Deutschlandweite Manipulation an Spielautomaten

Von Trickbetrug in großem Stil waren Spielotheken Ende 2009 deutschlandweit betroffen. Mit einem Trick erbeuteten Männer im November und Dezember 2009 in Spielotheken im Raum Niedersachsen ca. 44.000 Euro. Der jährliche Schaden solcher Manipulationen wird bundesweit auf 10 bis 20 Millionen Euro geschätzt.

In einem Spielcasino im niedersächsischen Holdorf, zwischen Bremen und Osnabrück, lümmeln sich drei Männer ungezwungen in den Sesseln. Sie unterhalten sich, rauchen und werfen an zwei, drei Spielautomaten ein paar Münzen ein. Zwanzig, dreißig Minuten halten sie sich im Spielcenter auf und niemand bemerkt, dass sie in dieser Zeit eine Straftat begehen. Mit einem Trick erbeuteten die Unbekannten zwischen dem 24. November und dem 04. Dezember 2009 in sechs Spielstätten der „Merkur“-Kette im Raum Niedersachsen etwa 44.000 Euro. Während in der Vergangenheit mit Brechstange und Bohrer gearbeitet wurde, um rein mechanisch an das Geld zu gelangen, hat sich die Vorgehensweise der Täter inzwischen gewandelt. Heute werden elektronische Bauteile verwendet.

Auch in der „Merkur“-Filiale im Gewerbegebiet in Schortens, zwischen Oldenburg und Jever, tauchen die drei Männer auf. Am 02. Dezember 2009, gegen 17:35 Uhr bespielen sie in einem abgetrennten Bereich mehrere Automaten, mit dem Ziel, andere Kunden daran zu hindern, in deren Nähe Platz zu nehmen. Während sich einer der Täter am Spielautomaten zu schaffen macht, beschäftigt ein Komplize das Servicepersonal. Ein weiterer Mann schiebt an einem Spielgerät einen präparierten Draht in die Öffnung für die Geldscheine und sucht darin einen bestimmten elektronischen Kontakt. Hat er diesen gefunden, wird ein Steuergerät angeschlossen, das eine Geldaufwertung ermöglicht. Anschließend werden fünf Euro eingeworfen und daraus werden mit Hilfe des angeschlossenen Steuergerätes 50 Euro Spielguthaben. Das Guthaben lassen sich die Täter sofort auszahlen.

Die Polizei geht davon aus, dass die Betrüger nicht zum ersten Mal unterwegs waren: Sie hatten keinerlei Scheu vor den Überwachungskameras, die überall in der Spielothek aufgebaut waren. Die Täter haben weder den Trick erfunden, noch das Steuergerät gebaut. Dahinter stehen Tüftler und Spezialisten, die den Betrug wie ein Unternehmen organisieren und den Tätern das nötige Wissen zur Verfügung stellen. Diese bezahlen eine Kaution für den Trick und dürfen dann in einem bestimmten Bereich die vorhandenen Spielstätten abfahren und „abarbeiten“. Für die Hintermänner ist dieses Geschäft weitgehend risikolos.

Die Betrugsserie 2009 endete am 04. Dezember. Geschädigt wurden „Merkur“-Filialen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Die länderübergreifende Vernetzung der Täter erschwert die polizeilichen Ermittlungen. Die Fahnder können meist nur auf Ereignisse reagieren. Hinzu kommt, dass die Betrügereien selten gleich entdeckt werden und eine Spurensicherung kaum möglich ist. Dass ein Steuergerät in einem Fall zurückgelassen wurde, war für die Ermittler pures Glück.

Die Täter aus Niedersachsen sahen folgendermaßen aus: Ein Mann war etwa Ende 20 und ca. 1,75 bis 1,80 m groß und schlank. Er sprach deutsch ohne Akzent. Sein Komplize ist etwa 50 Jahre alt und ebenfalls 1,75 bis 1,80 m groß. Er hat dunkle Haare und trug eine Brille. Der dritte Mann ist etwa Mitte 30. Soweit bekannt, hat er die Manipulationen am Spielautomaten durchgeführt.

Wer kann Angaben machen, aus welchem Bereich die Täter stammen, und kann der Polizei sachdienliche Hinweise geben?
Hinweise bitte an die Kripo in Jever, Tel.: 04461 92110.

Quelle: www.mdr.de