuten, daß der Bankhalter oder der andere Spieler eine so hohe Augenzahl aufweisen kann. Ist nun aber weder das eine noch das andere eingetroffen, also keiner hat 9 oder 8 oder 0 Augen in seiner Hand, so geht das Spiel weiter. Der Bankhalter erkundigt sich nun bei den Spielern, ob der eine oder der andere oder auch beide noch eine dritte Karte haben möchten, denn jeder der beiden Spieler und auch der Bankhalter selbst haben in diesem Fall das Recht, noch eine dritte Karte hinzuzunehmen, um mit ihr unter Umständen auf eine höhere Augenzahl zu kommen. Diese dritte Karte wird nun aber, falls sie gewünscht wird, dem Betreffenden nicht verdeckt, sondern offen vom Bankhalter übergeben, damit alle am Tisch Sitzenden sie erkennen können.

Jeder, der eine dritte Karte hinzunimmt, muß sich darüber im klaren sein, daß er nicht unbedingt mit ihr eine Verbesserung seiner Karten erreicht; sehr wohl kann er sich dadurch auch seine Karten verschlechtern. Eine kurze Erwägung an Hand einiger Beispiele mag diesen Sachverhalt beleuchten. Nehmen wir an, der eine der beiden Spieler habe ein As und eine Vier in der Hand, dann macht das 5 Augen; kauft er nun dazu ein As oder eine Zwei oder eine Drei oder eine Vier, so verbessert er sich in jedem Fall die Karten, ja im letzten Fall – also mit einer Vier – kommt er sogar auf die höchstmögliche Augenzahl, nämlich 9. Kauft er jedoch eine Fünf dazu, so kommt er auf 10 Augen, praktisch also, da er ja wieder 10 Augen abziehen muß, auf 0. Und wenn er gar eine Sechs oder eine Sieben oder eine Acht oder eine Neun hinzukauft, dann verschlechtert er sich ebenfalls immer seine Karte, weil er ja wieder 10 Augen von der gesamten Augenzahl abzuziehen hat und dadurch praktisch auf 1 bzw. 2 bzw. 3 bzw. 4 Augen kommt. Beim Kauf einer Zehn oder eines Königs oder einer Dame oder eines Buben bleibt er auf der Augenzahl 5 stehen, weil die genannten Karten alle nur den Wert 0 haben. Man sieht also, daß die Aussichten auf Verbesserung wie die auf Verschlechterung für den Spieler ungefähr gleich groß sind.

Wenn wir nun einmal die Annahme machen, daß der Spieler 7 oder 6 Augen in seinen beiden Karten zählt (er habe z. B. eine Vier und eine Zwei oder eine Drei und eine Vier), dann schrumpft die Chance, seine Karten zu verbessern, zusehends zusammen; denn in diesem Fall kann ihm nur ein As oder eine Zwei bzw. Drei nützen, aber eine solche Karte als dritte zu bekommen, dafür ist nur recht geringe Aussicht vorhanden.

In einer verhältnismäßig günstigen Lage im Hinblick auf die dritte Karte befindet sich eigentlich nur der Spieler, der 1 oder 2 oder 3 oder 4 Augen in seinen beiden Karten zählt. Da eine größere Zahl von Karten in Betracht kommt, die zur Erhöhung seiner Augenzahl beitragen können, die Wahrscheinlichkeit also, sich durch Kauf der dritten Karte zu verbessern, größer ist als die Wahrscheinlichkeit, sich zu verschlechtern, so soll man ihm in diesem Fall raten, unbedenklich zu kaufen. Nachdem beide Spieler sich entschieden haben, also entweder zum Nichtkauf oder Kauf, und nachdem die eventuell gekauften Karten offen auf den Tisch gelegt worden sind, wird nun auch für den Bankhalter die Frage brennend, ob er eine dritte Karte kaufen soll oder nicht. Er hat es ohne Zweifel leichter als die anderen, weil er ja aus den offen liegenden Karten der Spieler und aus dem Verhalten der Spieler überhaupt seine Schlüsse zu ziehen vermag. Er geht von denselben Überlegungen aus, die wir hier soeben angestellt haben. Er sagt sich sehr richtig, daß nur derjenige eine Karte kauft, der in der Hand weniger als 5 Augen hat. Wer 6 oder 7 Augen in der Hand hat, kauft nicht. Demgemäß ist der Bankhalter im Handumdrehen in der Lage, mit Hilfe der aufgedeckten Karten zu überschlagen, wie viele Augen jeder der Spieler im ganzen haben dürfte. Auf Grund solcher Erwägungen kommt er zur Entscheidung: er kauft bzw. kauft nicht.

Alles weitere wickelt sich nun rasch ab: Der Bankhalter legt seine Karten offen aus und sagt die Zahl seiner Augen an. Haben die beiden Spieler weniger Augen als er aufzuweisen, so gehen alle Einsätze auf ihn über. Einem Spieler freilich, der mehr Augen als er besitzt, hat er den doppelten Einsatz zu bezahlen, natürlich auch allen denen am Tisch, die mit diesem Spieler unter Leistung von Einsätzen mitgegangen sind. Recht ansehnlich wird sein Verlust, wenn beide Spieler durch eine höhere Augenzahl gegen ihn gewinnen; denn dann gilt es, beiden Spielern sowohl wie allen indirekt Beteiligten den doppelten Betrag der Einsätze zu bezahlen. Sollte zufällig ein Spieler und zugleich der Bankhalter die gleiche Augenzahl aufzuweisen haben, gewinnt der Bankhalter, falls dieser Sachverhalt nicht dadurch entstanden ist, daß der Spieler auf den Kauf Verzicht geleistet, der Bankhalter hingegen eine Karte zugekauft hat.

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